Schwerpunkte

Huawei-Deutschland-Chef David Wang

»Wo bleiben Sicherheitsstandards auf EU-Ebene?«

23. Juli 2020, 09:54 Uhr   |  Heinz Arnold


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

"Deutschland ist einer unserer wichtigsten Märkte..."

Welchen Anteil des Umsatzes erwirtschaftet Huawei heute in China?

Weil wir sehr stark an dem Aufbau der 4G- und 5G-Infrastruktur in China beteiligt sind, ist der Anteil über die vergangenen Jahre wieder stark gestiegen. Jetzt liegt er bei rund 50 Prozent. Vor allem deshalb, weil rund 60 Prozent der weltweit installierten 4G-Basisstationen in China stehen. Bei 5G-Basisstationen liegt der Anteil derzeit sogar bei nicht weniger als 80 Prozent. In China werden pro Woche 11.000 neue 5G-Basistationen gebaut.

In München betreibt Huawei das größte R&D-Zentrum in Europa. Wie wichtig ist Deutschland für Huawei?

Deutschland ist einer unserer wichtigsten Märkte, was allein schon eine Zahl zeigt: Unser Einkaufsvolumen beträgt hier 2 Mrd. US-Dollar. Deutschland nimmt also in unserer Lieferkette eine sehr wichtige Stellung ein. Das ist noch längst nicht alles: Unser Forschungszentrum in München ist mit 450 Mitarbeitern tatsächlich das größte in Europa. Hier sind wir auch nah an unseren wichtigen Kunden, etwa Telefónica O2. Außerdem koordiniert das European Research Center in München auch die Aktivitäten der übrigen 18 Forschungsstandorte in Europa. Darüber sind wir mit 18 weiteren Büros in Deutschland vertreten, darunter das Hauptstadtbüro in Berlin. Es berichtet direkt ins Hauptquartier nach Shenzhen, von dort aus arbeite ich meistens.

Welche Verbindungen bestehen zu Forschungseinrichtungen hierzulande?

Es gibt vielfältige Kontakte zu rund 20 Universitäten und Instituten, darunter die TUs in München, Berlin, Darmstadt und Dresden, mit der RWTH Aachen, dem KIT Karlsruhe – hier vor allem auf dem Gebiet der KI – und der Fraunhofer-Gesellschaft, etwa auf dem Sektor Industrie 4.0.

Wann konnte Huawei in Europa Fuß fassen?

Am Anfang sind wir in Europa nicht ernst genommen worden, weder bei den Kunden noch beim Wettbewerb. Einer der ersten Netzbetreiber, mit dem wir 2005 nennenswert ins Geschäft kamen, war British Telecom in UK. In Deutschland startete das erste größere Kooperationsprojekt mit der Deutschen Telekom im Jahr 2007, jetzt arbeiten wir auch mit Vodafone und Telefónica zusammen. Weil die Anforderungen dieser Netzbetreiber sehr hoch sind, ist für uns außerordentlich wichtig, mit solchen Unternehmen gerade in Europa und Deutschland zusammenzuarbeiten, denn dadurch lernen wir sehr viel über deren Bedürfnisse hierzulande.

Einer der wichtigsten Punkte dürfte für Huawei der Sicherheitsaspekt sein. Wie überzeugt Huawei die Anwender davon, dass die Geräte den Anforderungen genügen?

In diesem Zusammenhang ist entscheidend, dass wir Ende 2018 ein Sicherheits-Lab in Bonn eröffnet haben und dort sehr eng mit dem BSI zusammenarbeiten. Wir sind hier vollkommen offen, das BSI erhält den Einblick in den Quellcode. Das BSI untersucht die Systeme genauso wie die einzelnen ICs, etwa die Prozessoren, die von unserer Chip-Design-Tochter HiSilicon kommen. Worüber wir uns besonders freuen: Wir kooperieren nicht nur auf der Ebene der aktuellen Geräte, wir tauschen uns auch gemeinsam zur Entwicklung der neuen Techniken aus. Wir legen dem BSI unsere Roadmaps offen. Die gemeinsame Arbeit startet auf der Ebene der Konzepte und erstreckt sich bis zum Produktdesign. Das Feedback des BSI ist uns auf allen Ebenen wichtig. Wir schätzen den Sachverstand der Mitarbeiter des BSI sehr und bringen deren Vorschläge in unsere Designs ein, bis in die neusten Prozessoren von HiSilicon. So können beide Seiten sicher sein, dass wir alle Vorgaben erfüllen. Wenn wir die hohen Sicherheitsstandards in Deutschland erfüllen, dann dürften wir auch für den Rest der Welt gewappnet sein.

Was unternimmt Huawei auf der europäischen Ebene in Hinblick auf die Sicherheit?

Jedes Land in Europa hat etwas unterschiedliche Regulierungen, was die Sicherheit angeht. Wir arbeiten mit den jeweiligen Behörden zusammen, ähnlich wie mit dem BSI in Deutschland. In Brüssel haben wir im März 2019 das Cyber Security Transparency Center eröffnet. Dort erläutern wir den Kunden unsere 5G-, IoT- und Cloud-Sicherheitskonzepte, arbeiten mit europäischen Partnern bei der Entwicklung von Sicherheitssystemen zusammen und stellen Test- und Verifikations-Plattformen für unsere Kunden zur Verfügung.

Es ist erfreulich, dass es mit dem BSI in Deutschland eine professionelle Behörde gibt, die das Thema Security Management mit hoher Fachkompetenz angeht und entwickelt. Wir würden uns wünschen, dass deren Erfahrung mit anderen europäischen Ländern geteilt würde.

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1. »Wo bleiben Sicherheitsstandards auf EU-Ebene?«
2. "Deutschland ist einer unserer wichtigsten Märkte..."
3. "...die globale Kooperation wird aufs Spiel gesetzt."

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