Siemens Medical: Auf dem Weg zum Tricorder

Siemens ist es erstmals gelungen, ein Mini-Ultraschallsystem im Hand-Held-Format zu realisieren, das in Zukunft vor allem schnelle Diagnosen in der Akutmedizin ermöglichen wird. Damit rückt der Tricorder, der tragbare Alleskönner aus der Science-Fiction-Serie Raumschiff Enterprise, in greifbare Nähe.

Wenn es die schnelle Eingreiftruppe um Captain James Tiberius Kirk von der Enterprise mal wieder zu toll auf fremden Planeten oder im nicht immer friedlichen Umgang mit Extraterrestriern getrieben hatte, landeten sie in schöner Serienregelmässigkeit auf den Krankenbetten des Lt. Commander Dr. Leonard McCoy, seines Zeichens Schiffsarzt und Leiter der medizinschen Abteilung der Enterprise. Wenn »Pille« dann seinen medizinischen Tricorder zum Einsatz brachte, war das Leben des Patienten eigentlich fast schon gerettet.

In einem Gespräch, das Dennis Monticelli, CTO von National Semiconductor, letztes Jahr mit dieser Zeitung führte, war er sich sicher, dass die Verbindung aus fortschreitender Miniaturisierung im Bereich der Halbleitertechnik und der Elektronik, verbunden mit geringem Energieverbrauch schon in wenigen Jahren zur Realisierung leistungsfähiger Handheld-Geräte führen müsste, die unter anderem das klassische Instrumentarium des Arztes wie etwa sein Stethoskop, ersetzen werden. Monticelli hielt dabei ein Gerät für machbar, dass rein äußerlich durchaus einem iPod ähnlich sein könnte. Für ihn war die entscheidende Frage dabei, wie schnell es gelingt, heute schon existierende mobile Ultraschallgeräte auf die Größe eines Handhelds zu verkleinern.

Dem Medizingerätehersteller Siemens ist das nun deutlich schneller gelungen, als es Monticelli noch letztes Jahr für möglich hielt. Zwar hat das Mini-Ultraschallsystem Acuson P10 mehr Ähnlichkeit mit einem Blackberry, als mit einem iPod und mit einem Gewicht von 730 g zählt es mit Sicherheit zu den schweren Handheld-Geräten, aber für 9499 Dollar, können sich seit Ende letzten Jahres zumindest Ärzte in den USA und Canada schon mal ein bisschen wie Dr. McCoy fühlen. Das kleinste Ultraschallsystem der Welt, wie es Siemens nicht ohne Stolz nennt, passt in die Tasche eines Arztkittels und soll es in Zukunft vor allem Rettungsärzten ermöglichen, direkt am Einsatzort schon erste Diagnosen zu stellen.