VDI: Mehr Chancen für Frauen und ältere Ingenieure

Ein „Ja“ zur Kernenergie, mehr Ingenieure und eine Verbesserung der technischen Bildung. Bruno Braun, neuer Präsident des VDI, legte anlässlich des 23. Deutschen Ingenieurtags ein 3-Punkte-Programm zur Stärkung des Standortes Deutschland vor.

Bei der Energieversorgung stehen laut Braun Sicherheit und CO2-Reduktion im Vordergrund. Das könne nur mit einer verlängerten Nutzung der Kernenergie sowie einem Ausbau der regenerativen Energien erreicht werden. Braun verwies dabei auf eine drohende Versorgungslücke von 40 000 MW bis zum Jahr 2020, falls Deutschland vorzeitig aus der Kernenergie ausstiege.

Den durch den Ingenieursmangel verursachten Wertschöpfungsverlust im letzten Jahr bezifferte Braun auf 3,5 Mrd. Euro, die Zahl der nicht besetzten Ingenieursstellen sogar auf 50 000. Als Gegenmaßnahmen nannte Braun die Integration von zurzeit 30 000 älteren Ingenieuren in den Arbeitsmarkt, verbesserte Bedingungen für ausländische Existenzgründer und eine Erhöhung des Anteils von Frauen unter den Ingenieuren, der derzeit bei nur 10 Prozent liege. Die Arbeitsbedingungen müssten daher beispielsweise familienfreundlicher werden.

Als dritten Punkt kritisierte Braun das Verständnis für Technik und Naturwissenschaften an den deutschen Schulen. Im Vergleich mit dem Ausland stünde Deutschland demnach schlechter da. Er forderte daher die Politik auf, ein Pflichtfach Technik in den Stundenplan aufzunehmen und die vorschulische Bildung zu verbessern. Außerdem müssten sich die Hochschulen den Anforderungen der Arbeitswelt anpassen und ihre Studiengänge auf Bachelor und Master umstellen.

Prof. Dr.-Ing. Bruno O. Braun wurde am 7. Mai einstimmig zum Präsidenten des VDI gewählt. Der 64-Jährige Maschinenbauingenieur aus Bietigheim (Württemberg) ist seit 1993 Vorstandsvorsitzender der TÜV Rheinland Group. Außerdem ist er Professor für Energietechnik an der Uni Stuttgart.