Produktpiraterie - Fluch der erfolgreichen Marken

Piraten sind en vogue. Seitdem der Womenizer Johnny Depp mit kajalgeschwärzten Augen den leicht verrückten Captain Sparrow gibt, haben Piraten-Konterfeis und Totenköpfe mit Glitzer und Strass einen neuen Look in der Modewelt kreiert, der die Piraten textil gesehen salonfähig macht.

Wenn es bei dem textilen Design sowie der feindlichen Übernahme auf der Kino-Leinwand bleiben würde, wäre die Welt in Ordnung. Aber dem ist leider schon lange nicht mehr so. Textile Piraterie und die Kopie von Luxus-Uhren und anderen Konsumer-Markenartikeln sind seit Jahren ein böses Ärgernis für deutsche Hersteller und richten jedes Jahr Milliarden-Schäden an. Die Fake-Ware kommt aus Nahost und Fernost. Leider ist die Türkei, die sich heftig bewirbt, vollwertiges Mitglied der EU zu werden, in dieser Disziplin Spitze. Und ebenso, nicht nur im Konsumer-, sondern auch im Industriegüter-Bereich, der Shootingstar China. Viel geliebt und umworben als Wirtschaftswunderland mit traumhaften Wachstumsraten.

Aber der Drache spuckt auch Feuer. Produktkopien bis ins kleinste Detail, eingescannte Katalogseiten deutscher Herstellerfirmen, nur durch ein anderes Logo verziert, richten massiven Schaden an.

Was der Chinese gemäß den Lehren des weisen Konfuzius als „Verbeugung vor dem Meister, der es am besten macht“, nicht ehrenrührig empfindet, richtet dann Schaden an, wenn qualitativ unzulängliche Produkte ausfallen und damit den Qualitätsstandard des Original-Herstellers massiv in Misskredit bringen. Das ist geschäftsschädigend, abgesehen vom Verdruss und Verlust, den das Dumping-Pricing der Asiaten bewirkt.

Tritt China der WTO bei, muss sich vorher deutlich etwas tun. In Deutschland ziehen Industrie-Verbände für und mit ihren Mitgliedern gegen die Kopisten zu Felde. Das sind oftmals aber nur Tropfen auf heiße Steine. Wenn sich beispielsweise chinesische Aussteller auf deutschen Traditionsmessen in wenigen Jahren zu einer der größten Aussteller-Nationen mausern, ist auch dort Handlungsbedarf angesagt. Hier sind Freud´ und Leid für die Messegesellschaften direkt nebeneinander und die Krux ist nicht einfach zu lösen.

Das geht letztendlich nur im Zusammengang von Herstellern, Verbänden und Messegesellschaften im offenen und offensiven Dialog mit den Kopisten-Nationen. Und die Regierungen dieser Länder müssen auch offensiv ihre Piratentruppen zur Räson bringen. Denn Globalisierung kann nicht nur bedeuten, dass wir uns in Deutschland des interkulturellen Managements durch Seminare befleißigen, sondern auch vice versa die Asiaten und Bald-Europäer Türkei sich auf die westlichen Kulturen zubewegen und deren Wertesysteme kennenlernen und respektieren. Wettbewerb belebt das Geschäft – aber bitte im fair play!

Angela Josephs
Phoenix Contact GmbH & Co KG
Blomberg

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