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Displaytexte einfach übersetzen

16. Februar 2021, 13:00 Uhr   |  Christian Weih-Sum

Displaytexte einfach übersetzen
© Applepy | Shutterstock

Unternehmen haben eine Vielzahl von Dokumenten und Textsorten, die übersetzt werden müssen, um auf dem internationalen Markt erfolgreich sein zu können.Die Übersetzung von Displaytexten spielt eine wichtige Rolle, um neue technische Geräte weltweit verkaufen zu können.

Die Übersetzung von Displaytexten ist komplexer als die klassische Übersetzung, da hier auch die Technik Randbedingungen diktiert. Die kompakte Form eines Displays ist zwar ideal, um Fehlermeldungen oder Bedienfunktionen kurz und knapp wiederzugeben, jedoch erschwert dies die Übersetzung aufgrund des eingeschränkten Platzes. Das ist aber noch nicht alles. Die Übersetzung von Display-Texten birgt weitere Herausforderungen.

Es gibt fünf Aspekte, die zu beachten sind, wenn Displaytexte übersetzt werden sollen. Diese sind die unzureichende Standardisierung der Dateiformate, die mangelnde Kontextinformation während der Übersetzung, die Lauflänge der Texte, der Einsatz von proprietären Schriftarten seitens der Unternehmen und die Feldlängenbegrenzung. Die letzten drei Kategorien hängen voneinander ab, weshalb sie nur im Gesamtbild behandelt werden sollten.

Viele Dateiformate

Von XML, über GSDML und IODD bis hin zu DTX: Unternehmen benutzen oft sehr unterschiedliche Dateiformate zur Definition der Displayinhalte und -parameter oder entwickeln Dateiformate als individuelle Speziallösungen für ihre technischen Produkte. Zudem kommen neue Displaytechnologien immer schneller und variantenreicher auf den Markt. Die Fülle an Dateiformaten ist die erste Herausforderung. Die Übersetzer am Ende der Lieferkette werden Schwierigkeiten haben, all diese Formate zu bearbeiten. Es ist in der Praxis unrealistisch, dass Übersetzer für jeden Displaytyp oder jedes Dateiformat neu geschult werden.

Fehlende Kontextinformation

Entwicklungsabteilungen geben nur sehr ungern die Displaytexte mit integriertem Code zur Übersetzung heraus. Zu hoch sei die Wahrscheinlichkeit, dass während der Übersetzung wichtige Informationen versehentlich gelöscht oder geändert werden. Dies hat zur Folge, dass Übersetzer im Editor nur einzelne Software-Strings zu sehen bekommen. Durch die fehlenden Kontextinformationen entstehen oftmals Übersetzungsfehler. Diese müssen im Nachhinein in aufwändigen Korrekturschleifen behoben werden.

Da Displaytexte oft am Ende der Produktentwicklung übersetzt werden, können diese Korrekturschleifen gekürzt werden oder gar ausfallen, damit das neue Gerät rechtzeitig ausgeliefert werden kann. Die logische Konsequenz ist, dass der Anwender ein technisches Produkt erhält, das Fehlinformationen enthalten kann. Das ist mindestens frustrierend, kann aber auch schnell zu Fehlbedienungen, Systemausfällen und Softwareabstürzen führen.

Across Systems GmbH
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Bild 1: Lauflänge je nach Schriftart.

Feldlängenbegrenzung

Aufgrund der Konstruktionsweise technischer Geräte sind die Displays meistens relativ klein. Die Texte müssen an die limitierten Platzvorgaben angepasst werden, ohne die relevanten Informationen außen vor zu lassen. In der Regel ist die Mastersprache der Programmierung Englisch. Die Sprache ist bekannt für ihre eher kurzen Wörter. Wenn Displaytexte also in Sprachen mit längeren Wörtern übersetzt werden, wie z. B. Deutsch oder Russisch, führt dies zu Platzproblemen. Beispielsweise ist die Übersetzung des englischen Begriffs »screen« auf Deutsch »Bildschirm«.

In der Tabelle ist die mittlere Wortlänge in verschiedenen Sprachen abgebildet. Die Projektverantwortlichen müssen daher die Übersetzer über etwaige Zeichenbegrenzungen informieren, damit sie die Texte den Displayeigenschaften bei Bedarf anpassen können. Displays mit Laufschrift bieten mehr Flexibilität, jedoch können lange Wörter den Lesefluss beeinträchtigen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Übersetzung von Displaytexten ist die Lauflänge der verschiedenen Wörter. Denn selbst wenn die Zeichenbegrenzung eingehalten wird, passt der Text nicht in das Display, wenn die Lauflänge der Übersetzung zu groß ist. Auf Deutsch ist zum Beispiel die Lauflänge des Wortes »Illustration« kürzer als die von »Kabeltrommel«, obwohl beide Wörter aus zwölf Buchstaben bestehen.

