Retrofit schafft Reserven #####

Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) Chemnitz hat Siemens im Rahmen eines Retrofit-Projektes eine mehrachsige hydraulische Presse steuerungstechnisch auf den neuesten Stand gebrach...

Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) Chemnitz hat Siemens im Rahmen eines Retrofit-Projektes eine mehrachsige hydraulische Presse steuerungstechnisch auf den neuesten Stand gebracht. Das Ergebnis der Modernisierung: ein Regeltakt von nur 0,25 Millisekunden bei 16 hydraulischen Achsen auf einem Controller.

Das IWU in Chemnitz hat sich der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung verschrieben. Im Bereich der Umformtechnik führt das Institut schon seit Jahren umfangreiche Untersuchungen durch, mit dem Ziel, die umformtechnischen Grenzen zu erweitern. Zum Maschinenpark gehört unter anderem eine Zweiständerpresse der Marke „Zeulenroda“ (heute Raster Zeulenroda) mit einer Schließkraft von 2500 kN. Die Besonderheit dieser Maschine ist, dass das Ziehkissen aus 16 hydraulischen Achsen gebildet wird. Das Fehlen einer gemeinsamen Kissenplatte beziehungsweise des mechanischen Ausgleiches durch die Ziehkissenplatte entkoppelt die Ziehkissenachsen mechanisch voneinander und stellt demzufolge besondere Anforderungen an die Regelgüte von Lagegleichlauf und Druckregelung, da sich Regelfehler direkt auf das Werkzeug auswirken. Andererseits ist es mit diesem Pressenkonzept aber möglich, sehr anspruchsvolle umformtechnische Aufgaben zu lösen, indem sich der Druck sehr gezielt rund um das Bauteil ausüben und somit ein gezielter Materialfluss während der Umformung generieren lässt.

Aus prozesstechnischer Sicht also eine ideale Versuchsanlage. Das Problem war nur, dass die Steuerungstechnik der 1992 gebauten Presse in die Jahre gekommen war. Michael Hoffmann, Gruppenleiter Antriebe und Steuerungen beim Fraunhofer-Institut, rückblickend: „Die Maschine hatte vor dem Retrofitting einen technischen Stand, der nicht mehr zu akzeptieren war – sie stand mehr, als sie lief.“ Zur alten Steuerungstechnik – eine Simatic S5 als Pressensteuerung und eine Rotech-Steuerung für das Ziehkissen – kam eine nicht vorhandene Dokumentation, so dass kaum noch jemand die Presse fahren konnte.