Verlagerungen ins Ausland durch Fehlentscheidungen

80 Prozent bei einer Umfrage befragten deutschen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen planen nicht ins Ausland zu gehen. Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer Gesellschaft, sprach auf der Hannover Messe über den Standort Deutschland.

Bessere und nicht billigere Produkte. Effizientere Formen der Arbeitsteilung und neue kooperative Geschäftsmodelle. So könne Deutschland dem globalen Strukturwandel entgegentreten, sagte Bullinger auf der Hannover Messe Industrie.

Besonders bedrohlich sei im Moment die Gefahr, dass hochqualifizierte Arbeitsplätze in Billiglohnländer abwanderten und somit Know-how verloren geht. Bullinger kritisierte an dieser Stelle, dass viele Verlagerungen auf Fehlentscheidungen eines überforderten Managements zurückzuführen seien. Leichtfertig und mit nur geringen Einsparquoten würden Standorte in Deutschland aufgegeben. Wer die Kosten hier nicht im Griff hätte, hätte das wodanders auch nicht. Außerdem würden Effizienzpotentiale zwischen 4,5 und 10 Prozent nicht genutzt. Eine bisher vernachlässigte Rolle spiele dabei der administrative Bereich.

Dass es auch anders geht, zeigten laut Bullinger Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau oder der Solarindustrie, die ihre Produktionskapazitäten hierzulande erheblich ausbauen.

Eine branchenübergreifende Umfrage unter 100 Unternehmen habe gezeigt, dass hochqualifizierte Mitarbeiter, ein guter Technologiezugang und Faktoren wie Produktivität und Prozessqualität für den Standort Deutschland sprächen. Außerdem seien die Beherrschung komplexer Prozesse und Technologien sowie das umfangreiche Erfahrungswissen und Know-how in der Fertigung wichtige Wettbewerbsvorteile.

50 Prozent der Unternehmen planten deshalb keine weiteren Verlagerungen, obwohl noch Kosten eingespart werden könnten. Bei den Abteilungen für Forschung und Entwicklung seien es sogar mehr als 80 Prozent. Eine hohe Anzahl von Unternehmen fühle sich außerdem ihrem sozialen und gesellschaftlichen Umfeld verpflichtet und bleibe deshalb in Deutschland.

Für die Zukunft empfahl Bullinger die Entwicklung komplexer Systeme mit hoher Qualität, um sich von billiger Massenware aus Asien abzugrenzen. Der weltweite Trend würde ebenfalls in die Richtung gehen. Auch die Dienstleistungen seien nicht zu unterschätzen, da 90 Prozent der gesamten Lebenszykluskosten von Industriemaschinen und –anlagen, Service-Kosten seien.