Energiemanagement Kampf der Verschwendung

Sage keiner, es würde nichts getan. Wenig beachtet von den Massenmedien gehen die Bemühungen der Industrie, den Energieeinsatz zu senken, intensiv voran. Die Motivation ist nicht zuletzt deshalb so hoch, weil sich dadurch in den meisten Fällen auch viel Geld sparen lässt. Das wichtigste Werkzeug dafür sind die sogenannten Energiemanagementsysteme, die jetzt in immer mehr Unternehmen zum Einsatz kommen.

Effizienzsteigerung ist zur Chefsache geworden. Denn sie zahlt sich aus, oft schon nach wenigen Jahren. Der Nachfrage entsprechend steigt das Angebot an Mess- und Analysesystemen, die den Energieverbrauch ermitteln und in übersichtlicher Form grafisch darstellen. Ihre Entwickler sind überwiegend Klein- und Mittelstandsbetriebe. Grundsätzlich neu sind solche Energiemanagementsysteme (EnMS) dabei gar nicht. Die ersten gab es bereits vor Jahrzehnten – in wenigen besonders energieintensiven Großunternehmen, zunächst sehr einfach gestrickt und nicht einheitlich.

Erst in den letzten Jahren sind sie zu größerer Verbreitung gekommen, derzeit nehmen sie lawinenartig zu; es sind bereits viele tausend in Betrieb. Sie entsprechen dem aktuellen gesetzlichen Regelwerk und werden immer ausgefeilter. Mittlerweile finden zu diesem Thema eigene Kongresse und Fachmessen statt, so etwa die EnergieEffizienz-Messe 2013 in Frankfurt/Main, sowie auch immer mehr regionale Veranstaltungen zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Erläuterungen der Fachbegriffe finden sich in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia.

Sehen die einzelnen Systeme auf den ersten Blick relativ ähnlich aus, so zeigen sich bei genauerem Hinsehen doch deutliche Unterschiede. Lösungen von der Stange sind in der Minderheit; meist sind sie individuell gestaltet. Erfolg ist nur dann sicher, wenn sie an die speziellen Gegebenheiten jedes Unternehmens angepasst sind. Eine detaillierte Definition eines EnMS findet sich in der VDI-Richtlinie 4602. Das wesentliche Ziel ist es, Prozesse zu verbessern, ungenutzte Energieeffizienzpotenziale zu erschließen, Energiekosten zu verringern und den Ausstoß von Treibhausgasen und andere schädliche Umweltauswirkungen zu reduzieren.

Nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen

Grundsätzlich ist die Einführung eines EnMS freiwillig. Zur Pflicht wird sie, wenn ein Unternehmen sich als energieintensiv einstuft und von der EEG-Umlage und von der Strom- und Energiesteuer befreit werden will. Hier gilt seit Anfang 2013 Folgendes: Große Unternehmen des produzierenden Gewerbes mit über 250 Mitarbeitern oder mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz sind zur Einführung eines EnMS verpflichtet, wenn sie auch weiterhin den Spitzensteuerausgleich nach § 10 Stromsteuergesetz bzw. § 55 Energiesteuergesetz nutzen wollen. Das Gleiche gilt für Betriebe mit einem Strombezug von mehr als 10 GWh pro Jahr und einem Stromkostenanteil von über 14 % an der Bruttowertschöpfung, die die Härtefallregelung nach § 41 EEG nutzen wollen. Das EnMS muss in diesem Fall nach DIN EN ISO 50001 zertifiziert sein.

Diese internationale Norm, die die frühere deutsche Norm DIN 16001 abgelöst hat, legt fest, wie ein solches System aufgebaut sein muss, d.h., in welcher Weise es die Energieflüsse in einem Unternehmen (Energiequellen, Energieeinsatz, Energieverbraucher) erfassen und wie es den Stand der Energieeffizienz bewerten soll. Mit dazu gehören auch organisatorische Strukturen im Management und eine detaillierte Dokumentation. Das führt dazu, dass in Großunternehmen ganze Abteilungen damit befasst sind.

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit weniger als 250 Mitarbeitern und einem Umsatz von unter 50 Mio. Euro haben eine Wahlmöglichkeit: Sie können ebenfalls ein EnMS nach ISO 50001 einführen; der hohe Aufwand steht hier aber häufig in keinem Verhältnis zur Unternehmensgröße. Sehr viel wirtschaftlicher sind zwei andere Möglichkeiten, um die Energiesteuern zu senken: Ein jährliches Energieaudit nach DIN 16247-1 oder aber ein alternatives System nach der Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung (SpaEfV) Anlage 2. DIN EN 16247 ist eine Europäische Norm, die Anforderungen an qualitativ gute Energieaudits festlegt, also an eine systematische Untersuchung des Energieeinsatzes und Energieverbrauchs. Die SpaEfV regelt Anforderungen an alternative Systeme zur Verbesserung der Energieeffizienz, die von kleinen und mittleren Unternehmen anstelle eines Energie- oder Umweltmanagementsystems eingesetzt werden können.

Als Erstes Transparenz schaffen

Der Zweck eines EnMS ist, zunächst einmal die Energieflüsse in einem Unternehmen genau in den Blick zu bekommen. Der nächste Schritt ist dann eine Bewertung der Effizienz, insbesondere der für den gesamten Energieverbrauch bedeutsamen Anlagen und Prozesse. Diese Erfassung ist dann die Grundlage für die darauf basierenden Verbesserungsmaßnahmen. Darüber hinaus sind auch strategische und organisatorische Managementansätze nötig: die Definition einer Energiepolitik im Unternehmen mit der Verpflichtung, die Energiebilanz zu verbessern. In ISO 50001 geht das bis zu Schulung und Motivation der Mitarbeiter, was in der SpaEfV nicht gefordert ist.

Die generelle Vorgehensweise verläuft nach dem „Deming-Ansatz“ in der wiederholten Abfolge von „Plan –Do – Check – Act“ (PDCA):

  • Planung: Erstbewertung der Energiesituation, Ermittlung der eingesetzten Energieträger, der Energienutzung und der Energiekosten, Suche nach Möglichkeiten zur Effizienzverbesserung; Ermittlung der relevanten Rahmenbedingungen (Gesetze, Verordnungen usw.), Aufstellen eines Aktionsplans.
  • Umsetzung: Entwicklung einer sinnvollen Energiedaten-Erfassungsstruktur, z.B. Zähler an relevanten Messpunkten, Inbetriebnahme des EnMS, Erfassung der aktuellen Verbrauchswerte, Datenübertragung an einen zentralen PC, grafische Darstellung.
  • Dokumentation der Ergebnisse, Überprüfung, internes Audit. Verantwortlichkeiten definieren, Prozesse und Abläufe regeln, die Einfluss auf den Energieverbrauch des Unternehmens haben, Nachweis der Energieeffizienz.
  • Verbesserung: Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen, bei Abweichungen und Unregelmäßigkeiten frühzeitig eingreifen, einer Verschwendung entgegenwirken. Weiterentwicklung, der Kreislauf beginnt von neuem. Das System verbessert sich kontinuierlich.