IFA 2009 - neue »grüne« Woche in Berlin

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider. Dieses Lied trifft nicht auf die »Miss IFA« zu - sie trägt traditionell rot. Grüne Kleider hatten stattdessen viele Aussteller. Kaum einer, der die Worte »eco«, »green« oder »Effizienz« nicht plakatierte.

Der per Gesetz von Brüssel ausgehende Druck auf die Hersteller, energiesparendere Produkte zu entwickeln, trägt Früchte. Noch nie gab es so viele »Energiespar-Weltmeister« wie heute.

Das von den Messestandplanern am häufigsten verarbeitete Detail dürfte in diesem Jahr das Leistungsmessgerät sein. Damit wird den Messebesuchern z.B. vor Augen geführt, wie wenig Leistung die neuen Flachbildschirmgeräte im Vergleich zu ihren Vorgängern aufnehmen. Die hochprozentigen Energieeinsparungen machen zwei Dinge überdeutlich:

Erstens: Die Geräte der zurückliegenden Generation sind nicht von gestern, sondern die in ihnen verbaute Technik ist in Wirklichkeit noch viel älter. Die Techniken mit denen nun, scheinbar aus dem Nichts heraus, mehr als die Hälfte an elekrischer Energie im Betrieb eingespart werden kann, sind weder revolutionär noch wirklich neu. Sie werden nur erst jetzt in den Geräten eingesetzt.

Zweitens: Ohne staatlichen Druck wäre nichts passiert. Die EuP-Richtlinie - auch Ökodesign-Richtlinie genannt - zeigt Wirkung und: die Erfolge werden von den Geräteherstellern in diesem Jahr an den IFA-Messeständen deutlich in den Vordergrund gerückt.

Jetzt müssen die energiesparenden neuen Geräte nur noch den Weg in die Haushalte finden. Der ZVEI als Sprachrohr der Weiße-Ware-Hersteller wird nicht müde, eine staatliche »Abwrackprämie« für alte Kühlschränke zu fordern. Eine Forderung, die zwar durchaus verständlich ist aber als utopisch eingestuft werden kann: Dafür spielt die Konsumgeräteindustrie - Weiße und Braune Ware - in Deutschland eine zu unbedeutende Rolle. Ihr bleibt nur der Weg, den Kunden zu überzeugen, sofort neue, energiesparende Geräte zu kaufen und nicht bis zum Ausfall des alten Gerätes zu warten.

Große Messen wie die IFA sind hierfür gut geeignet - auch das Umweltbundesamt hat einen Informationsstand. Das eilends gestrickte grüne Mäntelchen aus Werbebotschaften entpuppt sich bei genauer Betrachtung stellenweise als Tarnmantel oder Flickwerk. Da werden Energieeinsparungen mit hohen zweistelligen Prozentzahlen plakatiert ohne konkrete Bezugsgrößen anzugeben. Dort wird der Gesamtenergiebedarf der Haushalte mit dem elektrischen Energiebedarf fleißig verwechselt und gemischt, um so die Bedeutung der Sparwirkung der eigenen Produkte übertreiben zu können.

Alles dient nur dazu, das Gewissen des Gebrauchers - eine von Dr. Reinhard Zinkann, Geschäftsführer von Miele, gewählte, wie ich finde, sehr präzise Bezeichnung für die Kunden - zu beruhigen. Die simple Botschaft lautet: Kauf ein neues Gerät und damit ist bereits alles menschenmögliche zur Verbesserung der Umwelt getan. Damit wird der Umwelteinfluß des Gebrauchers auf den Kaufakt reduziert. Das ist nicht nur falsch, sondern kann den energiesparenden Effekt sogar ins Gegenteil umkehren - suggeriert es doch, dass die neuen Geräte intensiver und unbedachter gebraucht werden können. Sie sind doch per se umweltfreundlicher.

Vor diesem Hintergrund gilt mein Lob Miele für eine kleine Innovation: die eco-feedback-Funktion. Eine Funktion, die ich übrigens im Editorial »Energie bewusst nutzen« des Sonderheftes Elektronik ecodesign 2008 gefordert habe. Auf Tastendruck zeigt die Waschmaschine W 1978 WPS EcoComfort von Miele die im beendeten Waschgang tatsächlich genutzte Wassermenge in Litern und die aufgenommene elektrische Energie in kWh an. Die Maschine kann die Einzelmesswerte auch addieren - ähnlich den Verbrauchszählern für Wasser und Elektrizität - und ermöglicht z.B. das Ermitteln von monatlichen Durchschnittswerten. Ein kleines, technisches Detail, das den Gebraucher per Tastendruck über die Folgen der Art, wie er ein Gerät nutzt, direkt informiert.

Damit kann der Gebraucher erstmals erfahren, wie er den Verbrauch - und damit das die Umwelt belastende Verhalten eines Gerätes - beeinflusst. Für mich ist die eco-feedback-Funktion die wichtigste Neuheit der IFA 2009. Ich hoffe sehr, dass sie rasch auch in anderen Miele-Geräten wie z.B. Geschirrspüler, Wäschetrockner - auch in den heimnetzwerkfähigen Geräten - integriert wird. Und wünsche mir, daß andere Hersteller dem Vorbild folgen.

Wenn Sie mehr über die für Elektro- und Elektronikgeräte relevante Umweltgesetzgebung und deren umweltfreundliche Gestaltung und Konstruktion (Ökodesign) wissen wollen, sollten Sie den ersten Elektronik ecodesign congress mit Workshops und Ausstellung am 13. und 14. Oktober nicht verpassen. Mehr Infos:  http://www.ecodesign-congress.de/