Sicherer in der Anwendung, aber noch Schwächen bei Temperaturen über 40°C

Nach dem ersten Hype ist die Lithium-Eisenphosphat-Technologie nun dabei, sich zu einer »normalen« Akku-Technologie zu entwickeln. Zwar sind die Produktionsmengen noch gering, und es bedarf noch einiger Systemverbesserungen, doch vor allem die Aspekte Sicherheit, Leistungsdichte und Lebensdauer dürften diesem elektrochemischen System eine große Zukunft garantieren.

Nach dem ersten Hype ist die Lithium-Eisenphosphat-Technologie nun dabei, sich zu einer »normalen« Akku-Technologie zu entwickeln. Zwar sind die Produktionsmengen noch gering, und es bedarf noch einiger Systemverbesserungen, doch vor allem die Aspekte Sicherheit, Leistungsdichte und Lebensdauer dürften diesem elektrochemischen System eine große Zukunft garantieren.

Spätestens seit den großen Lithium-Ionen-Recall-Aktionen des Jahres 2006 beginnt sich das Augenmerk der Batterie- und Akku-Anwender weltweit auf ein neues elektrochemisches System zu richten: Lithium-Eisenphosphat. Sie versprechen sich von ihm gegenüber dem klassischen Lithium-Kobalt-Systemen vor allem eines: mehr Sicherheit. Besonders gefragt ist die neue Akku-Technologie nach Angaben der in diesem Bereich tätigen Batterie- und Akku-Hersteller deshalb auch im Power-Tool- und Automotive-Segment. Vorwiegend in diesen Anwendungssegmenten wird derzeit nach einer Alternative für sichere und schnellladefähige Akkus gesucht. Das gilt auch für Applikationen im Bereich der Traktion, in dem, wie Dr. Karl-Heinz Pettinger, verantwortlich für Research & Development bei Leclanché Lithium, erläutert, »neben der Schnellladefähigkeit und Lebensdauer vor allem die Sicherheit von großen Akkumulatoren eine wichtige Rolle spielt«. Die hohe Zyklenzahl und die Sicherheit des Systems wird nach Einschätzung von Werner Suter, Head of Sales & Marketing bei SAT, »in Zukunft mit Sicherheit zu einem Einsatz dieses Systems im EV- und HEV-Markt sorgen, aber auch USV- und Solarapplikationen dürften von den Vorteilen des Lithium-Eisenphosphats profitieren«.

Doch das Mehr an Sicherheit hat seinen Preis. Lithium-Eisenphosphat-Lösungen weisen eine geringere Energiedichte (der Unterschied liegt bei etwa 30 Prozent) als klassische Lithium-Ionen-Akkus auf. Eine Einschränkung, mit der offenbar eine ganze Reihe von Anwendern gut leben kann. Denn beim Thema Leistungsdichte liegen die Lithium-Eisenphosphat-Akkus gleichauf mit den herkömmlichen Lithium-Kobalt-Lösungen. Intensiv gearbeitet wird derzeit noch daran, eine weitere Schwäche der Lithium-Eisenphosphat-Akkus abzustellen: ihr schnelles Altern bei Temperaturen über 40 °C.

Dass das Thema Lithium-Eisenphosphat in den letzten Jahren in der Batterie- und Akku-Branche einigen Staub aufgewirbelt hat, ist jedoch weniger darauf zurückzuführen, dass es in Hinblick auf seine Verbindungs- und Strukturdaten von den Forschern eigentlich zu den schlechteren Kandidaten gezählt wurde, und dafür nun überraschend gut funktioniert. Auch die schwelenden juristischen Grabenkämpfe beschäftigen mehr die Insider, als dass sie die Aufmerksamkeit des breiten Spektrums der möglichen Anwender auf sich ziehen. Wirklich für Zündstoff gesorgt hat in der Branche in den letzten Jahren das aggressive Marketing einiger junger, VC-finanzierter Startups, die auf Lithium-Eisenphosphat setzen.