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Industrieverbände warnen vor erweitertem Lockdown

12. April 2021, 15:45 Uhr   |  Ute Häußler


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Deutscher Erfolg: Voraussetzungen für Industrie 4.0

Unternehmen wollen Impfen und Testen

Zur aktuellen Corona-Lage und dem Eindämmen der Pandemie führt der VDMA an, wie anpassungsfähig sich der Maschinen- und Anlagenbau im letzten Jahr gezeigt hat, neue Arbeitszeitmodelle, Heimarbeit und Digitalisierung sowie umfangreiche Hygiene- und Schutzkonzepte eingeführt hat. Im Maschinenbau sei kein einziger Ansteckungshotspot entstanden.  

Die derzeit laufende Impfkampagne soll möglichst bald mit den Betriebsärzten unterstützt werden, allerdings vermied der VDMA-Präsident eine konkrete Aussage und verwies an die Politik, wobei er dezidiert Angela Merkel für die zumindest jetzt einheitlichen und damit für die Unternehmen verlässlichen Regelungen dankte. Die Firmen bauen auf die Impfkampagne und flächendeckende Tests, wobei Karl Haeusgen den Zusatznutzen einer Test-Pflicht als sehr gering ansieht. »Die Unternehmen werden freiwillig schneller sein – 87 % wollen jetzt oder in den nächsten Tagen mit Tests starten.«

Forderungen an die Politik

Offene Grenzen, CETA und Freihandelsabkommen sowie mutige Reformen für die Exportfinanzierung - die Forderungen des VDMA an die Bundesregierung sind auch dieses Jahr wieder lang. Der Maschinen- und Anlagenbau sieht sich als Vorreiter, wünscht sich mehr Mut zu Technologieoffeneheit und setzt auf erneuerbare Energien - fragt aber sehr deutlich nach marktwirtschaftlichen Ansätzen.

Auf Bilanzebene lobt Karl Haeusgen im Namen des VDMA die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung, unter anderem die Erweiterung des Verlustrücktrages und der Abschreibungen. Dieser Weg führe zu Wachstum und sollte fortgeführt werden, ebenso wie die Forschungszulage. Der Präsentident des VDMA vergaß nicht, eine Reform der Unternehmenssteuern sowie wettbewerbsfähige Steuersätze anzusprechen. Der BDI konkretisierte diese Forderung mit dem Ruf nach Senkung des Unternehmenssteuersatzes von 31 % auf 25 %.

Eine Umfrage unter den ZVEI-Mitgliedsunternehmen zeigt, dass 60 % der Firmen eine aktivere Industriepolitik und den gestützten Aufbau kritischer Produktionskapazitäten wie etwa Halbleiter in der EU befürwortet. Ausländische Investitionen in kritische Infrastruktur sollten streng beobachtet werden, Deutschland und die Europäische Union müssten eigene Spitzentechnologien und Infrastrukturmaßnahmen stärken und den Multilateralismus unterstützen. Nach Meinung des ZVEI bauen die Megatrends Elektrifizierung und Digitalisierung auf einer souveränen Infrastruktur auf. Laut ZVEI müsse im Zuge der Dekarbonisierung zudem der Strompreis sinken und die EG-Umlage komplett wegfallen. Stromnetze und insbesondere die Ladeinfratsruktur sollten bereits jetzt smart ausgebaut werden, um Lastenflüsse in Echtzeit abzubilden und die politischen Rahmenbedingungen für eine Sektor-Kopplung  zu schaffen - die Technologien wären bereit, ebenso wie bei 5G und 6G.

Industrie 4.0 als deutsches Erfolgsmodell

Für die Fortschreibung der Erfolgsgeschichte Industrie 4.0 als globales Leuchtturm-Projekt sieht der VDMA die Industrie prinzipiell gut gerüstet. »OPC UA ist die Weltsprache der Maschinen.« Auch der digitale Zwilling sei ein deutsches Industriegut, welches global eingesetzt werde. Für den ZVEI steht I4.0 als Markenzeichen für deutsche industrielle Innovationskraft, fast so wie das verblasste »Made in Germany«. Erst durch Industrie 4.0 sei Nachhaltigkeit und Klimaschutz wirklich möglich, sagt Karl Haeusgen. Nachholbedarf sieht sein Verband bei digitalen Geschäftsmodellen, weshalb er auch Investitionen in einen digitalen Binnenmarkt fordert. Für zukunftsweisende Projekte seien Planungs- und Genehmigungsprozesse der Flaschenhals, weswegen ein Fokus der Bundesregierung auf die Digitalisierung der Verwaltung gelegt werden sollte.

»Wir haben digitalpolitische Strategien zu Daten, zur Blockchain, zu KI und bald auch zu Cybersicherheit - nur an der Umsetzung mangelt es«, schließt Prof. Russwurm vom BDI. »Geld allein schießt keine Tore«, er fordert mehr Pragmatismus und Zupacken - »eine Digitaloffensive für die öffentliche Verwaltung würde einen riesigen Push bedeuten.«

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VDMA Verband Deutscher Maschinen- u. Anlagenbau e.V., ZVEI Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V., Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI)