Stromversorgungsmarkt: Keine Trendwende in Sicht

Noch ist eine Trendwende auf dem deutschen Stromversorgungsmarkt nicht erkennbar. Sollten sich die Auftrags- und Umsatzeinbrüche des ersten Halbjahres weiter fortsetzen, wird wohl spätestens zum vierten Quartal ein verschärfter Preiskampf beginnen.

Auftrags- und Umsatzeinbrüche von bis zu 25 Prozent charakterisieren derzeit die Situation auf dem deutschen Stromversorgungsmarkt. Ob das Schlimmste bereits vorbei ist oder ob die nächsten Monate zu einer Marktkonsolidierung führen werden, darüber gehen jedoch die Einschätzungen in der mittelständisch geprägten deutschen Stromversorgungslandschaft auseinander.

»Wir gehen davon aus, dass der Boden im Juli, August erreicht wird«, versichert Gustav Erl, General Manager der deutschen Niederlassung von TDK-Lambda. Mit knapp 80 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 42 Mio. Euro im Vorjahr bewegt sich TDK-Lambda in Deutschland auf dem Niveau eines mittelständischen Unternehmens.

Wie eine aktuelle Umfrage der Markt&Technik unter den deutschen Stromversorgungsanbietern zeigt, wird die Marktsituation durchgehend als »schlecht« bezeichnet. Zwar hat sich die Situation gegenüber dem ersten Quartal insofern gebessert, als dass Kunden wieder Aufträge aus Rahmenvereinbahrungen abrufen und nicht mehr drohen, Ware auf Kosten des Lieferanten wieder an diesen zurückzuschicken. Mit einer wirklichen Trendwende noch in diesem Jahr scheint aber keiner der Anbieter zu rechnen.

Erholung erst in drei bis vier Jahren in Sicht

Auf dem Stromversorgungs-Forum äußerten die Diskussionsteilnehmer vielmehr die Ansicht, dass eine Erholung des Marktes wohl drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen dürfte. Stellvertretend dafür steht die Einschätzung von Karsten M. Bier, Group Managing Director von Recom International, der davon ausgeht, »dass der Markt das Volumen des Jahres 2008 wohl erst wieder 2012/13 erreichen wird.«

Am härtesten getroffen von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise wurde der Textil- und Druckmaschinenbau, die Automatisierungstechnik sowie die Test- und Messtechnik. In diesen Bereichen wird von Auftragsrückgängen von bis zu 60 Prozent berichtet. Vergleichweise moderat gestalten sich die Auswirkungen offenbar in den Bereichen Medizin, Industrial Computer, Beleuchtungstechnik und vor allem der Bahntechnik. Ebenfalls stabil entwickelt sich der Bereich Wehrtechnik sowie Avionik.

Auf die Krise reagieren die deutschen Stromversorgungsspezialisten mit Maßnahmen wie Investitionsstopp, der Einführung von Kurzarbeit sowie vereinzelten betriebsbedingten Kündigungen. Im Vergleich zu ihren großen internationalen Wettbewerbern sehen Sandra Maile, Geschäftsführerin der Autronic Steuer- und Regeltechnik, sowie Hermann Püthe, Geschäftsführer der inpotron Schaltnetzteile, die kurze Reaktionszeit der mittelständischen Anbieter.

Vom Speckgürtel zehren

»Der Mittelstand kann beispielsweise Kurzarbeit schneller einführen und flexibler handhaben als Großkonzerne«, hebt Maile hervor, »auch die direkte Kommunikation mit unseren Mitarbeitern gewährt uns hier Vorteile.« Die Hochkonjunktur der letzten Jahre hat nach Darstellung von Püthe dazu geführt, dass viele mittelständische Unternehmen auf einem soliden finanziellen Sockel stehen. »Man ist sicherlich in der Lage, eine Weile vom Speckgürtel zu zehren«, stellt er fest, »die Gewinne der Vergangenheit dienen jetzt dazu, die Mannschaft zusammenzuhalten und personell stark auf die Zukunft zu setzen.«