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Der Preis von günstig

Probleme mit kostenoptimierten Embedded-Display-Systemen

04. Februar 2021, 11:20 Uhr   |  Karlheinz Blankenbach


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Lieferkette und Preisdruck

2. Lieferkette mit Fokus auf Konsumelektronik

Die Technologietreiber für Displays sind Großabnehmer wie Smartphone-, Fernseh- oder Laptophersteller. Da­rauf ist auch die Lieferkette ausgelegt. Anbieter für industrietaugliche Displays bekommen in erster Linie ein Display, das ursprünglich für Anwendungen in der Konsum­elektronik (Consumer Electronic, CE) entwickelt und für professionelle Anwendungen »veredelt« wurde. Es gibt zwar Hersteller für Profi-Displays, die das Display schon in der Entwicklung auf industrielle Anforderungen auslegen, aber die sind teuer. Verglichen damit wirkt ein Blick auf Displays für die Konsumelektronik beinahe verführerisch: Smartphones und Tablets mit 6"- bzw. 10"-Displays sind schon für 100 € inkl. Steuer erhältlich. Das lässt erahnen, dass ein Display mit Touch-Bedienung auch schon für rund 10 € zu haben ist – vorausgesetzt, man nimmt große Stückzahlen ab. Das tut der industrielle Bereich aber nicht.

Bei Display-Anbietern ist natürlich die Versuchung groß, solche CE-Displays zu beschaffen. Dabei wird in Kauf genommen, dass die Qualitätssicherung auf der Strecke bleibt. Da bei so einem Vorgehen die Liefer- und Produktionsketten schnell wechseln, lässt sich im Fehlerfall praktisch niemand haftbar machen bzw. der Root Cause beseitigen.

3. Preisdruck und Lernkurve

Generell ist die Display-Branche von einem recht hohen Preisdruck geprägt, der durch Überkapazitäten in Fernost entsteht. Die Folgen sieht man z.B. an Samsung, das seine LCD-Fabs in Südkorea geschlossen hat. Auch in Japan und Taiwan wird kaum mehr in LCD-Produktion investiert. Zusammen mit der Verlagerung des Gravitationszentrums in Richtung China sinken die Preise für die meisten Displays. Das Ziel »Kosten sparen« ist für die Distributoren und Einkäufer von Displays somit ohne eigenes Zutun erfüllt.

Die Schattenseite an dieser, rein aus Sicht der Kostenoptimierung ja durchaus positiven Entwicklung, ist eine verschobene Lieferkette. Weil die Gewinnmargen für Consumer-Displays schmelzen, versuchen sich mehr und mehr CE-orientierte Produktionsfirmen an professionellen Displays. Für die nötige Lernkurve, die sich in Form von absackender Display-Qualität ausdrückt, will natürlich keiner die Zeche zahlen. Das ist für Großabnehmer, die eigene Display-Spezialisten beschäftigen, eine durchaus lösbare Aufgabe. Industrietaugliche Displays und Display-Anwendungen werden aber oft von KMUs entwickelt, die geringe Stückzahlen beziehen und bei denen Displays oft von den Elektronikentwicklern mitbetreut werden – somit lauern hier, auch unter Berücksichtigung des Kostendrucks, eine Vielzahl von Fallstricken.

Stolperstein Versorgungsspannung

Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit verdeutlicht dies: Eine Firma hat von LCDs mit eingebauter 5V-Spannungsversorgung aus Kostengründen auf ein Display-Panel gewechselt, bei dem alle Spannungen – auch die für die TFT-Ansteuerung – extern zugeführt werden. Der Grund für den Wechsel war, dass über das verwendete Embedded-Board mehrere Spannungsversorgungen bereits zur Verfügung standen, sodass man mit wenig Aufwand rechnete. Die so modifizierte Variante wurde sogar in die Serienproduktion überführt. Das Ergebnis ahnen erfahrene Leser schon: Man ist über eine Panel-Spannung gestolpert, die gemäß dem »typischen« Wert im Datenblatt bereitgestellt wurde, aber nicht auf jedes Einzel-LCD abgeglichen wurde. Die Folge waren Feldrückläufer mit dem Fehlerbild Sticking Image.

Bei OLEDs für professionelle Anwendungen mit statischen Bildinhalten muss ein Einbrennen der Bilddarstellung verhindert werden, auch als Burn-in bekannt. Dafür braucht es ebenfalls Erfahrung und den richtigen Lieferanten, der diese Problematik bereits im Panel angeht.
 

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1. Probleme mit kostenoptimierten Embedded-Display-Systemen
2. Lieferkette und Preisdruck
3. Neun typische Fehler

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