Semikron: »Innovation ist die Grundlage unseres Erfolgs«

Semikron-CEO Dirk Heidenreich setzt in der Krise auf Stabilität. Der Bau der neuen Fab läuft planmäßig, der Ausbau der Produktionskapazität erfolgt bedarfsgerecht. Für die Zukunft setzt er verstärkt auf erneuerbare Energien.

Markt&Technik: Semikron ist allein in den letzten drei Jahren um 70 Prozent gewachsen. Zollen Sie nun seit Herbst 2008 der Krise ähnlichen Tribut wie die übrige Halbleiterbranche?

Dirk Heidenreich: Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise haben uns in den letzten Monaten alle getroffen, da gibt es kaum Ausnahmen. Ich würde aber inzwischen von einer Trendwende am Markt sprechen. Seit Mai liegt unsere Book-to-Bill wieder über 1. Wir haben Ende Juli die Kurzarbeit beendet, die in Teilbereichen eingeführt war, weil unsere Kunden wieder steigenden Bedarf melden. Ich gehe davon aus, dass sich diese Entwicklung im Herbst verstärken wird. Wir werden darum auch in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben, auch wenn unser Umsatz gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen ist.

Sie sind als mittelständischer Systemspezialist sehr international aufgestellt. In Deutschland können Sie das Instrument Kurzarbeit nutzen. Wie sieht das an Ihren internationalen Standorten aus, und welche Maßnahmen haben Sie sonst zur Bewältigung der Krise getroffen?

Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen. Das sind wir nicht nur hier in Deutschland, das gilt auch für unsere internationalen Niederlassungen. Die Maßnahmen, die wir zur Bewältigung der Krise getroffen haben, dienen vor allem der Flexibilisierung des Unternehmens. Die Zahl der Mitarbeiter am Standort Nürnberg hat sich durch natürliche Fluktuation und das Auslaufen befristeter Verträge von 1400 im Sommer letzten Jahres auf inzwischen 1100 reduziert. Wir haben aber auch sichergestellt, dass wir genau diese befristet tätigen Mitarbeiter wieder einstellen können, wenn die Konjunktur anzieht.

Wir haben frühzeitig verschiedene Szenarien entwickelt, wie wir auf verschiedene Marktentwicklungen mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen reagieren können, sei es nun ein Nachfrageeinbruch oder ein Wiederaufschwung. Der Unterschied zum Konzern mag sein, dass diese Konzepte nicht vom Vorstand festgelegt und dann umgesetzt werden, sondern wir im Haus unseren Mitarbeitern ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit gewähren. Was wir als Managementteam zur Stabilisierung der Situation beitragen können, ist, auch in Krisenzeiten Ruhe zu bewahren, an unseren langfristigen Zielen festzuhalten und nicht unter dem Eindruck der Krise plötzlich alles in Frage zu stellen.

Unter diesem Aspekt haben Sie auch die Arbeiten an Ihrer neuen Fab in Nürnberg nicht in Frage gestellt. Wann wird die Fabrik ihre volle Leistungsfähigkeit erreichen?

Wir investieren im Zeitraum 2008/09 rund 70 Mio. Euro in den Ausbau unserer weltweiten Werke. Etwa 50 Prozent dieser Investitionssumme fließen in die Fab- Erweiterung. Da wir unsere Fertigungskapazitäten in der laufenden Produktion erweitern, nimmt das Projekt insgesamt zweieinhalb Jahre in Anspruch. Die neue Fab wird Mitte 2010 fertig sein. Die nötige Infrastruktur wurde inzwischen geschaffen, der Ausbau der Produktionskapazitäten erfolgt dann bedarfsgerecht. Unsere langfristigen Ziele können wir mit diesem Projekt erreichen.

Selbst in der Krise galt lange Zeit: Grün geht immer. Haben sich die Erneuerbaren Energien für Semikron als zuverlässige Umsatzsäule in den letzten Monaten erwiesen?

Der Bereich Erneuerbare Energien hat sich für uns seit unseren ersten Aktivitäten auf diesem Sektor im Jahr 1993 zu einem wichtigen Umsatzträger entwickelt. Knapp die Hälfte der von 1993 bis 2008 weltweit installierten Windmühlenleistung von 92 GW wird mit SKiiP-Technologie erzielt. Wir beliefern fast alle Windmarktführer, manche sogar als Single-Source. Wir bieten bei hoch integrierten Lösungen mit 12 kW/l die höchste Leistungsdichte am Markt. Als einziger Leistungsmodul-Anbieter in diesem Bereich unterziehen wir unsere SKiiP-Module einem Burn-in-Test unter den Bedingungen des realen Umrichterbetriebs. Derzeit hilft uns vor allem der Nachfrageanstieg in China. Dort errichten wir derzeit unser weltweit insgesamt siebtes Solution- Center für Windkraft in Zhuhai bei Hongkong.