„Vorurteile beschneiden die Wahrnehmung“

next!, der Media-Informationsdienst der Herzen, berichtet nicht nur für, sondern auch über Mediaentscheider. Wir sind ja unter uns. Diesmal stellt next! ganz persönliche Fragen an Frank Behrens, PR Manager bei RS Components in Mörfelden-Walldorf.

next!: Herr Behrens, welche Headline würden Sie gerne mal in der Markt&Technik lesen?
Frank Behrens: „RS Components gratuliert Frank Behrens zum Literaturnobelpreis.“ Scherz beiseite, gegenwärtig würde ich am liebsten lesen, dass die Konjunktur im Elektroniksektor wieder deutlich anzieht und Deutschland weltweit der Standort Nummer 1 für Elektronik-Entwickler ist.

next!: Sie sind ein ausgewiesener PR-Experte. Wie alt waren Sie und was haben Sie gedacht, als Sie die allererste Pressemeldung in Ihrem Leben geschrieben haben?
Frank Behrens: Wenn es auch vieles gibt, was in meiner Laufbahn als „Jugendsünden“ zu verbuchen ist, so kann ich hier ganz unbefangen antworten. Es handelte sich um die Ankündigung mehrerer Filmabende im Kirchengemeindehaus meiner norddeutschen Heimat. Ich müsste ungefähr 15 Jahre alt gewesen sein. Angekündigt habe ich so unverfängliche Filme wie „Easy Rider“ oder „Ghandi“. Erst später kamen Themen, die einen Diskurs mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung eröffneten. Damals dachte ich noch, dass diese Filme mich ganz groß heraus bringen würden und ich mal zu einem wesentlichen Gestalter dieses Landes werden würde.

next!: Sie interessieren sich für Geschichte. Wie beurteilen Sie das Statement von Karl Valentin „Früher war die Zukunft auch besser“?
Frank Behrens: Wie so oft liegt in diesem Ausspruch sehr viel Tiefe, die der Wortwitz zunächst verdeckt. Angesprochen wird ein Thema, das auch mich seit vielen Jahren bewegt.
Ich lese daraus den Verlust von Utopien und Visionen. In der Vergangenheit war der Ausblick in die Zukunft oft von bestimmten Zielvorstellungen und Hoffnungen geprägt. Schaut man sich beispielsweise Ausblicke auf das Jahr 2000 an, so sind sie von einer großen Fortschrittseuphorie im Menschlichen wie im Sozialen geprägt. Dies vermisse ich heute oft.
Verstehen Sie dies nicht falsch, aber immer von den „Grenzen des Wachstums“ zu sprechen, hat auch vielen die Phantasie genommen. Gerade Kreativität und Phantasie sind aber die wichtigsten Triebfedern von Entwicklungen.
Daher wünsche ich mir mehr Mut, Ideen zu „spinnen“. Verzeihen Sie mir diesen Rückgriff: Etwas mehr von der Haltung „seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche“ Che Guevaras würde uns sicher helfen.

next!: Gibt es einen Schauspieler bzw. eine Schauspielerin, den bzw. die Sie gerne einmal persönlich kennenlernen würden?
Frank Behrens: Am liebsten hätte ich mit Humphrey Bogart eine Fahrt auf der „African Queen“ gemacht. Ich bin ein großer Anhänger der Klassiker und der „Schwarzen Serie“. Doch auch der französische Film der 60er und 70er hat es mir angetan. Mit Belmondo durch Paris in gestohlenen Wagen zu fahren wie in „Außer Atem“ hätte auch etwas. Was den zeitgenössischen Film betrifft, bin ich ein großer Fan von Martina Gedeck. Mit Brecht gesagt, hat ihre Mimik für mich einen „natürlichen V-Effekt“.
Ansonsten würde ich gern einmal mit Brad Pitt über die philosophische Bedeutung des „Fight Club“ sprechen.

next!: Welche Fernseh-Serie – oder wie wir jungdynamischen Medienprofis heute sagen – welches „TV-Format“ müsste dringend wiederholt werden?
Frank Behrens: Da brauche ich nicht lange zu überlegen. „Die Sopranos“ haben meiner Ansicht nach eine neue Ära eröffnet. Etwas überrascht mich, dass ich schon wieder beim Gesetzesbruch bin. Ansonsten bin ich natürlich großer Freund des satirischen Familienschicksals „Ein Herz und eine Seele“. Wolfgang Menge gehört für mich ohnehin zu den Größen der niveauvollen und informativen Unterhaltung.
Ansonsten liebe ich generell britische Formate. Höhepunkt waren meines Erachtens nach „The Avengers“ bzw. „Mit Schirm, Charme und Melone“.

next!: Sonntagabend 20:15h. In der ARD kommt der „Tatort“ aus Münster mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl, auf ProSieben kommt „Fluch der Karibik“ mit dem Johnny Depp. Was schauen Sie an?
Frank Behrens: Natürlich den Tatort. Das Team aus Münster ist für mich eine Sternstunde des gepfl egten Humors und es gibt viel zu lernen über die Bewältigung von Konfl ikten im Alltag. Außerdem liebe ich es, wechselweise in die Rolle des einen oder des anderen zu schlüpfen.
Das US-amerikanische Kino ist oft nicht so mein Fall. Jüngst habe ich mich dem Experiment ausgesetzt und tatsächlich zum Produkt aus Hollywood gewechselt. Die Handlung hatte sich mir noch nicht erschlossen, als mich der Schlaf überkam.

