Wir haben uns viel vorgenommen

Der amerikanische Katalogdistributor Mouser Electronics will sein Europageschäft massiv vorantreiben. Vor wenigen Wochen ging in München das erste europäische Sales-Office an den Start.Binnen weniger Monate sollen Büros in weiteren europäischen Regionen folgen. Seit Beginn des Jahres ist Mark Burr-Lonnon für die Aktivitäten von Mouser in Asien und Europa, Kanada und Mexiko verantwortlich. Er will das Geschäft von Mouser stark internationalisieren.

Nach zehnjähriger Entwicklungsdauer und fünf Jahre nach der erfolgreichen Markteinführung ihrer patentierten, rekonfigurierbaren Hardware-Strukturen unter der Bezeichnung „Reconfigurable Algorithm Processing“ (RAP) hat die Firma Elixent eine Version 2.0 ihrer D-Fabrix-Architektur herausgebracht. In die neue Entwicklung sind insbesondere die Rückmeldungen aus den realen Anwendungen der Version 1.x eingeflossen.

Der amerikanische Katalogdistributor Mouser Electronics will sein Europageschäft massiv vorantreiben. Vor wenigen Wochen ging in München das erste europäische Sales-Office an den Start.Binnen weniger Monate sollen Büros in weiteren europäischen Regionen folgen. Seit Beginn des Jahres ist Mark Burr-Lonnon für die Aktivitäten von Mouser in Asien und Europa, Kanada und Mexiko verantwortlich. Er will das Geschäft von Mouser stark internationalisieren.

Mehrere Trends prägen den Markt der Application Specific Standard Products (ASSP): Die Anforderungen und die Chipkomplexität steigen, ebenso die Zahl der auf einer Plattform integrierten Standards. Schließlich nehmen das Mindestproduktionsvolumen und die Zahl der Chips pro Wafer zu. Ein Zuviel an verschiedenen Anwendungen zieht jedoch bei einem ASIC einen übermäßigen Flächenbedarf nach sich, während eine Standard-CPU viel Leistung aufnimmt und dennoch möglicherweise nicht schnell genug ist. Weil aber der Markt weder einen Anstieg der Preise noch eine Vergrößerung der Verlustleistung hinnimmt, besteht das Problem darin, kostengünstige und leistungsfähige Systeme mit geringer Verlustleistung zu entwickeln.

Mit der Entwicklung der D-Fabrix-Architektur wurde bereits vor zehn Jahren begonnen; seit etwa fünf Jahren ist diese erfolgreich am Markt eingeführt. Sie vereint Elemente aus ASICs, FPGAs und Prozessoren und ermöglicht eine schnelle, kosteneffektive und effiziente Verarbeitung von DSP-Algorithmen mit geringer Verlustleistung. Die Architektur gestattet die vollständige Konfiguration eines Chips nach der Herstellung, sodass der Baustein an geänderte Umgebungsbedingungen angepasst werden kann. Dies eröffnet neue Möglichkeiten in der Anwendung, von der Fehlerbeseitigung und der Realisierung von „Upgrades“ im Feld bis hin einer vollständigen nachträglichen Modifikation der Funktionen. Ein und dieselbe konfigurierbare IC-Plattform lässt sich für eine ganze Reihe von Produkten nutzen, deren Funktion oder regionale Varianten erst durch die genaue Konfiguration des Prozessors im Feld festgelegt wird.

Markt&Technik: Mouser plant in 2008 und 2009 neue Sales-Offices in Europa und Asien . . .

Mark Burr-Lonnon: Ja, wir haben uns für die nächsten 18 Monaten sehr viel vorgenommen. Unsere Expansionspläne in Asien und Europa sind sehr aggressiv. In Europa werden wir neben den Niederlassungen in München auch Büros in England und Frankreich eröffnen. In Israel sind wir im März dieses Jahres gestartet. Ende 2008 bzw. 2009 werden wir außerdem Niederlassungen in Mexiko, Brasilien, Indien, Bejing, Taipeh, Neuseeland und Australien eröffnen. Wobei das Engagement im asiatischen Markt nicht neu ist: Singapur wurde 2005 eröffnet, Shanghai 2006 und Hongkong 2007.

