Risikokapital Solar ist tot, es lebe die Energieeffizienz

Rudolf Donauer ist überzeugt: »Das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG ist das Rückgrat einer nachhaltigen Energieversorgung.«
Der Solarboom ist vorbei - Risikokapitalgeber investieren jetzt woanders.

Risikokapitalgeber sind im Zuge der sterbenden Solarbranche in Deutschland reihenweise Pleite gegangen. Analysten sehen weltweit zwar Anzeichen für eine Erholung, doch der Investitionsschwerpunkt liegt jetzt woanders.

Fünf Jahre lang hatten vor allem deutsche Risikokapitalgeber mehr mit Abschreibungen als mit Gewinnen zu tun. Jetzt scheint sich die Investitionsbereitschaft  in Cleantech wieder zu beleben. Der Risikokapitalmarkt für Erneuerbare Energien soll sich laut Frost & Sullivan zwischen 2011 und 2020 weltweit verdreifachen. Europa und Nordamerika liegen dabei aktuell im Fokus, gefolgt vom südasiatischen und dem asiatisch-pazifischen Raum.
2011 sei laut Frost-Analyse sogar ein »glänzendes Jahr« für Geschäfte mit erneuerbaren Energien gewesen. Die Transaktionen seien im Vergleich zum Vorjahr um zwei Drittel gestiegen. Gleichzeitig hat der Transaktionsgesamtwert aber um ein Drittel nachgelassen. Das bedeutet: mehr Deals, aber zu niedrigeren Bewertungen. Diese Entwicklung habe im Gegensatz zu Nordamerika gestanden, wo es 2011 weniger Transaktionen, aber höhere Einzelwerte gegeben habe, wie der Frost & Sullivan Financial Analyst Vinod Cartic erklärt.

2012 aber war der Glanz  gleich wieder vorbei. Vor allem in den „reifen“ Märkten wie Deutschland, Spanien oder Italien hatte es einen deutlichen Einbruch mit zahlreichen Firmenpleiten gegeben, die auch Investoren mit in den Abgrund gezogen und die Lust am Investieren vergällt haben. Seit Beginn der letzten Wirtschaftskrise vor fünf Jahren hatten deutsche Risikokapitalgeber insgesamt nur wenig Grund zum Lachen. Die Zahl der Abschreibungen war enorm, wenn auch nicht ganz so dramatisch wie nach Platzen der Internet-Bubble. Doch vor allem im Jahr 2009 hat es viele Pleiten gegeben. Der Preisverfall bei Solarpanels, die massiven EEG-Kürzungen und unklare Rahmenbedingungen der Politik waren Gift für die Investitionsbereitschaft. Die weltweit schwache Konjunktur und die Ankündigungen der USA, zusätzliche Ölvorkommen mittels „Fracking“ erschließen zu wollen, haben regional zusätzlich Druck gemacht.

Kein Wunder, dass Investoren nun Bereiche ins Auge fassen, die unabhängiger sind von politischen Rahmenbedingungen – und das ist allen voran die Energieeffizienz. Vinod Cartic betrachtet sie derzeit als wichtigsten Investitionshebel. Aus mehreren Gründen. Denn nicht nur Risikoinvestoren, auch Unternehmen finanzieren zunehmend Projekte, um eigene Energiekosten zu sparen. Zum Beispiel Ikea. Cartic: »Der weltweit größte Möbelhändler wird seine Investitionen in erneuerbare Energien bis auf ​​4 Milliarden Dollar  bis 2020 verdoppeln, um seine eigenen Kosten zu senken.“

Aber Frost&Sullivan sieht auch bessere Rahmenbedingungen voraus, etwa am Beispiel des Kyoto-Protokolls und die EU-2020-Zielen. Politisch werde nun nachgelegt, etwa in Großbritannien. Hier genehmigte die britische Regierung vergangenen November einen Gesetzentwurf, nachdem Haushalte sich steuerlich mit 20 Pfund pro Jahr an der Finanzierung saubere Energie beteiligen sollen. Diese Abgabe soll auf jährlich 95 Pfund bis 2020 steigen.  Mit den 7,6 Mrd. Pfund sollen klimafreundliche Technologien finanziert werden.

Verlässliche Rahmenbedingungen sind für Cleantech-Investoren essenziell, denn das Geschäft ist nicht nur kapitalintensiv, sondern auch meist langwierig, von ersten Piloterfolgen bis hin zu kommerziellen Erfolgen ist Ausdauer erforderlich.

Dafür winkt aber auch am Ende das große Geld. So sind bislang mehr als die Hälfte aller Risikokapitalgesellschaften weltweit mit Investitionen in die saubere Energie eingestiegen, hat Frost&Sullivan errechnet.