»Hirschmann und Lumberg werden von der Übernahme durch Belden profitieren«

Vor gut einem halben Jahr hat die US-amerikanische Belden Inc. die Traditionsunternehmen Hirschmann Automation and Control (AC) und Lumberg Automation Components (AC) übernommen. Dr. Georg Schneider, als Geschäftsführer verantwortlich für Marketing, Forschung und Entwicklung von Hirschmann AC und Lumberg AC, zieht eine erste Bilanz.

Markt&Technik: Welche strategischen Überlegungen haben bei Belden zu der Entscheidung geführt, Hirschmann AC und Lumberg AC zu übernehmen?

Dr. Georg Schneider: Vor der Akquisition der beiden Unternehmen war Belden ein reiner Komponentenhersteller, spezialisiert auf Kabel für Mission-Critical-Anwendungen. Weil diese Produktpalette dem Belden-Management im Blick auf die Zukunft als zu schmal erschien, beschloss es, das Unternehmen breiter aufzustellen und in komplementäre Produktarten und Techniken zu investieren.

Naheliegend waren da zunächst Steckverbinder, weil sie für jedes Kabel erforderlich sind. Die dann verfolgte Strategie war aber noch weitreichender: Belden wollte nicht nur Steckverbinder und Kabel anbieten, sondern hochverfügbare und sichere drahtgebundene und drahtlose Übertragungslösungen für digitale Daten und analoge Signale. So wurde das Belden-Management auf Hirschmann AC aufmerksam. Parallel führte Belden auch Gespräche mit Lumberg AC.

Will Belden die Marken Hirschmann und Lumberg beibehalten?

Auf jeden Fall. Beide Marken haben ein gutes Image nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Renommierte Marken innezuhaben, eröffnet außereuropäischen Unternehmen wie Belden den Zugang zum europäischen Markt. Ihn zu verbessern, war aus Sicht des Belden-Managements einer der wichtigsten Beweggründe für die beiden Akquisitionen.

Belden bildet das Dach für die beiden Marken und die dahinter stehenden Produktpaletten. Entsprechend den Kernkompetenzen von Hirschmann AC und Lumberg AC werden die einzelnen Produktlinien künftig unter dem jeweiligen Markennamen laufen.

Welche organisatorischen Veränderungen sind unter dem Dach von Belden geplant?

Für die Hirschmann-Geschäftsfelder Industrial Networking und Electronic Control Systems ändert sich nichts. Dagegen werden wir im Steckverbinderbereich Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Marketing unternehmensübergreifend integrieren.
 
Den Vertrieb wollen wir noch stärker auf Lösungen hin orientieren: Ein und derselbe Vertriebsmitarbeiter muss den Kunden beispielsweise Steckverbinder und Anschlusstechnik aus beiden Häusern anbieten und erklären können. Das Ziel der Synergieeffekte ist also nicht in erster Linie Kostenoptimierung, sondern vielmehr Lösungsorientierung und dadurch schnelleres Wachstum.

Standortschließungen oder ein Arbeitsplatzabbau sind nicht geplant, zumal keine Überkapazitäten vorhanden sind. Weil wir ein zweistelliges Wachstum als Zielgröße haben, planen wir eher einen Ausbau als einen Abbau.

Was ändert sich auf der Vertriebsebene für die Kunden?

Bei den Ansprechpartnern für die Kunden wird sich wenig ändern. Natürlich wird es im Einzelfall Neuzuordnungen geben. Die Kunden haben aber den Vorteil, Lösungen aus den Produkten von Lumberg AC und Hirschmann AC aus einer Hand zu erhalten. Die gesamte Vertriebsmannschaft in Deutschland wird eher branchen- als postleitzahlen-spezifisch orientiert sein. Entscheidend ist, dass die Kunden von Hirschmann AC und Lumberg AC eine Lösung für die gesamte Signalübertragung von A nach B bekommen.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Markt&Technik, Ausgabe 1/2 vom 11.01.2008