Voyager im Termination Shock

30 Jahre ist sie schon unterwegs - jetzt hat die Raumsonde "Voyager 2" die Zone zwischen Sonnensystem und interstellarem Raum erreicht, den "Termination Shock". Die Messdaten zeigen: Die Grenze flattert hin und her und fungiert als mächtiger Teilchenbeschleuniger.

Edward Stone vom California Institute of Technology gehört zu den Wissenschaftlern, denen besonders viel Geduld abverlangt wird. 1972 war er zum "Voyager"-Projekt gestoßen, 1977 wurden die Zwillingssonden "Voyager 1" und "Voyager 2" ins All geschossen. Spektakuläre Daten lieferten die Sonden dann höchstens alle paar Jahre. Nun verlässt "Voyager 2" unser Sonnensystem - die bislang 30 Jahre währende Reise tritt in eine neue Phase.

Stones Beharrlichkeit wurde immer wieder belohnt: Die Sonden funkten beeindruckende Fotos vom Jupiter oder den Ringen des Saturn zur Erde (siehe Bilderstrecke unten). Nun, nach 30 Jahren Flug, hat Sonde Nummer 2 die Zone des sogenannten Termination Shock vermessen - die Grenze zwischen Sonnensystem und interstellarem Raum.

"Ein neuer Meilenstein in der 30-jährigen Geschichte von 'Voyager'", sagt Stone voller Stolz auf der Pressekonferenz in San Francisco. "Zum ersten Mal haben wir direkte Messungen vom Termination Shock." Zugleich habe "Voyager 2" bewiesen, dass das Sonnensystem eingedrückt sei. Bislang habe es dafür nur Indizien gegeben.

Der Termination Shock markiert den Rand unseres Sonnensystems. Der Solarwind wird an dieser Grenze durch das interstellare Magnetfeld stark abgebremst. Das zeigen auch die Messdaten, die das "Voyager"-Team jetzt auf dem Treffen der American Geophysical Society (AGU) vorgestellt hat. Auf dem weiteren Flug wird "Voyager 2" die sogenannte Heliosheath passieren, wo sich Sonnenwind und interstellares Gas mischen - dahinter beginnt der interstellare Raum.

Es gab bislang keine Messungen von der Außengrenze unseres Sonnensystems. Der erste Versuch mit "Voyager 1" schlug fehl, Instrumente fielen aus, zudem gingen Daten verloren. Mit "Voyager 2" hatten die Nasa-Forscher mehr Glück und konnten so beim Passieren des Termination Shock dabeisein - zumindest mit ihren Instrumenten.

"Die Sonde hat den Termination Shock gleich fünf Mal durchquert", berichtet Stone und vergleicht die Situation mit Wellen, die den Strand erreichen. Das Wasser kommt, geht zurück, eine neue Welle kommt. Auch wenn der Begriff Termination Shock Schlimmes befürchten lässt - beim Durchfliegen der Grenzzone war "Voyager 2" nicht in Gefahr: "Das Raumschiff nimmt keinen Schaden", betont Stone.

"Voyager 1" hat den Termination Shock schon 2004 passiert - in einem Abstand von rund 94 Astronomischen Einheiten (AE) zur Sonne. Eine AE entspricht dem mittleren Abstand Erde - Sonne, also knapp 150 Millionen Kilometern. "Voyager 2" hat diese Marke nun ebenfalls erreicht - allerdings in dem geringeren Abstand von 84 AE.