International Rectifier: »Energieeffizienz ist und bleibt unsere DNA«

Oleg Khaykin, neuer President und CEO von International Rectifier, trimmt den Technologieführer auf Kundennähe. Im Interview spricht er darüber, welche Veränderungen er IR in den ersten 100 Tagen seiner Unternehmensführung verordnet hat.

Markt&Technik: Herr Khaykin, International Rectifier wurde über sechs Jahrzehnte von Mitgliedern der Lidow-Familie geführt, bevor Sie als erster Externer die Leitung von IR übernahmen. Welche Eindrücke haben Sie bisher gesammelt und welche Veränderungen streben Sie an?

Oleg Khaykin: Ich habe versucht, in den ersten 30 Tagen das Unternehmen bis ins Detail kennen zu lernen und dabei den Eindruck gewonnen, dass bei IR alles von der Technologie getrieben wurde. Dieses Unternehmen hat sich über Physik differenziert, hat sich über 60 Jahre hinweg immer wieder selbst erfunden und dadurch sein Überleben gesichert. Es dürfte kein anderes Halbleiterunternehmen geben, das eine ähnlich stringente Historie vorweisen kann.

Das klingt überaus positiv, oder sehen Sie in dieser Technik-Fokussierung einen der Hauptgründe dafür, dass das Wachstum des Unternehmens letztlich begrenzt war?

IR hat aus meiner Sicht in der Vergangenheit Produkte vor allem aus seiner technologischen Vorreiterstellung heraus entwickelt. Anders gesagt, es hätte durchaus die Möglichkeit bestanden andere Produkte zu entwickeln, nur hat man sich letztlich nicht dafür interessiert, weil das keine technische Herausforderung gewesen wäre. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass hier lange Zeit die Attitüde gepflegt wurde, wir erklären dem Kunden, was er braucht.

Hier werden wir in Zukunft ansetzen und uns stärker an den Bedürfnissen und Anregungen der Kunden orientieren. Ein gutes Beispiel für diesen veränderten Ansatz ist die gerade vorgestellte SupIRBuck-Serie. Sie definiert nicht die Grenzen der Physik neu, bietet aber eine auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnittene, hochintegrierte und clevere Lösung.

IR setzte in den letzten Jahren verstärkt auf proprietäre Lösungen, die in dieser Form sonst niemand anbot. Heißt das, IR wird sich in Zukunft wieder verstärkt den Bedürfnissen des Massenmarktes zuwenden?

Wir werden uns in Zukunft verstärkt des Erfahrungsschatzes anderer Branchen bedienen. Das gilt  für die Art und Weise wie Projekte angegangen und abgewickelt werden, wie die Supply-Chain gehandhabt und die Zusammenarbeit mit den Kunden gepflegt wird. Konkret bedeutet das, wir werden die Produktentwicklung disziplinieren, alle werden mit den gleichen Methodologien und Design Tools arbeiten.

Wir werden uns zudem darauf konzentrieren imTier-1-Kunden in den verschiedenen Branchen zusammenzuarbeiten. Zudem werden wir unsere Kunden in Zukunft verstärkt vor Ort durch hochqualifizierte FAEs unterstützen. Durch die Straffung und Disziplinierung des Entwicklungsprozesses werden wir zudem unsere Cycle-Time deutlich reduzieren.

Initiativen wie die Disziplinierung des Entwicklungsprozesses überraschen doch etwas. Bei einem Technologieführer wie IR hätte man das ebenso, wie die angesprochene Zusammenarbeit mit Tier-1-Kunden vorausgesetzt.

Bei IR standen bislang immer Forschung und Entwicklung im Vordergrund. Entwicklungsingenieure wurden unter diesem Aspekt als Künstler betrachtet. Diese Fokussierung hat sich auch auf anderem Gebiet niedergeschlagen. Außer dem Bereich Aerospace und Defense sowie den High- Reliability-Produkten gelangten bei IR bislang alle Produkte über die gleichen Kanäle zu den Kunden.

Wir werden hier in Zukunft eigene Lösungen für die verschiedenen Anwenderbereiche wie Automotive, Datacom oder Consumer- Electronics entwickeln. Teil dieses Wandels wird es auch sein, dass wir in Zukunft Tier-1-Kunden mit High-Volume- Produkten direkt bedienen werden und uns bei Tier-2-Kunden verstärkt der Distribution bedienen. Von dieser intensiven Zusammenarbeit mit den Tier-1- Kunden, wird IR ganz entscheidend profitieren.