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Die Brücke von der Automatisierung zur IT

17. Oktober 2016, 11:58 Uhr   |  Heinz Arnold


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

Die Brücke von OT zu IT

OSIsoft, Papenfuss
© OSIsoft

Christoph Papenfuss, OSIsoft: »Die Bearbeitungszeiten lassen sich von Monaten auf Minuten reduzieren. Für Unternehmen, die mit großen Datenmengen umgehen, bedeutet dies einen Durchbruch. Die Grenzen zwischen OT und IT verschwinden.«

Der PI-Server steht meist in den Werken selber, denn sehr oft handelt es sich um kritische Einsätze, in denen Ausfälle höchst unerwünscht wären, wie etwa auf großen Schiffen. »Steht der Server, steht das Schiff, und das Licht geht aus. Das darf natürlich nicht geschehen, und deshalb legen wir Wert darauf, dass unsere Server direkt vor Ort arbeiten«, erklärt Papenfuss. Die Anbindung an die Cloud ist in diesem Zusammenhang laut Papenfuss bisher kein Thema.

In dem Markt für Schiffe arbeitet OSIsoft mit der norwegischen Firma „Kongsberg Maritime“ zusammen, die Navigations-, Überwachungs- und Automatisierungssysteme für Schiffe entwickelt. Die Software von OSIsoft sorgt dafür, die Daten der unterschiedlichen Maschinen auf dem Schiff für die weitere Analyse bereitzustellen. Die PI-Server arbeiten unter anderem an den Dieselmotoren. Dort sammeln sie riesige Datenmengen im Millisekundentakt ein. Auch für die Überwachung ganzer Flotten ist wieder OSIsoft zuständig. »Wir liefern die einheitliche Sicht auf die Daten, die aus unterschiedlichen Quellen kommen, das geht nur mit uns.« Für die Öl- und Gasfirmen, die Flotten mit 20, 30 Tankern betreiben, sei es von höchster Wichtigkeit, ein Gesamtbild zu bekommen.

Papenfuss nennt ein weiteres Beispiel aus der Chemieindustrie: »Für ein deutsches Unternehmen haben wir acht Werke „standardisiert“.« In den Werken arbeitet das PI System, die Daten werden auf eine einheitliche Schicht gebracht. Daran kann sich dann ein Energiemanagement-System eines anderen Herstellers andocken, das es dem Chemieunternehmen jetzt erlaubt, die Energieflüsse in den Werken zu optimieren und damit letztendlich Kosten und Ressourcen zu sparen.

Grundsätzlich steht OSIsoft also im Wettbewerb zu zwei unterschiedlichen Firmengruppen. Einmal sind es all die Firmen, die weiterhin intern mit Spreadsheets arbeiten. Zum anderen sind es die großen Systemanbieter wie ABB, GE, Schneider und Siemens. »Wird Siemens Interfaces zu GE anbieten?« fragt Papefuss rhetorisch und gibt gleich die Antwort: »Wohl kaum!« Doch weil OSIsoft unter diesem Aspekt neutral sei – und darauf auch großen Wert lege –, könne das Unternehmen all die Systeme dieser Firmen abdecken. Und vor allem sei das System von OSIsoft skalierbar. Papenfuss: »Wir machen ja nichts anderes, als in unser System weiter zu investieren, die Skalierbarkeit zu erweitern und höchste Verfügbarkeit sicherzustellen.«

Bisher hat das offenbar überzeugt. Derzeit managt das PI System weltweit über 1,5 Mrd. Daten, die Sensoren sammeln, die in über 17.000 Produktionsstätten in 125 Ländern verteilt sind. So arbeiten OSIsoft-Systeme in fast allen Kraftwerken, und von den Top-Pharma-Firmen gehören 15 zu den OSIsoft-Kunden. Viele Systeme finden sich Raffinerien, in der Chemieindustrie, in der Stromnetzüberwachung, in der Papierindustrie und in Brauereien. Hinzugekommen ist die Bahntechnik: Ein französisches Unternehmen überwacht damit die Weichen. Laut Papenfuss ist der Einsatz des Systems ab 500 Signalen sinnvoll, der Durchschnitt liege bei 10.000 bis 15.000 Messstellen pro Werk. Die Zahl könne aber auch ohne weiteres bis 80.000 Signale steigen.

Die Brücke von OT zu IT
 
Von Industrie 4.0 erwartet Papenfuss – wie oben bereits angedeutet – neuen Schub. Denn viele, denen bisher die Spreadsheet-Methode ausreichte, sähen jetzt, dass sie damit nicht mehr weit kommen werden. Im Rahmen von Industrie 4.0 legen die Anwender nun Wert darauf, mit den gesamten Daten auch wirklich etwas anfangen zu können, sie beispielsweise in Big Data-Tools zu analysieren. Das gehe aber nicht mit schmutzigen Sensordaten, die mal ankommen und mal nicht und dann auch noch unbrauchbar sind, weil die entsprechenden Zeitstempel und der Kontext fehlen.

Ein Beispiel dafür, wie die operationale und die IT-Ebene zusammenwachsen, ist die Zusammenarbeit zwischen SAP und OSIsoft. SAP hat das System von OSIsoft unter dem Namen „SAP HANA IoT Connector by OSIsoft“ ins eigene Angebot aufgenommen. So lassen sich die Daten aus der Automatisierungsebene mit den Geschäftsdaten kombinieren. Die Daten der Sensoren bereitet das PI-System so auf, dass sie SAP HANA direkt in Echtzeit übernehmen kann, um sie weitergehend zu analysieren. So kann beispielsweise die Maschinenleistung aus der Ferne in Echtzeit überwacht werden. Probleme lassen sich damit schneller als bisher erkennen und lösen, was Ausfallzeiten minimiert und die Produktqualität verbessert. »Daten aus der Fertigung und Geschäftsdaten weiter zu trennen, kann sich kein datenzentriertes Unternehmen mehr leisten«, sagt Peter Maier, General Manager für Energy and Natural Ressources Industries von SAP. »Mit ihrer Partnerschaft wollen SAP und OSIsoft die Brücke zwischen beiden Welten schlagen.«

Und Papenfuss ergänzt: »Die Bearbeitungszeiten lassen sich von Monaten auf Minuten reduzieren. Für Unternehmen, die mit großen Datenmengen umgehen, bedeutet dies einen Durchbruch. Die Grenzen zwischen OT und IT verschwinden.«

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