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Professionelle Displays 2021

LCD versus OLED – wer macht das Rennen?

26. Januar 2021, 15:06 Uhr   |  Von Dr. Karlheinz Blankenbach, Professor an der Hochschule Pforzheim*

LCD versus OLED – wer macht das Rennen?
© Hochschule Pforzheim

Dr. Karlheinz Blankenbach: »Displays waren schon immer global, in den letzten Jahren verstärkte sich aber ein Trend, der dann 2021 voll durchschlägt – die Produktionsverlagerung nach China.«

Trotz ihres mehrfach prognostizierten Untergangs halten sich LCDs seit Jahrzehnten hartnäckig auf dem Markt. Mittlerweile nähert sich ihre Bildqualität immer mehr der von OLEDs an - sind sie damit die bessere Alternative? Ein Vergleich.

Beginnen wir den Ausblick mit einem Rückblick: Vor 50 Jahren wurden TN-LCDs praktisch zeitgleich in der Schweiz und USA patentiert, ebenso eine LCD-Uhr von Seiko. Die erste LCD-Uhr mit ca. 30 „Pixeln“ kam ein Jahr später auf den Markt. 1991 schlug dann die Geburtsstunde des IBM-PC mit 720 × 350 Pixeln und CRT-Monitoren. Vor 30 Jahren gab es bei Sun ein PDA-Projekt namens „*7“ mit Touchscreen; PDA steht übrigens für Personal Digital Assistent, ein Vorläufer des Smartphones ohne Mobilfunk. Diese hatten ihre Blütezeit vor ca. 20 Jahren. 2001 schlug dann die Stunde der ersten Handys mit Farbdisplay von Ericsson und Mitsubishi mit 101 × 80 bzw. 143 × 120 Pixeln in STN-Technik. In Summe also Innovationen rund um den Globus. Es hält sich übrigens hartnäckig die Hypothese, dass graphische LCDs wegen der asiatischen Schriftzeichen dort gepusht wurden, während für das „westliche“ Alphabet durchaus solche mit alphanumerischen Anzeigen ausreichend sind.

Produktionsverlagerung nach China liegt im Trend

Displays waren schon immer global, in den letzten Jahren verstärkte sich aber ein Trend, der dann 2021 voll durchschlägt – die Produktionsverlagerung nach China: Im Geburtsland (Japan) der Aktiv-Matrix-LCDs wird schon seit mehr als über einem Jahrzehnt nicht mehr in neue LCD-Produktionsstätten investiert. Die Produktionsverlagerung nach China wird zumindest für Samsung-LCDs enden, da diese Firma ihre letzten koreanischen LCD-Werke 2021 schließen wird. Die produzierte LCD-Fläche pro Jahr bleibt in Taiwan auch 2021 im Vergleich zu den Vorjahren praktisch konstant. Dagegen werden in China in diesem Jahr weitere Produktionsstätten – hier vor allem die LCD-Generation 10.5 und neue OLED-Fabs – zu einer massiven Kapazitätsausweitung beitragen. In Summe bedeutet das einen weiteren Preisverfall und potenziell weitere Merger und Ausstiege, wie der 2020 von Mitsubishi für 2022 angekündigte. Besonderes Augenmerk sollte also 2021 auf eine stabile und zuverlässig hochqualitative Supply Chain gelegt werden. Quasi en passant hat Foxconn nunmehr seine Gen-10.5-LCD-Pläne in Wisconsin, USA, auch offiziell endgültig aufgegeben.

Ein Blick auf die Marktzahlen

Wie entwickeln sich nun 2021 die klassischen Marktzahlen Fläche und Umsatz? Erinnern wir uns ein Jahr zurück – wer hatte da die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf dem Radar? Die nachfolgenden Angaben basieren auf Informationen von DSCC, Omdia und verschiedenen Internetquellen. So wurde noch Anfang 2020 ein Produktionsvolumen von ca. 1600 Millionen Smartphone-Displays prognostiziert, am Jahresende waren es dann etwa 1400 Millionen Stück. Dabei blieb das Volumen von LCDs interessanterweise praktisch unverändert, das heißt, die Reduktion fand weitgehendst zulasten der OLED-Produktion statt.

2021 werden voraussichtlich 250 Mio. m2 Displayfläche produziert, davon lediglich 6,5 % in Smartphones verbaut, aber mehr als 70 % in TVs. Fernseher, Monitore, Smartphones, Laptops und Tablets allozieren flächenmäßig ca. 96,5 %. Somit teilen sich die verbleibenden 3,5 % alle anderen Anwendungen (Konsumelektronik und professionell)! Umsatzmäßig sehen die Zahlen für professionelle und andere CE-Anwendungen (von small bis large) besser aus: Aus 3,5 % Flächenanteil werden knapp 15 % Umsatzanteil von etwa 120 Mrd. US-Dollar-Gesamtmarkt, der damit immer noch unter dem von 2018 liegt. Am größten ist der Hebel bei Automotive Displays: Knapp 1 % Fläche generieren ca. 7 % (8 Mrd. US-Dollar) des weltweiten Gesamtumsatzes – also ein hochattraktives Feld für viele Display-Produzenten. Interessant ist hier auch der Vergleich zu TVs: Aus 73 % Flächenanteil werden weniger als 25 % Umsatzanteil – also ein klarer Indikator für niedrigste Preise pro Quadratmeter.

OLEDs haben in Bezug auf den LCD-Umsatz einen stetig steigenden Anteil: Erreichten OLEDs im Jahr 2018 noch weniger als ein Drittel des LCD-Umsatzes, so wird für 2021 knapp die Hälfte des LCD-Umsatzes (80 Milliarden US-Dollar) prognostiziert; 75 % der OLEDs wandern dabei in Smartphones. Automotive-OLEDs werden durch die neue Mercedes-S-Klasse nachhaltig gepuscht.

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1. LCD versus OLED – wer macht das Rennen?
2. Von Passiv-Matrix zu Aktiv-Matrix

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