REACH macht Wirbel in der Elektronikbranche

Wie stark ist die Elektronikindustrie von der EU-Chemikalienverordnung REACH betroffen? Noch herrscht viel Unklarheit über die Auswirkungen der neuen Judikative. Die gute Nachricht: Die »Umbrella Specifications « listen bereits alle Informationen über Inhaltsstoffe von Bauelementen, die von Distributoren und Importeuren benötigt werden.

Wie stark ist die Elektronikindustrie von der EU-Chemikalienverordnung REACH betroffen? Noch herrscht viel Unklarheit über die Auswirkungen der neuen Judikative. Die gute Nachricht: Die »Umbrella Specifications « listen bereits alle Informationen über Inhaltsstoffe von Bauelementen, die von Distributoren und Importeuren benötigt werden.

»Auch wenn die Bauelementedistribution keine Erzeugnisse herstellt, sondern diese nur vertreibt, ist sie von REACH zumindest mittelbar betroffen«, so Wolfram Ziehfuss, Geschäftsführer des FBDi, anlässlich einer vom FBDi initiierten Podiumsdiskussion, die sich mit den Auswirkungen der Chemikalienverordnung befasst hat.

Ein Distributor ist als Importeur, als nachgeschalteter Anwender oder Händler unter Umständen in der Pflicht, denn REACH gilt nicht nur für chemische Stoffe, sondern auch für Erzeugnisse, aus denen bestimmungsgemäß Stoffe freigesetzt werden. Werden diese importiert, bestehen sogar Registrierungspflichten, bei allen übrigen Erzeugnissen aber zumindest Informations- und Mitteilungspflichten.

Das Feststellen der eigenen Betroffenheit ist ergo erst einmal die wesentliche Herausforderung für die Distribution. »Das juristische Drama fängt bei dem Begriff des ‘Erzeugnisses’ an, weil diese Definition sehr weit gefasst ist«, erläutert Dr. Bettina Enderle, von der Rechtsanwaltskanzlei Allen & Overy. »Die Erzeugnisse müssen kein Endprodukt sein, sondern können auch Teile sein, die zu einem Endprodukt zusammengesetzt werden«.

Die Mitteilungspflicht für Distributoren gilt unter zwei Voraussetzungen: Zum einen, wenn mindestens eine Tonne pro Stoff und Jahr importiert wird. Zum anderen gilt REACH nur für besorgniserregende Stoffe, die zum Beispiel als krebserzeugend oder fortpflanzungsgefährdend gelten. Bis Ende des Jahres sollen diese Stoffe in einer Kandidatenliste festgelegt werden.

»Die Mitteilungs- und Informationspflichten für Distributoren gelten erst ab dem Zeitpunkt, ab dem diese Kandidatenliste existiert«, macht Bettina Enderle deutlich. Vor 2009 wird das voraussichtlich nicht der Fall sein.

Trotzdem rät der FBDi – nach den Erfahrungen, die die Branche mit RoHS gemacht hat –, frühzeitig die Eckpunkte der eigenen Betroffenheit zu ermitteln. Die wesentlichen Fragen für die Distribution, so Wolfram Ziehfuss, werden sich darum drehen, wie Kundenanfragen zu beantworten sind und ob man diese überhaupt beantworten könne.

Essentielle Voraussetzung hierfür sind wiederum die Informationen, die von den Bauelementeherstellern zur Verfügung gestellt werden. Die Hersteller sind als Teil der Lieferkette gleichermaßen involviert und sich ihrer Verantwortung unter REACH durchaus bewusst.