Proprietäre Schriftarten

Proprietäre Schriftarten stellen Übersetzer regelmäßig vor Herausforderungen. Denn wenn ein Unternehmen eine individuelle Schriftart entwickelt oder gekauft hat, steht diese dem Übersetzer oder dem Übersetzungsdienstleister aufgrund der Lizenzierung nicht zur Verfügung. Bei Übersetzungen z. B. von Informationsmaterial ist das kein großes Problem, da in den Übersetzungseditoren die Schriftart einfach durch eine generische ersetzt wird.

Bei der Übersetzung von Displaytexten spielen proprietäre Schriftarten jedoch eine große Rolle, da mit generischen Schriftarten die Lauflänge verfälscht wird. Um auf das vorherige Beispiel zurückzugreifen: Das Wort »Kabeltrommel« hat bei gleicher Schriftgröße je nach Schriftart eine größere beziehungsweise kleinere Lauflänge (Bild 1).

Übersetzungs-Workflow

Normalerweise werden vor der Übersetzung die Texteinheiten vom Quellcode getrennt. Dies soll verhindern, dass der oder die Übersetzer versehentlich Elemente aus dem Quellcode löschen und dadurch einen nachträglichen Mehraufwand auslösen.

Das Resultat davon ist eine Kompilation von Strings in Word- oder Excel-Dateien. Diese werden anschließend dem eingesetzten Sprachdienstleister gesendet und vom zuständigen Übersetzer bearbeitet. Nach Fertigstellen der Aufgabe durchlaufen die Dateien die Lieferkette rückwärts, bis die Programmierer die übersetzten Zeichenketten samt Quellcode in die Software einspielen.

Wer sich schon mit dem Thema befasst hat, weiß, dass diese Herangehensweise schnell zu Problemen führen kann. Oft sind die Übersetzungen zu lang und passen nicht in die Ausmaße der Displays oder sie sind im Kontext betrachtet unpassend. Bis diese Informationen über den Sprachdienstleister den Übersetzer erreichen und behoben werden, geht viel Zeit verloren. Diese Mehrfachdurchläufe sind aufwändig und verlängern die Produkteinführungszeit. Mit einem Translation-Management-Systems (TMS) kann dier Prozess aber koordiniert und vereinfacht werden kann.

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Bild 2: CrossWeb Displaytexte Rendering.

Einfacher mit Translation- Management-System?

Viele Unternehmen sind bisher noch gar nicht oder nur teilweise mit Translation-Management-Systemen in Berührung gekommen, weshalb die Funktionen und tatsächlichen Einsparpotenziale oft noch unbekannt sind. Ein Translation-Management-System ist eine zentrale Plattform, die Funktionen zur Projekt- und Workflowsteuerung unter anderem mit einem Translation Memory, einer Terminologiedatenbank und einem Übersetzungseditor kombiniert.

Im Übersetzungsspeicher, dem sogenannten Translation Memory, werden alle Übersetzungseinheiten gespeichert, die in einem bestimmten Sprachpaar erstellt werden. Die Übersetzungseinheiten im Translation-Memory bilden bei jeder neuen Übersetzung die Basis für eventuelle Zeit- und Kostenersparnis durch bereits vorhandene Übersetzungen.

Die Terminologiedatenbank ist die »Wörterbuch«-Komponente in einer Übersetzungsumgebung. Die Fachterminologie eines Unternehmens kann gespeichert und für zukünftige Projekte wiederverwendet werden. Es wird somit ermöglicht, dass die Terminologie einheitlich verwendet wird: Vom Informationsmaterial über das Handbuch bis hin zum Gerätedisplay.

Mit der Projektmanagement-Komponente werden die Rahmenbedingungen für die Übersetzung festgelegt, wie Sprachkombination(en), Fälligkeitsdatum, Auswahl projektspezifischer Einstellungen anhand von Vorlagen und vieles mehr. Im Editor kann der Übersetzer in einer formatunabhängigen Umgebung arbeiten, das heißt, er kann alle vom System unterstützten Dateiformate übersetzen, ohne das Format oder das System selbst zu kennen und bedienen zu müssen.

Lokalisierung

Translation-Management-Systeme verfügen in der Regel über eine optionale Komponente, mit der die Lokalisierung von Displaytexten koordiniert und standardisiert werden kann. Damit können Rückfragen und Fehler minimiert werden, was sich positiv auf die Markteinführung eines neuen technischen Geräts auswirkt. Welche diese Funktionen sind und wie sie helfen, die Übersetzung von Displaytexten zu unterstützen, wird im Folgenden erläutert.

