Solarbranche findet nicht genügend Fachkräfte

Bereits heute gibt es nicht genügend Hochschulabsolventen mit Fachrichtung erneuerbare Energien. Besonders eng ist es im Bereich Fotovoltaik. Gleichzeitig wächst der Bedarf wegen des enormen Wachstumspotenzials dieser Branche rasant an, so dass die bereits bestehende Lücke bald schon klaffende Ausmaße haben dürfte.

Zum Vergleich: 2007 waren in Deutschland ca. 40.000 Ingenieure in der Fotovoltaikbranche beschäftigt. 2008 lag die Zahl bereits bei rund 48.000. Für das Jahr 2009 rechnet der VDI mit 52.000 Beschäftigten. Der Fachkräftebedarf im gesamten Bereich der erneuerbaren Energien ist enorm, nicht nur in der Fotovoltaik. »Und diese Tendenz wird sich weiter fortziehen«, prognostiziert Michael Schanz, Fachreferent Ingenieurberuf & Ingenieurausbildung beim VDE.

Trotz der wirtschaftlichen Situation und dem gesamtwirtschaftlichen Stellenabbau in Deutschland gelingt es den Unternehmen der erneuerbaren Energien, Personal aufzubauen. So erfasste das Arbeitsmarktmonitoring vom Wissenschaftsladen Bonn im ersten Quartal 2007 insgesamt 859, im gleichen Quartal 2008 bereits 1242 Stellenangebote im Bereich der erneuerbaren Energien. Im ersten Quartal 2009 lag die Zahl sogar bei 1567, wovon lediglich knapp 7 Prozent der Stellen befristet waren. Das heißt, der Stellenzuwachs ist trotz der unsicheren wirtschaftlichen Lage nachhaltig.

Führend in der Schaffung neuer Arbeitsplätze innerhalb der Branche in Deutschland ist die Solarenergie mit 646 Stellenangeboten im ersten Quartal 2009 gegenüber 569 Stellen im gleichen Quartal des Vorjahres. Das absolute Wachstum zeigt sich hingegen am stärksten im Bereich Windenergie mit 553 Stellen im ersten Quartal 2009 gegenüber 423 Stellen im ersten Quartal 2008.

Firmen suchen vor allem Ingenieure und Techniker

Die Firmen suchen vor allem Ingenieure und Techniker, doch auch die Nachfrage nach naturwissenschaftlichen sowie kaufmännisch ausgebildeten Fachkräften ist gestiegen. Die Firma SolarWorld beispielsweise sucht vorwiegend Ingenieure der Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik und Verfahrenstechnik sowie Materialwissenschaftler, Physiker und Chemiker, darüber hinaus auch Facharbeiter der Metall- und Logistikbereiche sowie kaufmännisches Personal. Bis Ende des Jahres will das Unternehmen gegenüber dem Vorjahr bis zu 450 neue Arbeitsplätze weltweit geschaffen haben, über die Hälfte davon an den deutschen Standorten Freiburg und Bonn.

Schott Solar sucht für seinen geplanten Ausbau Ingenieure an allen Standorten. Der Hersteller von PV-Komponenten wie Solarwafer, Zellen und Modulen sowie von Receiver-Rohren für solarthermische Kraftwerke produziert in Deutschland in Mitterteich, Jena und Altenau. Weitere Produktionsstätten befinden sich in Tschechien, Spanien und in den USA. Gewünscht sind Fachkräfte der Elektrotechnik, Mechanik, Informationstechnik und dem Maschinenbau.

Sharp hat aktuell sechs Stellen ausgeschrieben, der Schwerpunkt liegt im Vertrieb. Q-Cells sucht ebenfalls vorrangig Verkäufer, aber auch Experten für das Business Development und für Technologie. Und Signet Solar, Produzent von Dünnschicht-Solarmodulen auf Siliziumbasis, hat aktuell freie Stellen in den Bereichen Vertrieb und Applikation zu besetzen. »Wir brauchen engagierte, kreative Mitarbeiter, die neue Absatzstrategien entwickeln, Marktbeobachtungen durchführen speziell auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtete Applikationslösungen finden und erfolgreich umsetzen«, skizziert Kathrin Kretschmer, Personalleiterin bei Signet Solar, ihren Wunschmitarbeiter.

Hochschulabsolventen der erneuerbaren Energien reichen nicht

Die Anzahl an Ingenieurwissenschaftlern, vorzugsweise der Elektrotechnik, mit Spezialisierung auf erneuerbare Energien reicht bereits heute bei weitem nicht aus, um den Bedarf der Industrie und Wirtschaft zu decken – dieses Problem beherrscht derzeit die Branche. Von dem Bedarf in den nächsten Jahren ganz zu schweigen.

Bereits heute haben die Unternehmen große Schwierigkeiten, gutes Fachpersonal zu finden. Denn obwohl die Branche noch recht jung ist, suchen die Fotovoltaikfirmen vorzugsweise Fachleute mit Erfahrung. Doch arbeitslose Ingenieure mit Fotovoltaikfachwissen gibt es nicht auf dem Markt.

Eine Hauptursache für diesen Fachkräftemangel sieht Michael Schanz bereits im Studium, und zwar in der geringen Praktikumsdauer für Studenten. Denn durch die Hochschulreform wurde diese deutlich gekürzt. Ergebnis: »Für nur vier Wochen wollen viele Unternehmen keinen Praktikanten einstellen«, kritisiert Schanz. Schade, denn Praktikumsplätze – auch über einen kürzeren Zeitraum – würden den Firmen enorme Wettbewerbsvorteile öffnen. Die Unternehmen könnten potenzielle Talente bereits früh entdecken und später durch verlockende Diplom- bzw. Bachelor- oder Masterarbeiten an sich binden.