Varta Microbattery: In der Nische besser

Varta-Microbattery-CEO Hans-Burghardt Ziermann im Interview über Nischenmärkte, seine Unternehmensausrichtung und dem Hybridmarkt als Wachstumschance für Batteriehersteller.

Markt&Technik: Nach der Anfang 2007 erfolgten Eingliederung der Varta Microbattery in die Montanta Tech Components hielt Herbert Roth, damals Mitglied des Executive Board der Varta Microbattery, eine Verdoppelung des Umsatzes in drei Jahren für möglich. Ist dieses Ziel auch heute noch realistisch?

Hans-Burghardt Ziermann: Das war eine Willensbekundung, die auch mögliche weitere Akquisitionen einschloss, keine konkrete Zielvorgabe. Wir haben uns stabil entwickelt, und ich rechne für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatzzuwachs von 10 bis 15 Prozent. In dieser Spanne wird sich das auch in den nächsten zwei Jahren bewegen. Sollten sich darüber hinaus bestimmte Geschäftsfelder besser entwickeln als erwartet, ist natürlich noch eine Steigerung nach oben möglich.

Könnte zu diesen sich besser als erwartet entwickelnden Geschäftsfeldern auch der Bereich der Komponenten- und Systemlösungen für Hybrid-Antriebe gehören?

Wir sind an diesem Thema dran, mehr kann ich dazu nicht sagen. Viel näher liegend ist aus heutiger Sicht sicherlich ein Ausbau unseres Pack-Business. Bei der Konfektionierung von Akku-Packs vor allem für mittelständische Kunden sehe ich ein großes Wachstumspotenzial. Wenn wir vor allem auf Umsatzsteigerung fixiert wären, ließe sich das über diese Schiene sicherlich am schnellsten erreichen. Unser Ziel ist aber eine ausgeglichene Entwicklung unserer drei Business-Units.

Herr Roth wollte vor einem Jahr auch weitere Akquisitionen nicht ausschließen. Gehört dieser Ansatz heute noch zur Unternehmensstrategie von Varta Microbattery?

Es hat sich ganz einfach bisher keine passende Gelegenheit ergeben. Gleichzeitig gibt es aus unserer Sicht in Europa keinen Batterie- und Akku-Hersteller mehr, dessen Übernahme unser Produkt- und Dienstleistungsportfolio wirkungsvoll ergänzen oder unsere regionale Marktpräsenz auf dem Weltmarkt verbessern würde. Aus meiner Sicht wäre, wenn überhaupt, heute nur eine Übernahme oder eine Beteiligung an einem asiatischen  Batterie- und Akku-Unternehmen sinnvoll. Angesichts der Entwicklung an den Finanzmärkten haben sich aber die Rahmenbedingungen für Übernahmen in den letzten eineinhalb Jahren deutlich verschlechtert.

Wie stellt sich derzeit die aktuelle Verteilung des Umsatzes bei Varta Microbattery dar? Gibt es Anwendungen, die in einzelnen Regionen dominieren?

Wir erzielen derzeit gut die Hälfte unseres Umsatzes in Europa. Jeweils ein Viertel des Umsatzes entfällt zudem auf Asien und Amerika. Während in Asien ganz klar die Consumer- Anwendungen dominieren, sind es in Europa der Automobilbereich und Hörgeräte. Unser NiMH-Geschäft ist vor allem ein Computer-Business und verteilt sich darum hauptsächlich auf die USA und Asien.

Bei bestimmten Lithium-Ionen- Akkus gibt es derzeit Lieferengpässe bei den großen Namen der Branche. Profitiert Varta Microbattery von dieser Situation?

Nein, wir profitieren von dieser Entwicklung nicht, wir nehmen Sie bei unseren Kunden auch nicht wahr. Auf unsere Geschäftsentwicklung hat das weder in negativer noch in positiver Weise Einfluss. Wir bewegen uns in klar definierten Nischenmärkten und konkurrieren nicht in den High- Runner-Märkten mit den Big Guys dieser Branche.

Sehr erfolgreich hat sich in den letzten Jahren Ihr Wiedereinstieg in den Hörgerätebatteriemarkt entwickelt. Sehen Sie sich in diesem Bereich auf dem Weg zur Marktführerschaft?

Wir sind momentan dabei, unsere Produktionskapazitäten auf jährlich über 400 Mio. Stück auszubauen. Der Weltmarkt für diese Produkte umfasst derzeit 700 bis 800 Zellen. Es ist uns in den letzten Jahren gelungen, dieses Geschäft, das im Zuge des Verkaufs und der Aufteilung der verschiedenen Varta-Aktivitäten an Rayovac ging, unter dem Markennamen Power-One wieder aufzubauen. Unser Marktanteil liegt heute bei mehr als 40 Prozent. Wir differenzieren uns dabei über höhere Leistung und besseren Anwendernutzen. Das reicht vom Verpackungskonzept, das eine sichere Aufbewahrung der Zellen bis zu ihrem Gebrauch gewährleistet, bis zu einer Kapazitätserhöhung um etwa 10 Prozent unserer Zellen im Vergleich zur Vorgängerversion. Für den Anwender bedeuten diese 10 Prozent mehr, dass er mit einer Batterie, abhängig vom Hörgerät, ein bis mehrere Tage länger hören kann.