Was für ein Kindergarten

Als ich neulich einen meiner Lieblingssöhne in den Kindergarten brachte, fragte mich eine äußert freundliche, obwohl äußerst unterbezahlte Erzieherin, warum ich denn nicht mal was über den Kindergarten schreibe.

Ja, warum eigentlich nicht, denn KINDER SIND DAS WUNDERBARSTE AUF DER WELT! Und das nicht zuletzt wegen oder trotz der Eltern. (Und damit diese den lieben Papa Matthäus nicht schimpfen, sind natürlich alle folgenden Namen und Typen hochfiktiv oder aus anderen Kindergärten entnommen.)
 
Die Schwingtür quietscht: Ah, Eso-Ernstl (vgl. http://www.elektroniknet.de/home/media/n/d/auweia-ayurveda/ ) ist auch wieder von „2 Wochen Trommeln in der Toskana“ zurück. Seine kleine Jeremaia-Chilali Zipfehuber  im Tragetuch über die vegane Wampe gebunden, erklärt er mir, dass die Frucht seiner Lenden eigentlich im Waldkindergarten samt Bauwagen angemeldet war. Aber der musste leider kurzfristig schließen – wegen Borkenkäferbefall. Nun sind sie halt auch im städtischen „KIGA“ gelandet.  
 
Dass der Sprengel nicht nur eine Schokoladenfirma ist, sondern auch unterschiedlichste Typen eines Viertels zusammen führt, zeigt sich, als der vierjährige Bristol-Thorben-Finn die Kindergärtnerin mit einem groovigen „Howdie Nanny, was geht ab“ begrüßt. Seine Mama (Typ Ex-Bayern-Spielerfrau) stand wohl schon seit 4.30h am Fön und wirkt sehr jugendlich-sportiv. Und doch scheut sie weite Wege mit ihren Perlmutt-Flipp-Flopps. Deshalb parkt sie ihren Essjuwie gerne direkt in der Schwingtür, auf der heute schon wieder in großen Lettern steht: 2 Fälle von Windpocken in Gruppe 3.  
 
Mich juckt´s, als plötzlich ein lautes Krähen mein Trommelfell zum Schwingen bringt. Es ist kein Jochgeier, sondern das sprechende Vogelnest – Frau Geifer mit ihrer ornitologischen Hochfrisur.  Sie gibt ihrem Spross Elmar noch einige Anweisungen im Hochfrequenzbereich mit auf dem Weg ins Erwachsenenalter – Jacke aufhängen - Hausschuhe anziehen - Brotzeitdose aufräumen - Wo ist die Mütze - und so weiter und so fort. Als Beinahe-Beirat bringt sie sich mit ihren Ideen täglich zum Kindergartenkonzept ein und ist deshalb sowohl bei Miteltern als auch beim Personal sehr geschätzt. Nachdem der Baby-Yoga-Kurs und PEKIP nun auch für Klein-Elmar rum sind, sucht sie ständig neue Tätigkeitsfelder für den Frühkarrieristen. Sie erzählt mir gerade, dass sie sich for example für einen KIGA-Kurs „frühkindliches Englisch“ einsetzt. Während ich mich frage, ob ich überhaupt schon jemals ein anderes Englisch gesprochen habe, stupst mich ihr kleiner Racker an: „Hello, my name is Elmar!“ Na egal, Hauptsache, die Kinder verstehen sich.
 
Übrigens, mein Sohn ist im Kindergarten befördert worden, von der Raupe zum Kokon, und wenn er sich weiter so prächtig entwickelt, wird er im nächsten Jahr ein Schmetterling und flattert davon – ins einzigartige bayerische Schulsystem.
 
Guten Flug, mein Liebling

Matthäus Hose
mhose@next-redaktion.de