Ein Kabel genügt

Die Highend-Schnittstelle der industriellen Bildverarbeitung Cameralink wurde aufgewertet: Dank Power-over-Cameralink können Kameras nun direkt über das Datenkabel mit Strom versorgt werden.

Die Highend-Schnittstelle der industriellen Bildverarbeitung Cameralink wurde aufgewertet: Dank Power-over-Cameralink können Kameras nun direkt über das Datenkabel mit Strom versorgt werden.

Oft dauert es viele Jahre, bis bewährte Technologien in Automatisierungsanlagen gegen fortschrittlichere Lösungen ausgetauscht werden. Bestes Beispiel hierfür ist die industrielle Bildverarbeitung, die trotz der Möglichkeiten der Digitaltechnik unverändert von der Analogtechnik dominiert wird. Schätzungen zufolge entfallen 50 bis 60 % der am Markt eingesetzten IBV-Lösungen auf die Analogtechnik.

Analoge Systeme sitzen heute in vielen Maschinen, wodurch sich ein vorteilhaftes Preis-Leistungs-Niveau entwickeln konnte. Außerdem entstand hohes Know-how, weshalb einige Entwickler auch weiterhin dazu tendieren, Analogtechnik einzusetzen. Doch vor allem in Neuanlagen können digitale Lösungen gegenüber analogen Kameras punkten: Ihre Bildqualität ist mit mehr als 12 Bit Dynamikumfang deutlich besser, die Kameraparameter lassen sich per Software einstellen, Upgrades der Kamera im Feld sind einfach zu bewerkstelligen und die Geräte sind zumeist auch für Fernwartung geeignet. Und selbst das häufig angeführte Argument pro Analog und kontra Digital – der günstigere Preis – ist so nicht länger stichhaltig, da es inzwischen sogar im Highend-Bereich möglich ist, digitale Lösungen zum gleichen Preis wie das analoge Pendant zu offerieren. Hier heißt der Schlüssel Powerover-Cameralink (PoCL). Der Cameralink-Standard definiert eine serielle, digitale Schnittstelle zwischen Kamera und Framegrabber. Er wurde unlängst durch ein Komitee innerhalb der amerikanischen Automated Imaging Association (AIA) um Power-over-Cameralink (PoCL) erweitert. War bisher für die Stromversorgung der Kamera noch ein gesondertes Kabel oder ein Netzteil notwendig, erübrigt sich dies mit PoCL: Künftig dienen zwei der bei der Belegung des 26-Pin-Cameralink-Steckers zur Erdung genutzten vier Pins für die Stromversorgung von bis zu 333 mA bei 12 V oder 400 mA bei 10 V. So kann der Strom direkt über das Datenkabel geliefert werden, wie es bei USB und Firewire üblich ist.

Mit PoCL entstehen vor allem Kostenvorteile: Da sich die Preise für Framegrabber und auch Kameras im Rahmen von einigen 100 Euro bewegen, machen sich zusätzliche 50 bis 100 Euro für ein Netzteil oder für ein Spannungsversorgungskabel, wie es bei Cameralink bisher nötig war, schnell negativ bemerkbar. Zudem vereinfacht die Reduzierung auf nur ein Kabel und den Mini-Cameralink-Stecker die Installation und minimiert die erforderlichen Gehäuse-Abmessungen der Kameras.