Sport als Absatzmarkt für Sensoren und HF-Chips

Wenn es um neue Trends in der Konsumelektronik geht, ist Apple nicht weit weg. Das vor zwei Jahren mit Nike gestartete Projekt »Nikeplus« befördert den Laufsport ins Internetzeitalter.

»Noch zwei Kilometer« sagt die Stimme in den Kopfhörern von Thomas. »Gleich geschafft«, denkt er und läuft ein bisschen schneller. Die Daten für diese Information hat die Stimme aus dem Laufschuh von Thomas. Dort liegt ein Chip unter der Sohle. In dem Chip befindet sich ein Beschleunigungssensor. Er misst die Zeit, die der Fuß bei jedem Schritt auf dem Boden verbringt. Damit kann ein Prozessor Geschwindigkeit und Wegstrecke berechnen und dann mit 2,4 GHz an den iPod von Thomas funken.

Als Thomas nach Hause kommt, schaltet er seinen Rechner ein, schließt den iPod an und überträgt die Daten seines Laufs in sein Profil auf der Internetseite von Nikeplus. Ein Klick und sein Lauf erscheint als Kurve auf dem Bildschirm. Nach dem Anfang ist der Graph ziemlich schnell abgesunken, d.h. Thomas ist nach den ersten Minuten schnell langsamer geworden. Erst die letzten beiden Kilometer wurde er wieder schneller. Dann wirft Thomas noch einen Blick darauf, wie seine Freunde gelaufen sind. Sie alle laufen 60 Minuten, drei mal die Woche. Ihre dabei zurückgelegten Kilometer erscheinen als Balken. Weil Thomas heute so langsam war, konnte er nicht gegen Steffen aufholen, der zwei Kilometer vor ihm liegt.

So in etwa funktioniert Nikeplus. Seit Nike und Apple vor 2 Jahren mit diesem Konzept gestartet sind, sind viele ähnliche Angebote dazugekommen. In England bietet etwa der Internetdienst »MiLife« ein Band, in dem ein Beschleunigungssensor die tägliche Aktivität des Trägers misst. Auch diese Daten werden an eine Internet-Seite übertragen, wo dann geprüft wird, ob man seine Bewegungsziele eingehalten hat. Fertig ist der Online-Trainer.
Im März ging »miCoach« an den Start. Ein gemeinsames Projekt zwischen Adidas und Samsung. »miCoach« besteht aus einem Samsung-Handy, einem Sensor, einem Pulsfrequenzmesser und der passenden Kleidung von Adidas, in die zum Beispiel das Handy gesteckt werden kann. Bei den Schuhen gibt es ähnlich wie bei Nike, eine spezielle Aussparung für den Chip.



Der Erfolg verleitet offensichtlich andere Unternehmen, ähnliche Konzepte zu entwickeln. Die Läufer-Community, die sich auf der Seite von Nikeplus tummelt scheint groß. 74 349 neue Läufe in den letzten 24 Stunden ist dort zu lesen. Die Läufer kommunizieren untereinander, finden sich in Teams zusammen oder treten in Wettbewerben gegeneinander an.

Einziger Schönheitsfehler ist derzeit die Genauigkeit des Sensors, die bei 90 Prozent liegt. Bei einem Test vor einem Jahr hatte der Sensor bei gleicher Strecke an einem Tag 3200 Meter und am anderen 2900 m angezeigt. Der Grund war, dass die Tester die Strecke schneller gelaufen waren als am Vortag.

Seit April gibt es übrigens das Sportband, das aus einem Armband mit einem USB-Stick samt Mini-Display besteht. Vorteil: Es ist kein iPod mehr nötig, um seine Laufdaten zu messen und sie auf die Nikeplus-Seite zu übertragen.