Wohin geht Silicon Saxony?

In Dresden gab es bisher nur einen Weg. Der führte nach oben. Nach den hohen Verlusten von AMD und Qimonda wird der Standort erstmals mit voller Wucht von den Schwankungen der Branche und der Härte des internationalen Wettbewerbs getroffen. Unvorhergesehen kommt das jedoch nicht.

Als der amerikanische Journalist Richard Hornik vom TIME-Magazin im Jahr 1998 nach Dresden kam, wollte er den Grund dafür finden, warum der Chip-Hersteller AMD ausgerechnet in diese Gegend gekommen war. Er fand ihn schließlich in den gut ausgebildeten Fachkräften, der starken Forschungslandschaft und einer gewissen Aufbruchsstimmung. Nicht zuletzt gaben die hohen Subventionen den Ausschlag für den Bau der Fab. In seinem Artikel nannte Hornik die Region rund um Dresden »Silicon Saxony«, für das er eine große Zukunft sah.

Hornik hatte Recht. Mittlerweile arbeiten am Mikroelektronik-Standort Dresden rund 44.000 Menschen in 1200 Unternehmen. Jeder zweite europäische Chip kommt aus den sächsischen Fabs. Im Jahr 2002 waren das noch 760 Unternehmen mit 20.000 Mitarbeitern. Damit ist die Gegend der größte Halbleiterstandort in Europa.

Die Frage ist, wie sich »Silicon Saxony« in Zukunft entwickeln wird. Die Nachrichten der letzten Monate waren eher negativ. Mit AMD und Qimonda sind zwei Eckpfeiler dieses Standorts tief in die roten Zahlen abgesackt und kündigten an, 10 Prozent ihrer Belegschaft zu entlassen. Viele kleinere Unternehmen sitzen als Zulieferer mit in diesem Boot. Nicht zuletzt sind AMD und Qimonda eine Triebkraft in der Forschung und Entwicklung und an zahlreichen Projekten beteiligt.

Die Situation trifft Dresden nicht unvorbereitet. Schon lange ist man sich der »Halbleiter-Monokultur« und deren starker Schwankungen bewusst. Ein Weg, das Schicksal des Standortes auf mehrere Bereiche aufzuteilen, ist die Ansiedlung der Photovoltaik und der organischen Elektronik. »Nach Silicon Saxony jetzt Solar Valley«, titelte die FAZ im vorigen Jahr. Sachsen ist mittlerweile auch auf diesem Gebiet der wichtigste Standort in Deutschland geworden. Von der Forschung, über die Herstellung der Anlagen und der Wafer und schließlich der Module ist die gesamte Wertschöpfungskette vertreten.

Für den Wirtschaftsbürgermeister der Stadt Dresden, Dirk Hilbert, ist die Photovoltaik auch deshalb eine Schlüsselindustrie, weil viele der vor Ort ansässigen Halbleiter-Zulieferer mittlerweile in die Photovoltaik eingestiegen seien. Für sie ist es daher eine Chance, unabhängiger von den Zyklen der Halbleiterhersteller zu werden. Außerdem gibt es im Moment bei der Photovoltaik einen hohen Bedarf an Arbeitskräften. Diese könnte somit zu einem Auffangbecken eventueller Job-Kürzungen von AMD und Qimonda werden.