Die Einsatzkriterien

Linux bietet für die Automatisierung mehr Zuverlässigkeit und Investitionssicherheit als viele kommerzielle Betriebssysteme. Daher setzt die Firma Wago bei ihren Linux-Controllern und Industrie-PCs seit 2004 auf das Open-Source-Betriebssystem. Allerdings sind einige Besonderheiten in technischer, organisatorischer und rechtlicher Hinsicht zu beachten.

Linux bietet für die Automatisierung mehr Zuverlässigkeit und Investitionssicherheit als viele kommerzielle Betriebssysteme. Daher setzt die Firma Wago bei ihren Linux-Controllern und Industrie-PCs seit 2004 auf das Open-Source-Betriebssystem. Allerdings sind einige Besonderheiten in technischer, organisatorischer und rechtlicher Hinsicht zu beachten.

INHALT:
Alles was recht ist
Investitionssicherheit und Verfügbarkeit
Und das geistige Eigentum?
Linux fürs Feld
Die Linux-Hardware
Nähere Informationen
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Linux, Synonym für Stabilität, Offenheit, und Herstellerunabhängigkeit, kommt nicht nur in einem großen Anteil der Server zum Einsatz. Seit die Hersteller entdeckt haben, wie sparsam Linux selbst mit knappen Ressourcen umgeht, etabliert sich Linux in Embedded-Bereichen, vor allem in mobilen Geräten und im Consumer- Markt (Settop-Boxen, DVD-Recorder, Sat-Receiver, DVD-Player). Auch die Automatisierer haben Linux für sich entdeckt. Längst bewährt sich das Open-Source- Betriebssysem in SPSen, Feldbus-Gateways, Switches, Visualisierungsgeräten bis hin zu Maschinensteuerungen. Viele Anwender arbeiten bereits mit Linux, ohne es zu wissen, da das Benutzerinterface keinen Rückschluss auf das Betriebssystem zulässt. Auffällig ist lediglich die hohe Anlagenverfügbarkeit. Automatisierungsgeräte unterscheiden sich hier nicht von Linux-Servern aus dem IT-Umfeld, die zum Teil schon seit Jahren ohne Unterbrechungen laufen und unter keinen Umständen heruntergefahren werden dürfen.

Die technische Überlegenheit von Linux hängt unmittelbar mit seiner Open- Source-Politik zusammen. Für Anwender wie auch Systemintegratoren erscheint es zunächst geschäftsschädigend, ihr Knowhow unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Dabei wird übersehen, dass der Nutzer lediglich Änderungen am Betriebssystem offen legen muss, keinesfalls jedoch die Programmierung der eigentlichen Anwendung (s. Kasten „Alles was recht ist“). Die Mitarbeit an Linux unterscheidet sich nicht von dem Engagement in einer Feldbus-Nutzerorganisation. Ein Unternehmen erhält mehr zurück als es einbringt, sichert gleichzeitig das Fortbestehen der Plattform und kann die weitere Entwicklung beeinflussen.

Alles was recht ist

Die General Public License (GPL) besagt, dass:

  • die Nutzung von Linux frei ist,
  • Linux beliebig kopiert und verteilt werden kann,
  • die Sourcecodes für jeden frei zugänglich zur Verfügung stehen.

Die GPL ist eine von der Free Software Foundation herausgegebene Lizenz mit Copyleft ( siehe unten) für die Lizenzierung freier Software. „Frei“ bedeutet das Recht, die Software nach den vier eingeräumten Freiheiten zu verwenden:

  1. Das Programm darf ohne jede Einschränkung für jeden Zweck genutzt werden. Die kommerzielle Nutzung ist hierbei ausdrücklich erlaubt.
  2. Kopien des Programms dürfen kostenlos oder auch gegen Geld verteilt werden, wobei der Quellcode mitverteilt oder dem Empfänger des Programms auf Anfrage zum Selbstkostenpreis zur Verfügung gestellt werden muss. Dem Empfänger müssen dieselben Freiheiten gewährt werden.Wer beispielsweise eine Kopie gegen Geld erhält, hat weiterhin das Recht, diese ebenfalls zu verbreiten – kommerziell oder auch kostenlos. Lizenzgebühren sind nicht erlaubt. Niemand ist verpflichtet, Kopien der Software zu verteilen, aber wenn, dann nur nach diesen Regeln.
  3. Die Arbeitsweise eines Programms darf studiert und den eigenen Bedürfnissen angepasst werden.
  4. Es dürfen auch die gemäß Freiheit 3 veränderten Versionen des Programms unter den Regeln von Freiheit 2 vertrieben werden, wobei der Quellcode der veränderten Version verfügbar gemacht werden muss. Veränderte Versionen müssen nicht veröffentlicht werden.

Copyleft
Alle abgeleiteten Programme eines unter der GPL stehenden Werkes dürfen von Lizenznehmern nur dann verbreitet werden, wenn sie von diesen ebenfalls zu den Bedingungen der GPL lizenziert werden. Dies betrifft nur Lizenznehmer, nicht die Inhaber der Rechte. (Der Besitzer des Copyrights – der Autor oder jemand, dem der Autor seine Rechte abgetreten hat – kann das Werk auch unter beliebigen anderen Lizenzen weitergeben.) Ziel ist es, die Freiheit eines Programms auch in der Weiterentwicklung von anderen sicherzustellen. LGPL (Lesser General Public License) ist eine weitere freie Lizenz der Free Software Foundation, die es rechtlich erleichtert, Programme zu schreiben, die nicht „open source“ sind. Ein Beispiel von Software unter LGPL-Lizenz ist die C-Bibliothek glibc.