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Interview mit Dominik Obermaier, HiveMQ

»Nur wenn ich Dinge anders mache, habe ich Erfolg«

17. März 2020, 14:30 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

Open Source und Tipps für Gründer

HiveMQ ist vor kurzem auf den Open-Source-Zug aufgesprungen. Was hat Sie dazu bewegt?

Obermaier: OpenSource ist aus folgendem Grund so wichtig: Das ganze Internet basiert auf Standards. Viele Hersteller wollten proprietäre Standards pushen, trotzdem hat sich TCP/IP durchgesetzt. Nicht weil es die beste Technik ist, sondern weil es offen war. Ein offener Standard hat viele Vorteile, jeder kann ihn nutzen und mit ihm entwickeln. Der Quellcode ist verfügbar und als Grundlage zu verwenden, wie bei Linux – jeder kann es einsetzen und weiterentwickeln. Aus meiner Sicht ist der Erfolg des Internets auf offene Standards zurückzuführen.

Im IoT wird alles über offene Standards aufgebaut, gerade auf der Geräteseite. Mit Open Source Software ist es möglich, in allen gängigen Sprachen MQTT-Systeme aufzubauen. Mit BMW haben wir beispielsweise eine Open-Source-Bibliothek für Fahrzeuge, Server und Geräte entwickelt, die jede Firma und jeder Entwickler kostenlos nutzen kann.

 

Wie generieren Sie dann Ihren Umsatz?

Obermaier: Zunächst mit der Professional oder Enterprise Version unseres Brokers – wir bieten eine hohe Skalierung, hohe Datendurchsätze, Sicherheitsfunktionen sowie Hochverfügbarkeit und die Flexibilität, andere Systeme anzubinden. Unsere Kunden bezahlen außerdem für einen Support rund um die Uhr sowie für ein Control Center, in dem sich der Broker und die damit vernetzten Geräte monitoren lassen. Inzwischen gibt es HiveMQ auch als voll verwaltete Cloud Version, mit der wir unseren Kunden die Komplexität der Bereitstellung und Verwaltung eines MQTT Brokers abnehmen.

Kommen wir zu Cloud Computing – was tun Sie in Bezug auf den Trend?

Obermaier: Wichtig bei unserer Basis-Software ist, dass Firmen ihre Server selbst betreiben – niemand möchte seine Daten aus der Hand geben. Beim Vernetzen im IoT stellt sich mir die Frage ob ich als Unternehmen meine Daten wirklich zum Beispiel amerikanischen Unternehmen überlassen will. Ich meine, wenn wir in Deutschland weiterhin als Innovationsführer gelten wollen, sollten wir das nicht tun.

Wir sehen uns nicht als typische IoT-Plattform, wir wollen mit MQTT den Kunden die Kontrolle über die Daten zurückgeben. Mit unserer Cloud Version wollen wir Flexibilität und Sichtbarkeit für den Kunden erhöhen. Unsere Cloud kann die Daten beispielsweise an AWS oder Azure verteilen, die Daten bleiben jedoch auf unserem Server. So gewinne ich die Datenhoheit zurück und kann entscheiden wohin ich die Daten schiebe und kann das jederzeit anpassen.

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Wir sollten unsere Daten nicht amerikanischen Unternehmen überlassen

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Sie haben als Start-up begonnen. Haben Sie Tipps für andere Gründer?

Obermaier: Das allerwichtigste für Start-ups ist aus meiner Sicht, schneller zu lernen und zu adaptieren als der Wettbewerb. Ich würde jedem Gründer empfehlen, sich agile Prinzipien anzusehen. Heute haben Firmen die ganze Welt als Konkurrenz. Besser zu sein als der Rest, geht lediglich wenn ich schneller lerne als andere. Ein Unternehmen aufzubauen ist sehr hart, aber lohnenswert. Ein Gründer muss die Dinge tun, die andere nicht tun und Dinge versuchen, die andere nicht machen – auch wenn man erstmal dafür belächelt wird. Nur wenn ich Dinge anders mache, habe ich Erfolg.

Dominik Obermaier
© HiveMQ

Dominik Obermaier ist CTO und Mitbegründer von HiveMQ, einem Start-up aus Landshut, das zu den führenden Unternehmen für die Vernetzung von Maschinen, Geräten und Anwendungen im IoT-Bereich zählt. Er studierte Informatik an der Hochschule Landshut, an der er inzwischen zum Hochschulrat berufen wurde. Dominik hat wesentlich zur Standardisierung des MQTT-Protokolls beigetragen und unterstützt Kunden bei der Entwicklung von IoT-Anwendungen. Daneben ist er Autor und Konferenzredner zu Themen wie MQTT, Java-Anwendungsarchitekturen, IoT und hochskalierbare Systeme.

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1. »Nur wenn ich Dinge anders mache, habe ich Erfolg«
2. Wie hat sich MQTT weiterentwickelt?
3. Open Source und Tipps für Gründer

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