Schwerpunkte

Huawei-Deutschland-Chef David Wang

»Wo bleiben Sicherheitsstandards auf EU-Ebene?«

23. Juli 2020, 09:54 Uhr   |  Heinz Arnold


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

"...die globale Kooperation wird aufs Spiel gesetzt."

Was hat Ihrer Ansicht nach die US-Regierung dazu gebracht, den US-Firmen praktisch die Lieferung von Chips an Huawei zu verbieten, ihnen aber die Zusammenarbeit auf der Standardisierungsebene mit Huawei zu erlauben?

Hier fällt wohl unübersehbar ins Auge, dass der eigene Schaden größer als der vermeintliche Nutzen wäre, wenn auch die Kooperation auf dieser Ebene aufgegeben würde. Wir begrüßen die Bereitschaft der USA zur Kooperation ausdrücklich. Von globalen Standards profitieren zum Schluss alle; kommen sie nicht zustande, leiden alle. Die Maßnahmen der USA beeinflussen ja nicht nur die Geschäftstätigkeit von Huawei, sondern beschädigen globale Lieferketten, Netzbetreiber sowie Kunden auch in Europa und Deutschland. Generell wird hier die globale Kooperation aufs Spiel gesetzt.

Dass Spionage auf technischer Ebene grundsätzlich möglich ist, lässt sich ja nicht von der Hand zu weisen.

In diesem Zusammenhang freut es uns ganz besonders, dass wir hier eng mit dem BSI und auch anderen Forschungseinrichtungen in Deutschland sowie mit den Telekommunikationsfirmen zusammenarbeiten. Die Wissenschaftler und Ingenieure verstehen sehr gut, was auf dem Gebiet der Spionage möglich ist, vor allem aber auch, was nicht möglich ist. So einfach, wie es in der Öffentlichkeit dargestellt wird, ist es eben nicht, das Kommunikationsnetz eines Landes kurz einmal auszuknipsen oder so nebenbei ständig Daten abzugreifen. Das würde sehr schnell auffallen. Außerdem gibt es Maßnahmen, die die Systeme gegen viele unterschiedliche Angriffe sicher machen. Wie gesagt, wir sind da sehr offen, etwa dem BSI gegenüber. Bisher konnte noch niemand weltweit einen konkreten Beweis dafür präsentieren, dass die Anschuldigungen, wir könnten im Auftrag des chinesischen Staates spionieren, berechtigt wären. Diese Beweise wird es auch nicht geben, weil es einfach nicht stimmt. Leider haben die politischen Schwierigkeiten über die vergangenen zwei Jahre die Öffentlichkeit von dem abgelenkt, was wir eigentlich machen: Produkte und Lösungen für die Kommunikationsinfrastruktur zu entwickeln. Die Auseinandersetzungen mit der US-Regierung und die Sicherheitsdiskussion haben das überlagert. Weil wir mit den Experten des BSI und den übrigen Einrichtungen und Firmen zusammenarbeiten, die die Grundlagen von Sicherheitstechnologie und die tatsächlichen Sicherheitsrisiken sehr gut verstehen, sind wir überzeugt, dass sich die rationale Einschätzung durchsetzen wird.

Huawei versteht sich als Hardware-Hersteller. Will das Unternehmen nicht auch in den lukrativen Geschäftsbereich der Vermarktung der Daten einsteigen?

Auf keinen Fall, wir wollen weder ein Amazon noch ein Google oder Alibaba werden. Wir liefern Ausrüstung für die Netze von Betreibern, die damit die Daten transportieren, die Daten gehören uns aber nicht. Wir haben keinen Zugriff darauf und wir bauen darauf kein Geschäftsmodell auf. Die Daten gehören unseren Kunden, wir verdienen nicht daran. Wir bleiben bei der Hardware.

Genau da will die US-Regierung Huawei treffen: Die Chips, die die Tochter HiSilicon entwirft, fertigt das Unternehmen nicht. Die USA wollen verhindern, dass Foundries die ICs, die mithilfe amerikanischer Technik und Maschinen gefertigt werden, an Huawei verkaufen. TSMC will bereits nicht mehr für Huawei fertigen. Ohne US-Maschinen geht es kaum. Was bleibt Huawei übrig?

Solche politischen Entscheidungen können wirtschaftliche Ökosysteme stören, sie werden jedoch nicht die industrielle Entwicklung für immer aufhalten. Es gibt einen Satz aus einem chinesischen Gedicht der Song-Dynastie: „Die mächtigsten Berge halten Flüsse auf ihrem Weg ins Meer nicht auf.“

Das ist langfristig gedacht. Gibt es aus Ihrer Sicht die Möglichkeit, kurzfristig Chips mithilfe der neusten Technologien auf Linien zu fertigen, in denen kein Equipment von US-Herstellern verwendet wird?

Die Halbleiter-Industrie ist sehr stark globalisiert, damit hat sie große Vorteile für Kunden in aller Welt gebracht. Die unilateralen Maßnahmen der USA bedeuten eine Schädigung aller, auch für die Digitalisierung in Europa und Deutschland. Ähnliche Maßnahmen aus Europa und China würden dieselben negativen Auswirkungen für die ganze Welt bedeuten. Dies kann nicht in unser aller Sinne sein, und deshalb rufen wir zu globaler Kooperation auf.

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1. »Wo bleiben Sicherheitsstandards auf EU-Ebene?«
2. "Deutschland ist einer unserer wichtigsten Märkte..."
3. "...die globale Kooperation wird aufs Spiel gesetzt."

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