Hoher Eurokurs und Finanzkrise trüben Dauerhoch der Stromversorger

Trotz hohem Euro und steigenden Materialpreisen werden sich die deutschen Stromversorgungskäufer auch in Zukunft nicht auf höhere Preise einstellen müssen. Sie dürfen aber auch mit weiter sinkenden Lieferzeiten rechnen.

Nach Jahren einer ungebrochenen Aufwärtsentwicklung blicken die Teilnehmer des Stromversorgungsforums der Markt&Technik nicht mehr ganz so optimistisch in die Zukunft. Es sind Meldungen wie die jüngsten Wachstumsprognosen eines ihrer Leitmärkte, des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus, die die Stimmung eintrüben.

Zwar übertrifft der Bestelleingang von Januar bis Mai noch das ohnehin schon hohe Vorjahresniveau um 6 Prozent, doch nach dem schwachen März war auch der Mai mit einem Minus von 12 Prozent sowohl im Inland wie bei Auslandsaufträgen deutlich unter Vorjahresniveau. Eine Entwicklung, die nach den jahrelangen Höhenflügen der Vergangenheit sicher nicht überraschend kommt.

So verwundert es auch nicht, dass Stefan Bobe, Prokurist/Sales Manager bei MGV Stromversorgungen, für 2009 mit Bremsspuren in den Auftragsbüchern rechnet. »Wir haben es noch nicht erlebt, dass der starke Export aufgrund des schwachen Dollars auch mal zurückgehen kann«, warnt er. Auch Thomas Kreuzer, Product Manager Power Supplies der Fortec Elektronik, geht nicht davon aus, dass sich die Wachstumsraten des Jahres 2007 in diesem und im nächsten Jahr fortsetzen lassen.

Für Bernhard Erdl, President von Puls, ist es eher erstaunlich, dass sich etwa die Gesamtfinanzkrise noch nicht stärker auf das Stromversorgungsgeschäft ausgewirkt hat: »Man hat zwar ein Grummeln im Bauch, aber die Geschäfte laufen derzeit nach wie vor sehr gut.« Wie Bobe berichtet er davon, das einzelne Unternehmen in Branchen wie der Textil- und Druckindustrie offenbar Probleme haben.

Kleine Warnsignale sieht auch Marcus J. Haase, Leiter Business Development Stromversorgungen Systemverkabelung bei Siemens A&D. »Die Schwächung des Ifo-Spiegels ist für uns so ein Indiz«, schildert er seine Eindrücke, »dass schlägt sich aber noch nicht in den Büchern nieder. Im Bereich Automatisierung sehen wir bislang überhaupt keine Einbrüche, wir rechnen darum für 2008 in etwa mit dem gleichen Wachstum wie 2007.«

Gustav Erl, General Manager von Lambda, rechnet damit, dass sich der Markt verändern wird. Das hat für ihn zum einen mit der sich abkühlenden Konjunktur zu tun, einen mindestens genauso großen Einfluss hat für ihn aber die Tatsache, dass sich die verschiedenen Anbieter in der Hochphase der letzten Jahre deutlich verstärkt und teilweise neu aufgestellt haben. »Damit wird sich bei einer abkühlenden Konjunktur der Wettbewerb zwischen den einzelnen Anbietern sicher intensivieren.«

Bobe und Jörg Traum, Geschäftsführer, Emtron electronic, sind sich sicher, dass es nicht möglich sein wird, das angestrebte Wachstum speziell im nächsten Jahr ohne die Erschließung neuer Branchen realisieren zu können. Beide haben dabei das Segment der regenerativen Energien im Visier. Auf dieses Segment setzt auch Wolfgang Pape, Geschäftsführer der Eplax, für die Zukunft einige Hoffnungen. Für Hermann Püthe, Geschäftsführender Gesellschafter der Inpotron Schaltnetzteile, liegt die Limitierung des zukünftigen Wachstums nicht so sehr im sich verschärfenden Wettbewerb, als der Tatsache, in puncto Entwicklungskapazitäten aufrüsten zu müssen. »Auch wenn sich die Rahmenbedingungen nun nach einigen Jahren wieder etwas einzutrüben beginnen«, gibt er zu bedenken, »es gibt am Markt viele Projekte und Global Player, die ihr Geschäft anders als wir Mittelständler verstehen. Um davon zu profitieren, braucht man aber zusätzliche Entwicklungspower, denn einfacher werden die so erreichbaren Projekte mit Sicherheit nicht.«