Kommentar Die Kuka Krise

Robert Weber, freier Mitarbeiter
Robert Weber ist freier Journalist und schreibt für die Markt&Technik.

Ein chinesisches Unternehmen will Haupteigentümer bei Kuka werden und die Politik reagiert nervös. Das Engagement zeichnete sich schon seit Monaten ab. In Berlin fordern Politiker jetzt einen deutschen oder europäischen Investor. Warum eigentlich?

TTIP: Ja logo. Ceta: Ja klar machen wir. Norwegischer Staatsfond bei Volkswagen: Ja passt sicher, die Skandinavier haben ja keine Mehrheit. Scheichs bei Daimler: Ja klar, geht auch noch. Scheichs bei Air Berlin: Ja sicher und danke für die Krisenhilfe. Chinesen bei Krauss Maffei: Ja passt, wir drücken die Augen zu. Chinesen bei Kuka: Nein, der Roboterbauer ist doch unser Paradebeispiel für deutsche Industrie 4.0-Kompetenz!

Ein deutscher oder europäischer Investor muss, soll jetzt her, ganz schnell, obwohl sich das Engagement der Chinesen schon seit Wochen abzeichnet. Hat das im Wirtschaftsministerium keiner gewusst? Warum ist ein europäischer Investor eigentlich besser? Will der weniger verdienen? Will er weniger Technologietransfer?

Die Politik glaubt an das deutsche Industrie 4.0-Märchen

Die deutsche Bundesregierung fordert Freihandel, will aber den Chinesen den Zugang zu Kuka verwehren. Das passt nicht zusammen und unterstreicht wieder einmal, dass viele deutsche Wirtschaftspolitiker Industrie 4.0 nicht verstehen. Kuka war und ist das Liebingsunternehmen vieler Abgeordneter, wenn es darum ging, die deutsche “Erfindung” Industrie 4.0 zu vermarkten. Ein Foto neben dem orangen Kollegen aus Stahl war sehr begehrt. 

Das Handeln der Politik in der Causa Kuka erinnert an die Ablehnung, die das Industrial Internet Consortium (IIC) in den ersten Monaten in Deutschland erleben durfte. Mittlerweile haben die Bundesregierung und viele Verbandsfunktionäre jedoch auch registriert, dass eine Zusammenarbeit mit dem amerikanisch geprägten IIC doch sinnvoll sein kann. Warum? Nationale Grenzen gehören in der Industrie 4.0 der Vergangenheit an, Kooperation ist gefragter denn je – in Europa, den USA und in Asien. 

Kuka winken mit dem wohlmöglich neuen chinesischen Haupteigentümer lukrative Geschäfte im Reich der Mitte, denn dort wächst die Robotik um ein vielfaches schneller als in Deutschland oder Europa oder in den USA. Auch die Kuka-Kollegen von Swisslog dürften sich freuen, denn das von Kuka übernommene Unternehmen kann in den nächsten Jahren ebenfalls in China mit der Logistikautomatisierung viel Geld verdienen. Der Nachholbedarf ist riesig, die Lohnkosten in China steigen und Midea ist dafür der ideale Türöffner. Davon profitieren auch die Arbeitnehmer in Europa und Deutschland. Die Chinesen werden Kuka nicht platt machen, wie manch Politiker befürchtet. Viele andere chinesische Engagements in Europa beweisen die These. Die Asiaten wollen Geld verdienen und das können sie am besten mit einem starken Unternehmen Kuka, das Innovationen entwickelt, die nicht nur für den deutschen „Industrie 4.0-Markt“ produziert werden.

Doch die Politik will jetzt was tun, will die Bevölkerung beruhigen, will “ihren” Industrie 4.0-Schatz nicht kampflos aufgeben. Siemens-Chef Kaeser winkt ab und ein großer Autobauer ebenfalls. Fazit des Technikjournalismus-Professors Volker Banholzer: Die Deutschland AG funktioniert nicht mehr. Ich sage: Zum Glück, denn sie ist nicht mehr zeitgemäß.  

Doch was kann die Politik denn jetzt tun? Sie kann mehr Geld in Bildung investieren, die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung im Unternehmen beschließen oder neue Anreize für Wagniskapital schaffen, damit neue Unternehmen, neue Produkte entstehen, die für Wettbewerb am Markt sorgen. Und dann entstehen in Deutschland wieder Unternehmen, die vielleicht in deutscher Hand bleiben oder von einem französischen Unternehmen oder von der Konkurrenz aus China gekauft werden – na und? So funktioniert Freihandel. Ach ja: Das gilt übrigens auch für die Gegenseite liebe chinesischen Investoren.