»Wir rechnen mit einer deutlichen Marktbereinigung in der Stromversorgungsbranche«

Die Fortec-Gruppe zählt mit über 20 Mio. Euro Stromversorgungsumsatz zu den größten deutschen Power-Spezialisten. Vorstand Dieter Fischer sieht gute Chancen, dass sein Unternehmen zu den Gewinnern der Krise zählen wird. Im Interview erklärt er warum.

Markt&Technik: Herr Fischer, nach Ansicht der Wirtschaftsexperten ist die Talsohle erreicht, nun beginnt die langsame Erholung der Wirtschaft. Teilen Sie diese Einschätzung?

Dieter Fischer: Es gibt eine Reihe von Marktindikatoren, die darauf hindeuten, dass sich die Talfahrt zumindest nicht noch weiter fortsetzt. Ob das aber schon bedeuten muss, dass wir ohne noch folgende schmerzhafte Anpassungsvorgänge an die Zeit vor der Krise anschließen können, wage ich doch zu bezweifeln. Unser Hauptproblem besteht darin, dass die deutsche Investitionsgüterindustrie, die wichtigste Abnahmebranche der deutschen Elektronik- und Elektroindustrie, darniederliegt. Wir haben renommierte Kunden, die fahren zu 80 bis 90 Prozent Kurzarbeit. Es gibt Kunden, die haben zuvor im Monat 120 Maschinen gebaut, heute sind es noch drei oder vier Stück. Ich bin nun seit über 30 Jahren in diesem Geschäft und habe auch die Wirtschaftskrise 1974 – 76 erlebt, aber so etwas wie jetzt – eine Finanz- und Wirtschaftskrise in diesem Ausmaß – hatten wir noch nie seit Gründung der Bundesrepublik.

Bieten sich in der jetzigen Situation nicht für akquisitionswillige und solvente Unternehmen Übernahmechancen, die es so vor ein, zwei Jahren nicht gegeben hätte?

Eigentlich sollte man jetzt zukaufen. Die Preisvorstellungen haben sich in der Krise ganz klar an den Realitäten orientiert. Ich selbst werde aber noch sechs bis neun Monate warten. Zwar wird jetzt bereits über einen Kreditklemme gesprochen, doch wenn den Banken Anfang nächsten Jahres die Bilanzen 2009 vorgelegt werden, dann dürften die wohl in vielen Fällen »Nein« zu einer weiteren Kreditfinanzierung sagen. Ich möchte betonen, dass diese Entwicklung vor allem kreditfinanzierte Unternehmen in Schwierigkeiten bringen wird. Wer dann die Möglichkeit hat zuzukaufen, wird sich mit interessanter Technologie, Know-how und Produkten stärken können, ohne sich die Probleme ins Boot zu holen, die ihm ein solcher Kauf heute noch bescheren könnte.

Die Unternehmen der Fortec-Gruppe werden also gestärkt aus der Krise hervorgehen, weil sie von einer sich abzeichnenden Marktbereinigung profitieren werden?

Ja. Schon heute entscheidet sich die Vergabe eines Auftrags oft an der Solvenz eines Geschäftspartners. Wenn ich als Kunde diesbezüglich bei kleinen und mittleren kreditfinanzierten Distributoren nicht sicher sein kann, entscheide ich mich für Anbieter, die diese Sicherheit bieten können. Hinzu kommt, dass wir im Fall Emtron mit den Produkten von Mean Well Stromversorgungen mit guter Qualität kostengünstig liefern können.

In der Krise besinnen sich die Kunden spürbar auf diese Kriterien. Ich gehe persönlich davon aus, dass wir im nächsten Jahr eine ganze Reihe von Insolvenzen sowohl auf der Kundenseite als auch beim Wettbewerb erleben werden. Wir werden von dieser Entwicklung doppelt profitieren, weil sie uns die Möglichkeit für zusätzliches Wachstum bietet und wir uns an der einen oder anderen Stelle durch Übernahmen stärken werden können.