Schluckbare elektronische Kapsel als Alternative zum Endoskop

Die von einer amerikanischen Forschergruppe vorgestellte Kapsel schwingt 5000 Mal pro Sekunde und scannt mit Lichtwellenleitern die Speiseröhre von Patienten.

Elektronische Pillen, die mit Kameras ausgestattet Bilder vom Körperinneren aufnehmen, sind zumindest in Amerika nichts Seltenes mehr. Dort schon seit einigen Jahren im Einsatz, durchlaufen Kamerapillen auch in etlichen europäischen Ländern gerade den Zulassungsprozess.

Die meisten Modelle, die bereits im Einsatz sind, ähneln sich im Aufbau. Mit einer oder zwei Kameras ausgestattet, taumeln sie einmal geschluckt unkontrolliert durch den Verdauungstrakt und nehmen dort Bilder auf. Ein Forscherteam der Universität Washington hat nun einen anderen Ansatz verfolgt: Ihre Pille ist über ein Kabel mit einem Computer verbunden, der die Bildverarbeitung übernimmt. Über das Kabel lässt sich die Pille steuern und an interessante Stellen manövrieren.

»Wir sehen unsere Entwicklung als eine kostengünstigere und einfachere Alternative zur Endoskopischen Speiseröhren-Untersuchtung«, so Eric Seibel, Leiter der Forschungsgruppe. Die Kapsel, die Seibel auch als »neue Generation des Endoskops« bezeichnet, besteht aus insgesamt sieben Lichtwellenleitern. Einer davon wird als Lichtquelle eingesetzt, die übrigen sechs übertragen das empfangene Lichtsignal in das Bildverarbeitungssystem.

Einmal geschluckt, wird eine Spannung angelegt und der Lichtwellenleiter zum Schwingen angeregt. Der Lichtwellenleiter schwingt dabei bis zu 5000 Mal pro Sekunde. Auf diese Weise tastet das »Auge« der Kapsel die Umgebung ab. Dabei nimmt das optische System Pixel für Pixel nacheinander auf.
 
Zusätzlich zur Schwingung dreht sich das Kabel und die Lichtquelle emittiert rotes, grünes und blaues Laserlicht für die entsprechende Farbinformation im späteren Bild. Aus diesen optischen Informationen errechnet das System ein zweidimensionales farbiges Bild. Das System ist so in der Lage, 15 Bilder pro Sekunde aufzunehmen.

Momentan verhandeln die Forscher über eine Kommerzialisierung ihrer Neuentwicklung.