Weiche Definition für weiches Radio

Wer drei Experten nach der Definition von Software Defined Radio (SDR) fragt, erhält vermutlich mindestens vier verschiedene Antworten. Und trotzdem haben alle irgendwie Recht.

Wie die Antworten ausfallen, hängt zum einen davon ab, ob der befragte Experte ein Analog- oder Digitaltechniker ist, ob er sich gut im Basisband oder in der Hochfrequenzsende- und/oder -empfangstechnik auskennt und ob er eher ein Soft- oder doch vielmehr ein Hardware-Mensch ist. Die Antwort fällt zum anderen auch meistens dann anders aus, wenn man nicht einen Techniker, sondern einen Anwender fragt.

Der Wahrheit käme man vielleicht am ehesten näher, wenn man sich fragte, was SDR denn sicher nicht ist. Die einfache Antwort darauf könnte verblüffend simpel lauten: »Hardware Defined Radio«, das wir kurzerhand mit dem ebenfalls griffigen Kürzel HDR belegen. Dieser Begriff bekommt freilich erst dann einen Sinn, wenn man anfängt, von SDR zu reden. Das ist ähnlich wie bei der Analogtechnik, von der man erst nach dem Durchbruch der Digitaltechnik zu reden begann. Funk war bis vor kurzem immer »hardware defined«, alles andere war irrelevant und bei dem Gerede über SDR könnte man zudem der Täuschung erliegen, dass man für SDR überhaupt gar keine Hardware mehr benötigt. Und obendrein stellt sich auch noch die berechtigte Frage, ob und warum die Welt denn überhaupt SDR braucht.

Bei der Antwort auf letztere Frage ließe sich ein sinnvoller Vergleich mit der Automatisierungs- und Steuerungstechnik ziehen: Als es noch keine frei programmierbaren Steuerungen gab, realisierte man die benötigten Funktionen mit Hardware. So war das als »größter Automat der Welt« apostrophierte weltweite Telefonnetz lange Zeit eine Zusammenschaltung automatisch arbeitender Netzknoten in Analogtechnik, in denen diskrete Logik die Vermittlungsaufgaben übernahm. Änderten sich die Betriebsbedingungen, musste die hardwaremäßig realisierte Logik neu verschaltet oder im Zuge einer Umverdrahtung neu programmiert werden. Das blieb auch noch so, als sich die Signale zunehmend in digitaler Gestalt erst durch die höheren und später auch niederen Netzebenen bewegten. Mit der Zeit übernahmen dann aber doch immer häufiger frei programmierbare Rechenanlagen die Vermittlungsaufgaben, sogar von analog geführten Signalwegen. Das war zweckmäßig und setzte sich folglich als Steuerungsprinzip durch. Von verdrahteter Logik liest man heutzutage fast nur noch in Büchern zur Technikgeschichte.