»Photovoltaik und Windkraft sind die Wachstumstreiber«

Auch in der Krise gibt es laut Arunjai Mittal, President der Industrial und Multimarket Division bei Infineon, noch Wachstumsmärkte in der Leistungshalbleiter-Branche: Traktion, Photovoltaik und Windkraft. Darüber hinaus setzt Infineon weiter konsequent auf Silizium-Karbid.

Markt&Technik: Nach sieben Boomjahren zollt inzwischen auch die Leistungshalbleiter-Branche der Krise Tribut. Sehen Sie aktuell Anzeichen für eine Verbesserung der Situation?

Arunjai Mittal: Es gibt nach wie vor Segmente im Leistungshalbleiterbereich, die sich sehr positiv entwickeln. Nehmen wir nur die Traktionsmodule zum Beispiel für Hochgeschwindigkeitszüge, U- oder Straßenbahnen. Dieser Markt war über die letzten 20 Jahre von einstelligen Zuwachsraten gekennzeichnet. Auch in Zeiten der Krise haben wir in diesem Bereich immer noch eine Art Allokationssituation.

Einer der Gründe dafür liegt in der weltweiten Renaissance des Schienenverkehrs, unter anderem getrieben durch staatlich geförderte Infrastrukturprogramme. Nach Angaben der UN leben seit einigen Jahren mehr Menschen in Städten und Ballungsräumen als auf dem Land. Auch unter dem Eindruck dieser Entwicklung wird der öffentliche Verkehr, vor allem in den Schwellenländern weiter ausgebaut.

Hat sich der Schwung einer der Wachstumslokomotiven der letzten Jahre, des Bereichs erneuerbarer Energien, inzwischen verringert oder herrscht dort noch rege Nachfrage nach Leistungshalbleiterlösungen?

Nein, beide Bereiche – Photovoltaik und Windkraft - gehören zweifellos weiterhin zu den Wachstumstreibern im Leistungshalbleiterbereich. Doch anders als im Vorjahr, beginnt sich auch in diesem Segment inzwischen die Finanzkrise bemerkbar zu machen. Die Investitionssummen für große Solar- oder Windkraftparks sind heute ganz offensichtlich nicht mehr so einfach zusammenzubringen als noch 2008. Interessant ist auch, dass inzwischen gut die Hälfte dieser Projekte in Asien realisiert wird, unsere Kunden in diesem Bereich aber überwiegend aus Deutschland kommen.

Auch verfolgen Solarinverter- und Windkraftentwickler durch den Einsatz von Leistungshalbleiterkomponenten verschiedene Ziele: Während der Solarinverter-Kunde vor allem den Wirkungsgrad seines Geräts steigern will, steht im Bereich Windkraft der Aspekt der Lebensdauer und der Zuverlässigkeit einer solchen Leistungshalbleiterlösung für den Entwickler im Vordergrund. Schon heute können unsere IGBT-Komponenten und MOSFETs, wie CoolMOS, Silizium-Schottky-Dioden sowie unsere Leistungsmodule und Stacks den Wirkungsgrad von Solarwechselrichtern auf bis zu 98 Prozent erhöhen, wodurch sich so viel Sonnenenergie wie möglich als Strom in das Netz einspeisen lässt.

Wir wollen bei erneuerbaren Energien und Motorantrieben wachsen und erweitern dafür bis 2012 unser Werk im ungarischen Cegléd, wo wir hauptsächlich Standard-Leistungsmodule produzieren, die in Wechselrichtern für Windkrafträder und Photovoltaik-Anlagen und in Fertigungsanlagen, Rolltreppen und Aufzügen zum Einsatz kommen.

Welche Möglichkeiten haben sie als Leistungshalbleiter-Spezialist, um diese Krise als Chance für sich zu nutzen und sich gegenüber dem Wettbewerb abzuheben?

Ein gutes Beispiel dafür, wie sich in diesen Krisenzeiten durch neue Ideen zusätzlicher Kundennutzen schaffen lässt, sind für mich unsere vor kurzem vorgestellten neuen Smart-Module. Ihr Gehäuse-Design erlaubt die Nutzung der Einpresstechnik PressFIT, um ein Smart-Modul in einem einzigen Fertigungsschritt sowohl mit der Leiterkarte als auch mit dem Kühlkörper zu verbinden. Für diese Verbindung wird nur eine einzige Schraube benötigt und die Montage erfolgt in einem einzigen Arbeitsschritt.

Das spart unseren Kunden Zeit und Kosten. Gerade in der Krise ist das ein Ziel, das wir alle anstreben sollten. Wir beobachten in diesem Zusammenhang auch, dass das Thema Total-Cost-of-Ownership auch im Bereich der Leistungselektronik an Bedeutung gewinnt. Wenn ein Systemanbieter durch Verbesserungen, wie unsere neuen Smart-Module, seine Arbeitskosten vielleicht um 5 Prozent reduzieren kann, dann hat das für ihn einen ganz klaren Mehrnutzen.