Vom Labor W zur Weltmarke – Fritz Sennheiser wird 95

Seinen ersten Radioempfänger baute er aus einer Schiebespule, einer Wolframspitze, einem Kristall und einer 20 Meter langen Hochfrequenzantenne. Doch so richtig interessierte ihn eigentlich etwas anderes.

Die „Keimzelle“ von Sennheiser electronic war das so genannte „Labor W“ (Laboratorium Wennebostel), das 1945 mit sieben Mitarbeitern den Neuanfang nach dem Krieg wagte. Heute hat das Familienunternehmen Sennheiser electronic weltweit rund 1650 Beschäftigte. Der Jahresumsatz lag im Jahr 2005 bei 300 Mio. Euro.

Doch es hätte auch anders kommen können. Denn wäre die Wirtschaftslage Ende der 20er Jahre besser gewesen, wäre Fritz Sennheiser wohl Gartenarchitekt geworden. Doch so studierte er lieber Elektrotechnik mit Schwerpunkt Nachrichtentechnik an der TU Berlin. Seine Diplomarbeit schrieb er am renommierten Heinrich-Hertz-Institut.

Während des Krieges arbeitete Sennheiser an der Funkübertragung verschlüsselter Nachrichten am Institut für Hochfrequenz und Elektroakustik in Hannover. Nach dem Krieg stellten die Alliierten diese Forschungen jedoch unter Todesstrafe. Sennheiser blieb daher mit nur sieben Mitarbeitern im Ausweichquartier des mittlerweile zerbombten Instituts in Wennebostel zurück.

Dort bauten sie aus den Resten der Institutsgeräte Röhrenvoltmeter, die sie an Siemens verkauften. Von Siemens kam dann auch der erste Auftrag für den Nachbau eines dynamischen Mikrofons. Doch die Ingenieure entwickelten bald ihre eigene Version, das MD 2, den Urahn aller Sennheiser-Mikrofone.

Ob drahtlose Mikrofone, Studio- und Filmmikrofone - von denen sogar eins den „Technischen Oscar“ bekam – oder offene Kopfhörer, Sennheiser wurde zu einer Weltmarke. Geld war für Sennheiser nur eine Rechengröße, Ideen und Unabhängigkeit waren ihm wichtiger. Übernahmeangebote und Beteiligungen lehnte er ab.

1982 schied der inzwischen 70-jährige aus seinem Familienunternehmen aus. Doch so richtig Schluss ist nie. Auch heute noch taucht Prof. Dr. Fritz Sennheiser regelmäßig in den Produktionshallen oder den Büros auf.