Wireless Social Networking: Indien, Du hast es besser

Bei Dir suchen noch die Familien für die Lebenspartner für ihre Söhne und Töchter aus, die jungen Menschen müssen sich während ihrer Adoleszenzphase nicht ständig darum sorgen, ob und wie ein geeigneter Ehepartner zu finden sei.

In der westlichen Industriegesellschaft hingegen ist die Suche nach einem geeigneten Lebensabschnittspartner wesentlicher Lebensinhalt. Davon zeugen die Heiratsanzeigen in »Die Zeit«, die Kontaktbörsen im Internet und die jedes Jahr unter großem Boohei durchgeführte Veranstaltung »Fisch sucht Fahrrad« in Paderborn.

Nun also »Wireless Social Networking«. Gut, aber wie soll man jemanden anrufen, dessen Nummer man nicht kennt. Hier hilft der neue Internet-Dienst deines Providers. Einfach im entsprechenden Portal das eigene Profil hinterlegen und die Server suchen aus dem Vorrat passende Partner aus. Während der Rechner die Datenbank durchsucht, spielt im Telefon die Melodie des France-Gall-Schlagers »Der Computer Nummer Drei sucht für mich den richtigen Boy und die Liebe ist garantiert für beide dabei!«

Kurze Zeit später liegt das Ergebnis vor: Tausende von Menschen interessieren sich für Polo-Pferde und Heimgolfen. Aber während du in Hannover im Bahnhofscafe sitzt, weilt dein eigentlicher Idealpartner gerade in Patagonien und sieht dem Zusammensturz des Perito-Moreno-Gletschers zu. Nun aber kommt GPS ins Spiel. Der »Location based service« des Internet Providers filtert aus der ermittelten Liste die Personen aus, die sich gerade zwischen Steintor und Aegi aufhalten. Ein kurzer Anruf und zwanzig Minuten später sitzen zwei Gleichgesinnte im Cafe Kröpke über einem Freundschaftsbecher.

Das ist jetzt keine Zukunftsmusik. Bereits im nächsten Jahr, so die Marktforscher von iSuppli, ist mit diesen Diensten zu rechnen. Das neue iPhone hat bereits eine WLAN-Schnittstelle und ein GPS-Modul. Einen entsprechenden Dienst im Internet aufzusetzen, sollte den cleveren Programmierern von Google möglich sein. Und 2020 werden 7 Milliarden Mobiltelefone auf der Welt im Einsatz sein. Dann werden wohl auch die indischen Jugendlichen durch den Strudel des »Social Networkings« aus den starren Familienbanden »befreit«.