next!: Auf welchem Programmplatz ist auf Ihrer Fernbedienung „RTL“?
Frank Behrens: Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht. Hinzukommt, dass ich nicht von einem eigenen Fernseher sprechen kann. Ich habe zwar mal ein Gerät zum gemeinsamen Haushalt mit meiner Lebensgefährtin hinzugesteuert, doch habe ich seither selten die Definitionsmacht über das Fernseh-Programm. Ich spiele meine Macht eher bei der Gestaltung von DVD-Nächten aus und könnte manchmal den ganzen Tag im Kino verbringen.

next!: Welcher Film hat Sie bisher am meisten bewegt?
Frank Behrens: Wirklich bewegt hat mich „Im Westen nichts Neues“, besonders in der Farb-Version. Hier wird aus meiner Sicht klar, dass bewegte Bilder etwas leisten können, das über das geschriebene Wort hinausgeht.
Auch „Das Boot“ hat mich sehr bewegt. Gerade die TV-Langfassung hat sehr viel Tiefe und meines Erachtens ist eine derartige Beschreibung seither nicht wieder gelungen.
Die Diskussion über Lothar-Günther Buchheim halte ich für sehr übertrieben. Die entsprechende Trilogie habe ich mit großem Genuss gelesen. Für Film und Bücher gilt für mich, dass sie wie eine Zeitmaschine wirken und mir das Gefühl einer „beteiligten Beobachtung“ in der Vergangenheit geben.

next!: Welches Fach haben Sie während Ihrer Schulzeit am meisten gehasst und welches am liebsten gemocht?
Frank Behrens: Ich hasste Sport. Ich war früher noch übergewichtiger als heute und wurde bei Mannschaftsspielen immer als letzter ausgewählt. Überhaupt war ich immer das abschreckende Beispiel. Seitdem habe ich eine natürliche Sympathie für Situationen, wenn jemand oder etwas ausgegrenzt wird.
Erst heute wird mir klar, welche Weichenstellungen damals passierten. Geliebt habe ich dagegen den Geschichtsunterricht. Ich liebte es, in die Vergangenheit einzutauchen und neue Sichtweisen auf die Gegenwart zu gewinnen.

next!: Welches Buch lesen Sie derzeit?
Frank Behrens: Sie werden es kaum glauben, ich lese derzeit „Wenn die Liebe nicht endet“ von Charlotte Link. Auch hier liebe ich es, in frühere Zeiten einzutauchen. Mit leichter Hand gelingt es ihr, große Themen aus einem ganz eigenen Blickwinkel zu beschreiben. Viele sagen, es handele sich um Frauenliteratur und der erste Tipp kam auch von meiner Mutter.
Doch es zeigt sich: Vorurteile beschneiden die Wahrnehmung. Der „Sturmzeiten“-Zyklus hat mich gefesselt. Davon abgesehen habe ich einen Band mit Erzählungen von Siegfried Lenz. Ab und an lese ich dort eine Passage.
Ich habe gern mehrere Bücher auf einmal „im Anbruch“.

next!: Sie stranden auf einer einsamen Insel in der Südsee, auf der es nichts gibt außer der klassischen Einsamen-Insel-Infrastruktur wie Palmen, Strand und Kokosnüsse. Welche Errungenschaft der modernen Zivilisation würden Sie am meisten vermissen?
Frank Behrens: Mein Mobiltelefon. Ich bin ein Mobilfunk-Junky. Es gab Monate, in denen auf meiner Rechnung mehr als 1.000 SMS erschienen. Im vergangenen halben Jahr habe ich mich aber gebessert. Gerade frage ich mich aber, ob ich dort auf ein Netz zugreifen könnte? Ansonsten wünsche ich bitte ein Satellitentelefon!

next!: Stellen Sie sich vor, Sie rufen bei einem Wunschkonzert im Radio an und kommen durch. Welches Lied würden Sie sich wünschen?
Frank Behrens: Sollte ich mich nicht zuhause befi nden, dann würde ich mir „Riders on the storm“ von den Doors wünschen. Da gerate ich immer ins Träumen und denke an vergangene „Heldentaten“.

next!: Das Jahr 2009 geht ja gut los. Wie heißt Ihr bisheriges persönliches Unwort des Jahres?
Frank Behrens: Für mich heißt es „Abwrackprämie“. Es steht stellvertretend für die Möglichkeit, Massen in hysterische Bewegung zu versetzen. Ich sage es ganz ehrlich: Mir tun die Autos leid, die jetzt so lange treu waren und dann zum Dank in die Schrottpresse wandern. Böse möchte ich hinzufügen, dass dies einer Metapher gleichkommt.

next!: Sie lieben die Natur. Wenn Sie ein Baum sein könnten, welcher wären sie gerne?
Frank Behrens: Ich wäre gern ein Olivenbaum. Der Bibel nach war die Ölfrucht den Juden im gelobten Land verheißen, bildete einen bedeutenden Teil des Reichtums und war neben dem Feigenbaum und Weinstock das Bild des Wohlstandes und bürgerlichen Glückes.

next!: Wie lautet Ihr persönlicher Lieblingswitz?
Frank Behrens: Es ist kaum zu glauben, aber ich kann mir keine Witze merken. Daher lebe ich von Situationskomik.