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LeddarTech/Coast Autonomous

Es darf keine blinden Flecken geben!

08. Juli 2019, 11:06 Uhr   |  Iris Stroh


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Lidar-Systeme genau angepasst

LeddarTech
© LeddarTech

Das Lidar-System von LeddarTech bietet eine vollständige Abdeckung ohne tote Zonen im gesamten Umkreis des Fahrzeugs.

»Coast ist ein Beispiel dafür, welches Ziel LeddarTech verfolgt: Wir hören genau zu und entwickeln das, was der Kunde bzw. der Markt braucht«, erklärt Vincent Racine, Product Line Manager bei LeddarTech. Bei Coast ging es darum, ein System zu entwickeln, das sich für ein städtisches Umfeld eignet, in dem auch viele Fußgänger unterwegs sind. Also wurde das System den Anforderungen angepasst, sodass es auch den Nahbereich am Fahrzeug abdecken kann.

Wo lagen die besonderen Schwierigkeiten bei der Entwicklung? »Lidar-Systeme müssen zu den Umgebungsbedingungen passen. Bei autonomen Shuttles im urbanen Umfeld sind die Sensoren beispielsweise vielen Vibrationen und Stößen ausgesetzt. Das sind Anforderungen, die in vielen Anwendungen, in denen Lidar schon seit Jahren eingesetzt wird, überhaupt nicht auftreten«, fährt Racine fort. Dazu kommt ein großer Temperaturbereich, denn die Shuttles können beispielsweise in den nordischen Staaten zum Einsatz kommen, aber natürlich auch in Florida, wo es sehr heiß und feucht ist. Racine: »Ein weiterer Aspekt sind die Betriebskosten des Fahrzeugs. Ein Sensor, der in einem Fahrzeug zum Einsatz kommt, kann nicht jeden Monat oder jedes Jahr gewartet werden. Die Sensoren müssen also über eine lange Lebensdauer verfügen und in dieser Zeit müssen sie absolut zuverlässig funktionieren, um die Betriebskosten niedrig zu halten«, erklärt Racine weiter. Und diese Anforderungen seien nicht mit denen zu vergleichen, die Sensoren in den bisherigen Testfahrzeugen erfüllen müssen. »In den vergangenen Jahren waren viele autonome Fahrzeuge einfach nur Labore auf Rädern, um die Technologie auszutesten. Jetzt ergibt sich eine Wende, bei der mehr autonome Fahrzeuge in Serie produziert werden und in vielen Bereichen eingesetzt werden. Dafür sind zuverlässige und kostengünstige Sensoren notwendig, das ist eine wichtige Voraussetzung für Unternehmen, die autonome Fahrzeuge auf die Straße bringen wollen, wie beispielsweise Coast Autonomous. All diese Anforderungen müssen erfüllt werden, und das, ohne die Performance zu beeinträchtigen«, so Racine.

LeddarTech
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Vincent Racine, LeddarTech »Geht es um autonome Shuttles ,dann dient unser Lidar-System Cocoon dazu, einen Kokon um das Auto herum zu erzeugen, um Fußgänger und andere ungeschützte Verkehrsteilnehmer in der Umgebung des Fahrzeugs zu schützen.«

Heraus kam die zweite Generation von Cocoon. Dabei handelt es sich um ein vollständiges Lidar-System, mit allen Komponenten, die dafür notwendig sind. Während LeddarTech dafür die LeddarEngine liefert, eine flexible Plattform, die aus einem SoC und einer fortschrittlichen Signalverarbeitungssoftware besteht, ist Coast für die Erstellung des Sensormoduls und der Sensordatenfusion verantwortlich.

Das Komplettsystem Cocoon konnte LeddarTech dank seines bestehenden Leddar-Ökosystems entwickeln, in dem Partner für Laserdioden, Detektoren, Prozessorhersteller etc. vertreten sind. Racine betont: »Dieses Leddar-Ökosystem ist eine der Stärken von LeddarTech, denn damit können wir die Systeme entwickeln und herstellen.«

Doch Racine sieht auch in der eigentlichen LeddarTech-Sensortechnologie ein Differenzierungsmerkmal für LeddarTech. »Wir setzen seit Jahren auf die Flash-Technik mit LEDs oder Laserdioden. Wie bei einem Fotoblitz erleuchten wir mit unserer Technik die komplette Szene. Das heißt: Statt einzelner Abtastpunkte erfassen wir damit eben die vollständige Szene, ohne tote Zonen oder blinde Flecken«, so Racine. Lefèvre fügt noch hinzu: »Im Vergleich zu scannenden Lidartechniken ist mit LeddarTech viel weniger Rechenzeit notwendig.« Und Racine erklärt weiter: »Wenn ein Sensor lauter kleine Lichtpunkte auf eine Szene schickt, dann sind viele Lichtpunkte notwendig, um die komplette Szene abzudecken, ergo ist auch der Datenverarbeitungsaufwand höher. Dies steht im krassen Gegensatz zur LeddarTech-Flash-Technik, die einen größeren Bereich abdeckt, als das mit Punkten möglich wäre, und gleichzeitig weniger Daten verarbeiten muss, um die gesamte Szene abzudecken.« Lefèvre abschließend: »Wir nutzen derzeit nur Kameras und Lidarsysteme. Wir fahren mit langsamer Geschwindigkeit, deshalb brauchen wir kein Radar. Ich bin aber dennoch überzeugt, dass aus Redundanzgründen verschiedene Technologien zum Einsatz kommen müssen. Nur eine Sensortechnologie reicht auf keinen Fall.«

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