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Elektrobusse – das Angebot ist da

29. September 2017, 10:40 Uhr   |  Heinz Arnold


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Batterien im Statdtverkehr - kein Problem!

Ziehl-Abegg, Peter Fenkl.jpg
© Ziehl-Abegg

Peter Fenkl, Ziehl-Abegg: »Als mittelständisches Unternehmen müssen wir uns auf einen Markt fokussieren, den wir mit unseren Ressourcen bedienen können. Den haben wir in den E-Bussen gefunden. Seit 2006 verkaufen wir die entsprechenden Systeme. Mittlerweile fahren 30 Busse allein in Deutschland.«

Förderprogramme für Kommunen – es lohnt sich, sie zu kennen
 
Zugestehen muss Fenkl allerdings, dass die Elektrobusse derzeit noch deutlich teurer sind als die auf Dieselmotoren basierenden Typen. Doch für die Kommunen kommt die Anschaffung billiger, weil es in Deutschland Förderprogramme gibt. Das Land Baden-Württemberg beispielsweise bezahlt den Kommunen 50 Prozent der Mehrkosten. Der Haken dabei: Viele Kommunen wissen über die Förderprogramme nicht Bescheid. »Da müssen wir als Hersteller des Antriebsstranges Aufklärungsarbeit leisten«, so Fenkl.

Grundsätzlich haben die Kommunen zwei Möglichkeiten, ihre Busse zu elektrifizieren: Erstens über die Nachrüstung: »Wir bieten den kompletten Antriebsstrang zum Nachrüsten an«, erklärt Fenkl. Denn Busse haben eine Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren, da wäre es durchaus sinnvoll, sie auf diese Art zu elektrifizieren. »Wer weiß, wie lange Busse mit Dieselantrieb in unseren Innenstädten noch fahren dürfen«, so Fenkl. Während es also kein großes Problem darstellt, den Dieselmotor im Bus durch einen elektrischen Antrieb zu ersetzen, bereitet es meist mehr Mühe, die benötigten Batterien im Bus unterzubringen. Meist landen sie auf dem Dach, das dafür aber bisweilen noch verstärkt werden muss. Das ist zwar mit zusätzlichem Aufwand verbunden, stellt aber an sich kein großes Problem dar.

Gerade der Batterie gegenüber gibt es allerdings noch viele Vorurteile: Begrenzte Reichweite, stündliches Aufladen, im Winter nicht zuverlässig – das sind einige der Argumente, die gerne genannt werden. Dagegen hat Fenkl Gegenargumente parat: In Nordschweden fahren Busse mit Schnellladetechnik und kleinen Batterien auch im harten Winter. Eine Strecke von 32 km stellt kein Problem dar, denn an den Endhaltestellen stehen dort Schnellladestationen bereit. Die Batterie ist in 10 Minuten aufgeladen, und der Bus kann die Rückfahrt antreten.

Ein Verkehrsbetrieb in der Region Hohenlohe, der Heimat von Ziehl-Abegg, beschreitet einen anderen Weg: Die auf dem Dach der Busse untergebrachten Batterien reichen aus, um die Busse acht Stunden fahren zu lassen, ohne dazwischen wieder aufgeladen werden zu müssen. »Auch dass nicht genügend Platz für die Batterien vorhanden wäre, ist eine Legende. Mit Rekuperation kommen die Busse auf einen Bedarf von 0,8 bis 0,9 kWh/km. Mit dieser Energieaufnahme kann der Bus in städtischen Gebieten mit relativ wenigen Batterien sehr gut auskommen«, so Fenkl. Zumal die Kommunen ja sehr häufig ihren eigenen Strom produzieren und Ladestellen dann für sie günstig kommen. Kurz gesagt, Fenkl beurteilt die Aussichten im Markt für Umrüstung als sehr vielversprechend.

Dasselbe gilt auch für den Bereich der neuen Busse, die von Anfang an auf die neuen Außenläuferantriebe hin konzipiert werden können. Wie bereits angedeutet, besteht der große Vorteil darin, dass diese Busse behindertengerecht in Niederflurtechnik ausgelegt werden können. Dazu kommen die Vorteile der Elektroantriebe im Allgemeinen: Der Auspuffwechsel fällt genauso weg wie der Wechsel von Luftfiltern und Öl.

Diese Vorteile scheinen sich jetzt herumgesprochen zu haben, denn, wie gesagt, Fenkl verspürt eine deutliche Belebung des Marktes. Da trifft es sich gut, dass Ziehl-Abegg bereits seit 17 Jahren an dem System arbeitet, seit 2006 Produkte auf dem Markt verkauft, auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückblicken kann und im Markt bekannt ist. Fenkl: »Das System ist ausgereift, unser Geschäftsmodell steht, wir sind sehr wettbewerbsfähig.«

Deshalb investiert Ziehl-Abegg jetzt in den Ausbau der Kapazitäten. »Doch mit der gebotenen Demut, wie es sich für einen Mittelständler gehört.« Die erforderlichen Investitionen für den Zielmarkt E-Busse seien für das Unternehmen zu leisten, und das Risiko sei kalkulierbar. Dabei soll es bleiben. Auf Milliarden-Abenteuer will sich Ziehl-Abegg nicht einlassen.

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