Preiswertes Scanverfahren 3D-Welten für jedermann

Die Technik des Scan-Verfahrens ist einfach: Es reichen ein Beamer und handelsübliche Kameras.
Die Technik des Scan-Verfahrens ist einfach: Es reichen ein Beamer und handelsübliche Kameras.

Hochwertige 3D-Scans sind eine teure Angelegenheit. Da kommt das neue Verfahren des Start-Ups »3Digify« gerade recht: Einfache Kameras und ein Beamer erfassen das gewünschte Objekt und den Rest erledigt die Software der drei Jungunternehmer.

In Hollywood-Blockbustern liefern sich Superhelden und Superschurken in virtuellen Umgebungen eindrucksvolle Kämpfe und zerstören dabei alles was ihnen in den Weg kommt. In Computerspielen geht es kaum friedlicher zu. Die Spieler stürzen sich in wilde oder futuristische Landschaften und erleben dank aufwendiger 3D-Technik zunehmend realer wirkende Abenteuer. Die Technik, die dahinter steckt ist allerdings meist teuer. Das gilt auch für 3D-Scanner. Bislang mussten Nutzer viel für einen 3D-Scan bezahlen, wie Bernd Krolla weiß: »Die Qualität überzeugte bislang nur bei Verfahren, deren Anschaffungskosten bei circa 15.000 Euro losgehen«. Abhilfe schaffen nun Krolla und seine Kollegen Tobias Nöll und Johannes Köhler. Mit ihrem Start-Up »3Digify« bieten sie eine preisgünstige Alternative zu den teuren Scanverfahren.

Die Informatiker aus Kaiserslautern nutzen dabei preiswerte Technik, die leicht zu beschaffen ist und individuell ausgewählt werden kann. »Zwei Kameras und ein Beamer sind notwendig«, erläutert Krolla. Sie erfassen das gewünschte Objekt. Anhand der Daten errechnet die Software der Informatiker ein 3D-Modell. Laut Krolla rekonstruiert das System dabei 3D-Punkte für jeden einzelnen Kamerapixel. Welche Geräte verwendet werden, hängt allein vom Nutzer ab. Mit handelsüblicher Ware ab rund 150 Euro – am besten noch vom Händler des Vertrauens – ist somit schon ein hochwertiger 3D-Scan möglich.

Tobias Nöll und Johannes Köhle haben die Software im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der TU Kaiserslautern und am Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) bei Dr. Didier Stricker entwickelt. Seit Januar 2016 vermarkten sie zusammen mit Krolla ihre Technik in der eigenen Firma 3Digify. Die Chancen, sich mit ihrer Technik auf dem Markt zu etablieren, stehen für die Jungunternehmer nicht schlecht: Einer Studie des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens »Research and Market« aus dem Jahr 2013 zufolge wächst der Markt für 3D-Scanner bis 2018 auf rund vier Milliarden Dollar an.

Die Anwendungsfelder der Scantechnik sind vielfältig. Laut Krolla könnten Orthopäden mit der Technik Prothesen leichter und passgenauer anfertigen. Darüber hinaus biete sich das Verfahren auch für Online-Händler an, die ihre Produkte damit besser auf ihren Webseiten präsentieren können.

Unterstützt werden die Informatiker bei ihrem Vorhaben vom Gründungsbüro der TU. Es stellt ihnen auf dem Campus Räumlichkeiten und eine passende Infrastruktur zur Verfügung. Außerdem erhalten sie im Rahmen des Exist-Gründungsprogrammes des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie eine finanzielle Förderung für zwölf Monate.


Auf ihrer Webseite bieten die Jungunternehmer nun eine erste Version ihrer Software an.