Interview mit Joy Weiss »Die Industrie ist beim Thema IoT recht zögerlich«

Im Consumer-Bereich schießen IoT-Applikationen wie Pilze aus dem Boden, aber wie sieht es im Industriebereich aus? Dazu befragten wir Joy Weiss, President von Dust Networks, einem Pionier im Bereich drahtlose Sensornetzwerke.

DESIGN&ELEKTRONIK: Die Auswirkungen und der Einfluss, die das IoT in die Industrie und die Märkte einbringt, kann man nicht mehr ignorieren. Was glauben Sie, in welcher Entwicklungsstufe sich das Internet of Things derzeit befindet? Welche Marktmöglichkeiten haben Halbleiterhersteller in dieser Entwicklungsstufe?

Joy Weiss: Das Internet der Dinge ist in einer Stufe der intensiven Evaluierung und dem rapide wachsenden Einsatz. Die meisten wichtigen Unternehmen in der IT, Unternehmenssoftware, Equipment, Halbleiter und Dienstleistungen haben Produkte im Programm, die IoT einschließen. Ihre umfassenden Marketing-Anstrengungen, die sie nun auf den Weg bringen, machen es für ihre Kunden nahezu unmöglich, die Möglichkeiten zur Umsatzgenerierung und Effizienzerhöhung zu ignorieren, die mit IoT zusammenhängen. Für Halbleiterhersteller sind die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt: smart, kommunizierend, messend, autonom und umweltfreundlich sind alles Attribute von IoT. Dies führt zu einer großen Nachfrage nach einer Vielzahl von eingebetteten Technologien einschließlich Mikroprozessoren, Funksystemen, Sensoren und Powermanagement-Schaltungen.

Das industrielle Internet of Things ist aber noch nicht ausgereift bezüglich Standards, Geschäftsmodellen, technischen Anwendungen, Kommunikation und Verbindungen sowie Informationsverarbeitung und Sicherheitstechniken. Was glauben Sie, sind mittlerweile die wichtigsten Technologien im industriellen IoT? Welche Schwierigkeiten müssen noch überwunden werden?

Es gibt sicher vertikale Märkte, in denen gute Sicherheitsstandards bereits eingeführt sind und in denen die Interoperabilität mit bestehenden älteren Umgebungen nach solchen industriespezifischen Standards verlangt. Ein Beispiel dafür ist WirelessHART, auch als IEC 62591 bekannt. Dies ist eine drahtlose Adaption des schon lange etablierten und weitverbreiteten drahtgebundenen HART-Standards, der in industriellen Prozessen benutzt wird. In diesem Fall erlaubt es dieser Standard, dass drahtlose Geräten mit extrem geringem Stromverbrauch nahtlos zusammen mit der älteren drahtgebundenen Infrastruktur eingesetzt werden. Besonders der Betrieb mit extrem geringem Leistungsbedarf und insbesondere die drahtlosen Verbindungen mit extrem geringem Stromverbrauch sind die Schlüsseltechnologien, die IoT erst ermöglichen.

Welche Produkte, Technologien und Lösungen haben Sie bei Dust Networks für das industrielle IoT? Was sind die besonderen technischen Vorteile? Wie reagiert der Markt darauf?

Hinsichtlich des Betriebs mit sehr geringem Leistungsverbrauch war Linear Technology, unser Mutterkonzern, an vorderster Front bei der Entwicklung von Powermanagement-Produkten, die auf einen extrem geringen Leistungsverbrauch optimiert sind, einschließlich der Nutzung von Energy Harvesting als Energiequelle. Die Dust-Networks-Produkte von Linear Technology bieten in ihrem SmartMesh-Produktangebot, das auf Standards basierende Mesh-Netzwerksystem mit dem geringsten Leistungsbedarf der gesamten Branche.

Welchen Problemen stehen Sie üblicherweise gegenüber, wenn Sie die Produkte und Lösungen für IoT fördern wollen?

Joy Weiss: Der industrielle Elektronikmarkt ist sehr konservativ und erfordert es, dass neue Produkte und Technologien einen sehr hohen Grad an Zuverlässigkeit erreichen, bevor sie breit eingesetzt werden können. Glücklicherweise sind die IoT-Produkte von Linear Technology felderprobt und werden bereits in einer ganzen Reihe von anspruchsvollen Anwendungen in rauer Industrieumgebung eingesetzt.

Was glauben Sie ist das größte Hindernis dafür, dass das industrielle IoT populär wird? Was ist Ihre Meinung zum Entwicklungstrend des industriellen IoT?

Joy Weiss: Während der industrielle Elektronikmarkt relativ zögerlich ist neue Technologien einzusetzen, zeigt die bewiesene hohe Zuverlässigkeit und hohe Effizienz von IoT-Applikationen ein zunehmendes Interesse an einem weiteren Einsatz. Die Technologien, um IoT zu ermöglichen sind nun gut erforscht und erprobt. Die Vorteile von IoT-Anwendungen für Kunden und Lieferanten können sehr verlockend sein und helfen industriellen Kunden dabei neue Ebenen an Effizienz, Bekanntheit und Sicherheit in ihren Umgebungen zu erreichen und bieten in vielen Fällen neue Umsatzmöglichkeiten für IoT-fähige Produkte und Dienstleistungen. Dies ist ein Bereich, der nun eine breite Basis hat und auch reif für weitere Innovationen durch Kunden und Lieferanten ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

Über Joy Weiss:

Joy Weiss ist President von Dust Networks, einer Tochter von Linear Technology.