Warum Ihr Engagement in UK und Frankreich? Beide Distributionsmärkte waren in den letzten Jahren zweistellig rückläufig.

Im Volumenbereich ist tatsächlich sehr viel Umsatz abgewandert, das ist richtig. Dennoch wird sowohl in England als auch in Frankreich nach wie vor viel entwickelt, es gibt ergo eine große Anzahl an Design-Ingenieuren, die wir als Kunden für Mouser gewinnen wollen.

Was ist mit den anderen großen Märkten in Europa: Skandinavien, Süd- und Osteuropa – gibt es hierfür schon konkrete Pläne?

In Osteuropa werden wir im kommenden Jahr ebenfalls ein Büro eröffnen, allerdings haben wir noch keine Standortentscheidung gefällt. Man muss zudem differenzieren: Unsere Hauptklientel sind Elektronik-Entwickler, und nicht jedes osteuropäische Land ist per se für die Katalogdistribution interessant. Die Nordic-Länder werden wir im ersten Schritt von unserem Büro in England aus abdecken.

Die D-Fabrix-Architektur verwendet rekonfigurierbare Arrays, die sich an beliebige Algorithmen und Datenpfad-Breiten anpassen können. Damit lassen sich Systeme mit der Flexibilität eines Prozessors realisieren. Die Arrays bestehen aus einigen hundert oder tausend „Tiles“ (Kacheln), die aus 4-bit-ALUs, Registern und einer „Switchbox“ bestehen. Zusätzlich sind über das gesamte Array Baugruppen für spezielle Funktionen verteilt. Mit dieser Architektur entsteht so etwas wie ein virtueller Hardware-Beschleuniger bzw. ein Software-ähnliches Programm für jeden Algorithmus eines Systems. Solange die Hardware-Beschleuniger arbeiten, stellen sie eine effiziente Hardware dar. Werden sie nicht mehr benötigt, lassen sie sich genau so einfach ersetzen, wie eine CPU mit neuer Software versehen werden kann. Dank der dynamischen Programmierbarkeit des Systems kann der Chip bei laufendem Betrieb umkonfiguriert werden.

Die Programmierung des Arrays erfolgt ähnlich wie bei ASICs oder FPGAs. Die Erfahrung zeigt, dass der Aufwand für die Programmierung des Chips nur etwa halb so groß ist wie der für die Erstellung eines vergleichbaren ASIC. Durch den RTL-Support (Register Transfer Level) muss der Designer zudem nicht den Gebrauch neuer Programmierwerkzeuge (Tools) erlernen. Die D-Fabrix-Architektur ist oft deutlich schneller als von der Anwendung gefordert. Sie kann daher nach dem „Timesharing“-Prinzip von mehreren Funktionen umschichtig genutzt werden. Anstatt die gesamte benötigte Hardware zu implementieren, lassen sich die gestellten Anforderungen mit einem kleineren RAP-Baustein erfüllen. Jede der Timesharing-Funktionen wird in Form einer Konfiguration vorgehalten. Allerdings mussten in der Version 1.0 mehr Konfigurationen eingesetzt werden, als dies wünschenswert gewesen wäre (Tabelle). Das war der Anlass für die Entwicklung einer neuen Architektur, bei der diese Zahl reduziert werden konnte.

Derzeit erzielt Mouser rund 20 Prozent seines Umsatzes außerhalb des US-Marktes. Wo wird dieser Anteil angesichts Ihrer Expansionspläne in ein bis zwei Jahren liegen?

Möglicherweise bei 25 Prozent, hoffentlich höher. Die internationalen Zahlen steigen im Verhältnis zu den US-Zahlen definitiv langsamer, weil wir unvermindert ein sehr starkes Wachstum im US-Markt aufweisen. Allein in diesem Jahr wächst Mouser in den USA um über 30 Prozent. Das ist sehr viel, wenn man bedenkt, dass der US-Markt rückläufig ist. Diese Zahlen zeigen im Übrigen, dass unser Engagement im internationalen Geschäft nicht aus der Not geboren ist, sondern auf einem sehr gesunden Wachstum im Heimmarkt basiert.

