Schwerpunkte

Digitale Revolution bei der Bahn

Erstes digitales Stellwerk Europas in Betrieb

06. April 2018, 13:04 Uhr   |  Karin Zühlke


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

So funktioniert die neue Stellwerksarchitektur

Technisch gesehen ist das DSTW Nachfolger des Elektronischen Stellwerkes (ESTW). Das stammt aus den 80er und 90er Jahren des letzten
Jahrtausends und ist bis heute die übliche Stellwerkstechnik der Deutschen Bahn. Beide Stellwerksarten haben gemein, dass redundante Rechnersysteme die Stellbefehle der Fahrdienstleiter prüfen und verarbeiten. Die Unterschiede zeigen sich in der Art, wie die Befehle an Weichen, Signale, Gleiskontakte oder Bahnübergänge übermittelt werden. Das passiert beim ESTW über konventionelle, elektrische Schalttechnik mit Hilfe oft sehr langer Kabelbündel. Diese sind jeweils mit einem Stellelement – zum Beispiel einer Weiche – verbunden. Digitale Stellwerke hingegen
übermitteln Stellbefehle mit moderner Netzwerktechnik. Neben einer deutlich größeren Stellentfernung bietet dies den Vorteil, dass weitaus weniger Kabel
erforderlich sind. Die bisher bestehende individuelle Verbindung vom Stellwerk zu jedem einzelnen Stellelement per Kabel entfällt.

Zu sehen ist von der digitalen Revolution bei der Erzgebirgsbahn, die in den nächsten Jahren in ganz Deutschland zu spüren sein wird, auf den ersten Blick jedoch nicht viel. Das DB-Gebäude am Bahnhof Annaberg-Buchholz Süd macht einen gepflegten, eher beschaulichen Eindruck. Das Stellwerk der Zukunft ist kein beeindruckendes Bauwerk mit noch beeindruckender Großtechnik.

Das neue Zeitalter der Stellwerkstechnik kommt vielmehr optisch bescheiden daher:
Die Technik verbirgt sich im Wesentlichen in einem kleinen weißen Kasten, prall gefüllt mit neuester IT. Und genau das macht das Digitale Stellwerk aus: statt riesiger Hardware setzt die neue Technik auf wenige standardisierte, digitale Schnittstellen. Perfekt, auch um einen schnellen Rollout zu realisieren. Denn nach der mehrjährigen
Erprobung der digitalen Stellwerkstechnik Annaberg-Buchholz und Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt will die Bahn die neue Stellwerksarchitektur in der gesamten Bundesrepublik einsetzen. Die Wahl der Erzgebirgsbahn für die Pilotierung des DSTW hatte gute Gründe. Zum einen ist das Streckennetz vor Ort gut überschaubar und icht technisch überladen, die Frequenz des Zugverkehrs nicht exorbitant hoch. Innovationen bei Technik oder Fahrzeugen können so gut erprobt werden.

Seite 2 von 3

1. Erstes digitales Stellwerk Europas in Betrieb
2. So funktioniert die neue Stellwerksarchitektur
3. Siemens-Technik

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

WEKA FACHMEDIEN GmbH