Solar-Industrie in Taiwan

Die taiwanische Gintech Energy Corporation hat sich auf die Herstellung von Solarzellen aus Poly-Silizium mit hohem Wirkungsgrad spezialisiert. In den nächsten Jahren will das Unternehmen diesen auf 17,5 Prozent steigern.

Elektronik-Redakteur Dr. Jens Würtenberg sprach am Rande des Intersolar 2009 Taiwan PV Industry Forum mit dem Sales Director von Gintech Energy über das Unternehmen, das Produkt-Portfolio und die Entwicklung der Solar-Industrie in den nächsten Jahren.

Herr Chien, welchen Vorteil sehen Sie in den Poly-Silizium-Solarzellen mit hohem Wirkungsgrad angesichts der Entwicklung von Dünnschicht-Solarzellen, die zwar um die 10 Prozent erreichen, dafür aber deutlich kostengünstiger sind?

Robin P.Y. Chien: Die Poly-Silizium-Solar-Zellen sind zuverlässiger als die Dünnschicht-Module. Aber in den letzten drei Jahren hat der unvernünftig hohe Preis von Poly-Silizium zu einer Verknappung geführt, was für die Solar-Industrie durchaus ein Problem darstellte. Das war auch einer der wesentlichen Gründe für den massiven Ausbau der Dünnschicht-Fertigungskapazitäten.

Derzeit aber bricht wegen der globalen Finanzkrise der Markt ein, und das beeinflusst auch den Preis des Poly-Siliziums. Da der Preis so schnell herunterging, wird die Differenz zwischen Poly-Silizium- und Dünnschicht-Modulen deutlich kleiner. Die Kunden könnten deswegen zu dem doch zuverlässigeren Produkt zurückkehren, den Poly-Silizium-Modulen. Aber natürlich haben Dünnschicht-Module durch den niedrigeren Preis noch Vorteile, sie werden weiter im Markt bleiben, aber sie werden die Poly-Silizium-Module nicht verdrängen.

Robin Chien hat an der Taiwan University Betriebswirtschaft studiert und dort 1997 mit dem MBA abgeschlossen. Danach wer er mehr als zehn Jahre lang tätig im Marketing & Sales für die Computer-Branche und in der Telekommunikation. Dabei konnte er sowohl im weltweiten Vertrieb als auch in Taiwan, China und den USA Erfahrungen sammeln. Chien ist seit Januar 2007 als Sales Director der Gintechn Energy Corporation für den weltweiten Vertrieb der Gintech-Solar-Zellen verantwortlich.

Erwarten Sie, dass Sie in Zukunft Ihre Poly-Silizium-Solarzellen nicht nur mit höherem Wirkungsgrad sondern auch kostengünstiger produzieren können? Wie sieht Ihre »Roadmap« für die nächsten Jahre aus?

Was die Kosten betrifft, so liegt der größte Kostenanteil beim Material, den Wafern. Die Steigerung des Wirkungsgrades ist immer unser Ziel, da so mehr elektrische Energie erzeugt werden kann und der mittlere Preis pro Kilowattstunde entsprechend sinkt. Würden die Kosten für die Wafer dramatisch sinken, gäbe es natürlich sofort günstige Poly-Silizium-Solar-Zellen. Unsere Roadmap zielt aber in erster Linie darauf ab, einen höheren Wirkungsgrad zu erreichen. Wir glauben, dass auch dies ein Weg ist, die sogenannte Grid Parity zu erreichen.

In welches Land liefern Sie derzeit die meisten Ihrer Solar-Zellen? Von welchem Markt erwarten Sie mittelfristig die höchsten Zuwachsraten?

Unser Markt ist Deutschland, dahin liefern wir unsere Solar-Zellen. Deutschland ist, global gesehen, definitiv der stabilste Markt. Aber wenn wir über Marktwachstum reden, dann besitzt der US-Markt in den nächsten Jahren das größte Potenzial. Unabhängig davon sind auch China und Indien zwei interessante Märkte, die wir ebenfalls mit Interesse beobachten.

Vor einigen Jahren hieß es, dass angesichts des zu erwartenden Booms in der Solar-Industrie das »Solar Grade«-Silizium knapp werden könnte. Wie hat sich Ihr Unternehmen auf diese Situaton vorbereitet?

Auch wir sind bei der Gründung unseres Unternehmens von einer Verknappung ausgegangen, und wir haben uns sehr darum bemüht, bei den großen Anbietern ausreichende Lieferungen zu sichern. Dazu war auch die finanzielle Unterstützung des Marktes erforderlich, wir konnten allerdings 2008 dann auch unseren Umsatz verdreifachen.