Anders als ein Wettbewerber setzt Mouser sowohl in Europa als auch in Asien auf lokale Präsenz und Sales-Teams vor Ort.

Unbedingt. Unser Kundendienst und unsere Support-Dienstleistungen sind essentielle Teile der Mouser-Strategie. Und obwohl Website und Katalog bereits viele Informationen liefern und Fragen beantworten, wollen wir unseren Kunden Ansprechpartner und Unterstützung vor Ort bieten. In den nächsten 12 Monaten wollen wir die Anzahl unserer Mitarbeiter in Europa auf 30 erhöhen.

Momentan fliegt Mouser die Ware sowohl nach Asien als auch nach Europa vom Zentrallager in Forth Worth, Texas, ein. Gibt es Pläne für einen europäischen Hub?

Zunächst einmal nicht, aber wir schließen diese Möglichkeit langfristig nicht aus. Die Crux an der Katalogdistribution ist ja, dass immer das gesamte Sortiment im Lager verfügbar sein muss, um binnen 24 Stunden geliefert zu werden. Ein »kleines« Lager würde also keinen Sinn ergeben, da ein Teil der Produkte dann ohnehin aus den USA eingeflogen werden müsste. Dass es reibungslos funktioniert, Produkte aus den USA binnen kürzester Zeit nach Europa zu fliegen, haben wir in den letzten Monaten ausführlich getestet und bewiesen. Unsere Logistik ist extrem wettbewerbsfähig. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, in ein europäisches Lager zu investieren, werden wir das sicherlich tun. Durch unsere Zugehörigkeit zu Berkshire Hathaway haben wir eine finanzstarke Mutter, so dass wir auch die hohen Investitionen nicht scheuen werden.

Praxiserfahrungen eingeflossen

Die Version 2.0 wurde unter Berücksichtigung der Anregungen entwickelt, die von den Anwendungs-Designern aus der Praxis kamen. Hinzu kam das Know-how, das sich Elixent während der Entwicklung und Integration der RAP angeeignet hatte. Für die fortlaufende Verbesserung der Architektur ist bei dem Unternehmen ein Entwicklungsteam zuständig: die Advanced Development Group (ADG). Dieses Team von Ingenieuren – unter ihnen auch die Firmengründer – hat in die RAP-Architektur seit Anbeginn entworfen. Die Beziehungen zwischen dem Entwicklungsteam, den Partnern in der Anwendung und den Anwendungsentwicklern sind von entscheidender Bedeutung für den Entwicklungsprozess der Architektur (Bild 1).

Die Anwendungs-Entwicklung
Um die die Array-Effizienz in einer nachfolgenden Version 2.0 weiter zu steigern, wurden folgende Schwerpunkte identifiziert:

  • bessere Unterstützung für bereits entwickelten Code,
  • Realisierung von Steuerungs-Knoten mit hohem Ausgangsstrom (Fan out),
  • Einführung asymmetrischer Verschiebe-Operationen (Shifts), weil Verschiebe-Operationen nach links und rechts einen sehr unterschiedlichen Aufwand nach sich ziehen.

Die Architektur wurde zudem hinsichtlich Geschwindigkeit, Fläche und Verlustleistung optimiert. Zu den wichtigsten Gründen für die Entwicklung der Version 2.0 gehörte, dass die entscheidenden Einschränkungen für die Realisierung einer bestimmten Systemleistung und Integrationsdichte damit zu tun hatten, wie die Strukturen des Chips realisiert wurden. Zwar ist D-Fabrix eine Architektur für die Abarbeitung von Algorithmen, doch es stellte sich heraus, dass nahezu die Hälfte der ALUs für Multiplexing und Bit-Manipulation genutzt wurden (Bild 2).