Standardisierte Formate: Im Translation Management System werden die verschiedenen Dateiformate als XML-Dateien konsolidiert und der Quellcode gesperrt. Dem Sprachdienstleister kann also die Quelldatei zur Verfügung gestellt werden, da der Übersetzer nur den eigentlichen Text bearbeiten kann. Außerdem können Inhalte gesperrt werden, die vom Übersetzer nicht verändert werden dürfen, wie zum Beispiel Modellnummern.

Display Rendering: Aus dem Quellcode wird ein Textfeld in der Größe des Displays gerendert. Der Übersetzer sieht in Echtzeit, ob die Feldlängenbegrenzung und die Lauflänge eingehalten werden. Das gerenderte Bild wird auf dem Server mittels Windows Presentation Foundation (WPF) erzeugt. Das Rendering kann in Details Abweichungen zur Render-Engine des Kunden aufweisen. Besonders Kerning und Spacing werden in unterschiedlichen Render-Engines unterschiedlich interpretiert. Deshalb verfügt der Displaytext-Server (DTS) über eine Plug-in-Architektur, sodass Custom-Render-Engines mit überschaubarem Programmieraufwand integriert werden können, beispielsweise Blink für HTML5. Die Parametrierung, welche Render-Engine verwendet werden soll, findet in der DTXML/DTX-Datei statt, sodass mehrere Engines parallel eingesetzt werden können. Bei der Übersetzung liefert der DTS das gerenderte Bild und die Information »passt/passt nicht« für die Kennzeichnung und den Qualitätsmanagement-Check.

Web-Client: Wird die Übersetzungsaufgabe in einem Online-Client durchgeführt, arbeitet der Übersetzer direkt auf dem Server des Auftraggebers. Vorteil: Proprietäre Schriftarten können sicher zur Verfügung gestellt werden. Außerdem müssen die Sprachdienstleister und Übersetzer aufgrund der Online-Bearbeitung keine zusätzliche Software kaufen. Bei Across heißt der Web-Client crossWeb. Der Displaytext-Server wird vom Across-Language-Server und crossWeb als zentrale Komponente angesprochen. Beim Einchecken einer neuen Aufgabe prüft der Across-Language-Server die DTXML-Datei (ein von Across definiertes XML-Format) anhand eines XSD auf Validität. Anschließend prüft der DTS, ob die nötigen Schriftarten auf dem Server installiert sind und ob die Schriftart die Zielsprache unterstützt, was insbesondere für asiatische Zeichensätze und RTL-Sprachen wichtig ist.

Auf dem Kundenserver müssen die Schriftarten und, falls vorhanden, die Custom-Render-Engines installiert sein. Diese Daten werden den Übersetzern nicht lokal zur Verfügung gestellt.

Kommentare: In DTXML können pro Display Quellcodekommentare und weitere Informationen mit HTML-Markup eingefügt werden, um dem Übersetzer ausreichend Kontext zu bieten. Dies minimiert Rückfragen und Fehler.

Screenshots: Bei jedem String kann zusätzlich zu den Kommentaren ein Screenshot eingefügt werden, um dem Übersetzer einen visuellen Kontext zu geben.

Dokumente: Werden PDFs oder andere Referenzdokumente für die Übersetzung benötigt, können diese einfach an die Aufgabe angehängt werden. Anders als die Quellcodedatei können diese Dokumente vom Sprachdienstleister bzw. Übersetzer lokal gespeichert werden.

Terminologie: Die Terminologie der Displaytexte sollte mit der verwendeten Terminologie in der technischen Dokumentation übereinstimmen. Um dies zu gewährleisten, kann mit dem Translation-Management-System eine entsprechende Terminologiedatenbank angelegt werden. Wird diese gepflegt, wird sowohl den Übersetzern als auch den technischen Redakteuren angezeigt, welche Begriffe verwendet werden sollen und welche nicht.

SpracheMittlere WortlängeDeutsch5,9Englisch4,5Französisch4,4Italienisch4,5Spanisch4,4Russisch6,3

Tabelle 1: Mittlere Wortlänge verschiedener Sprachen.
 
Quelle: F. L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse – Methoden und Maximen der Kryptologie. Springer 1995, S. 312

Fazit

Um einen vermeintlichen Mehraufwand zu verhindern, übergeben Unternehmen die Projekte in einigen Fällen an einen Sprachdienstleister, ohne sich tiefgehend mit der Thematik auseinandergesetzt zu haben. Dies führt in vielen Fällen zu Fehlern und Mehrfachdurchläufen, was für die Unternehmen im Endeffekt ein Minusgeschäft verursacht. Wer sich aber mit der Thematik beschäftigt und mit den Herausforderungen und Lösungen auskennt, kann den komplexen Prozess der Displaylokalisierung optimieren und vereinfachen. Mit dem Einsatz der geeigneten Software-Komponente in Form eines Translation-Management-Systems können Unternehmen Zeit und Geld sparen, was die Produkteinführungszeit verkürzt und die Kundenzufriedenheit erhöht. (jk)

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