Energieeffizienz wird zum Wachstumsmotor für die Halbleiterbranche

Mit Analog-Technik in Form von Power-Management neue Märkte zu erschließen, ist das erklärte Ziel von Brian Halla, Chairman und CEO von National Semiconductor.

Die Herausforderungen der effizienten Energieerzeugung geben nach seiner Überzeugung der Halbleiterindustrie die Möglichkeit zu einem weiteren Wachstumsschub. Mit Engagement treibt Halla darum die Markteinführung von »SolarMagic« voran, mit dem die Effizienz von Fotovoltaik-Anlagen entscheidend gesteigert werden kann.

Herr Halla, National Semiconductor musste im Geschäftsjahr 2009 einen Umsatzrückgang von rund 430 Mio. Dollar hinnehmen. Ist inzwischen eine Trendwende eingetreten und welche Erwartungen hegen Sie für das neue Geschäftsjahr?

Brian Halla: Ich denke, wir können von einer Stabilisierung der Lage sprechen. Unser Umsatz war im letzten Quartal zwar um 4 Prozent niedriger als im Vorgängerquartal, dabei muss man aber auch berücksichtigen, dass das dritte Quartal 14 Wochen und unser viertes Quartal nur 13 Wochen umfasste. Im Vergleich mit dem vierten Quartal des Fiskaljahrs 2008 lagen wir in diesem Jahr natürlich um 39 Prozent zurück. Ein Beleg für eine Trendwende ist sicher auch der im Vergleich zum Vorquartal um 30 Prozent gestiegene Auftragseingang. Wir sind deshalb optimistisch und rechnen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2010 mit einem Umsatzwachstum im Bandbreitenbereich von 2 bis 9 Prozent.

Gibt es bei National Semiconductor derzeit Produktbereiche, die besonders zur Erholung beitragen?

Wir haben im letzten Quartal vor allem steigende Auftragsvolumina unserer Wireless-Handset-Kunden beobachtet, sie haben ganz offensichtlich damit begonnen, den Produktionsanlauf für neue Smart-Phone-Modelle zu starten. Wir sind aber auch in anderen Produktbereichen gut aufgestellt, um mit unseren Analog- und Power-Management-Produkten den wachsenden Bedarf an energieeffizienten Lösungen in einem weiten Anwendungsspektrum befriedigen zu können.

Betrachtet man die Meldungen der letzten Monate über National Semiconductor, könnte man den Eindruck gewinnen, Sie streben mit Macht in den Fotovoltaik-Markt? Sehen Sie darin einen der Zukunftsmärkte für Ihr Unternehmen?

National Semiconductor hat vor kurzem sein 50-jähriges Bestehen gefeiert, und vor diesem Hintergrund bin ich der festen Überzeugung, dass wir mit unserer langjährigen Erfahrung im Bereich zuverlässiger analoger Power-Management-Lösungen entscheidend dazu beitragen können, Themen wie Grid-Parity schneller zu erreichen, als das bisher für möglich gehalten wurde.

Es hat mich deshalb auch besonders gefreut, dass die Intersolar, die weltweit größte Fachveranstaltung der Solarbranche, unsere SolarMagic-Lösung mit dem diesjährigen »Intersolar Award« ausgezeichnet hat. Damit wird das Potenzial dieser Entwicklung, die vor allem darauf zielt, bisher auftretende Energieverluste von PV-Anlagen, etwa durch Verschattungen, deutlich zu verringern, von Branchenexperten anerkannt und gewürdigt. Wenn Sie nach dem Umsatzpotenzial der PV-Branche fragen, sehe ich langfristig keinen Grund, warum sie nicht das gleiche Umsatzniveau wie die Halbleiterbranche erreichen sollte.

SolarMagic entstand im Zuge der Entwicklung von Systemlösungen für erneuerbare Energie. Wann fiel die Entscheidung, sich in diesem Marktbereich zu engagieren, und gibt es noch andere Marktsegmente, denen Sie sich in Zukunft verstärkt widmen wollen?

Wir haben uns nach dem Downturn 2002 die grundsätzliche Frage gestellt, in welche zukünftigen Anwendungsbereiche wir unser angestammtes Entwicklungs- und Applikations-Know-how im Bereich analoger Bauelemente und Power-Management-Lösungen am besten einbringen können. Wenn Sie die bisherige Entwicklung des Halbleitergeschäfts betrachten, können Sie die letzten 50 Jahre in drei Zeitabschnitte unterteilen:

• Den Wettlauf um die Eroberung des Weltalls,

• das PC-Zeitalter und

• den Boom der mobilen Geräte.

Im selben Maße, wie diese Applikationsbereiche in der Vergangenheit das Wachstum unserer Branche getrieben haben, wird es in Zukunft das Energiezeitalter sein. National setzt dabei einen zweigleisigen Ansatz um: Mit der 2002 vorgestellten PowerWise-Adaptive-Voltage-Scaling-Technologie schufen wir die Möglichkeit, den Strombedarf digitaler Systeme auf intelligente Art um bis zu zwei Drittel zu senken. Mit Solar-Magic wollen wir nun einen Beitrag leisten, die Effizienz der Energiegewinnung über PV-Anlagen deutlich zu steigern.

Genau an diesem Punkt dürfte unsere Branche ihren größten Beitrag zur weiteren Entwicklung der erneuerbaren Energien liefern, denn niemand in dieser Branche »talks chips«. Damit lag bislang ein großes Potenzial zur weiteren Steigerung der Energieeffizienz dieser Anlagen brach, parallel zur weiteren Verbesserung der Zellen und Module. Neben dem Bereich der Photovoltaik und der erneuerbaren Energien wird sich National Semiconductor in Zukunft auch verstärkt dem Applikationsbereich der Medizintechnik zuwenden.

Ihr Engagement im PV-Bereich beschränkt sich nicht nur auf SolarMagic, Sie haben im März dieses Jahres die Firma Act Solar übernommen. Eine Ergänzung Ihrer SolarMagic-Aktivitäten oder ein neues Betätigungsfeld im PV-Bereich?

Wir haben mit dieser Übernahme zum einen unser Portfolio an Leistungsoptimierungs-Technologien erweitert. Der Ansatz von Act Solar richtet sich auf die Verbesserung der Effizienz der Strings, unser Ansatz mit SolarMagic richtet sich auf die einzelnen Panels eines Strings. Mit der Übernahme haben wir uns gleichzeitig neue Kompetenzen im Bereich der Diagnose- und Panel-Überwachungs-Funktionen für Solar Arrays an Bord geholt.

Mit unserem Engagement bei Act Solar bringen wir aber auch das Gewicht eines inzwischen seit 50 Jahren bestehenden Unternehmens hinter die Ideen und Konzepte der Act-Solar-Gründer. Diese Ideen und Konzepte werden damit von Geschäftspartnern, Kooperationspartnern und potentiellen Kunden noch einmal anders wahrgenommen, als wenn sie ein 2006 gegründetes Start-up vorträgt. Mit unserem Engagement in diesem Bereich bringen wir Seriosität und finanzielles Backup in die PVBranche, die trotz ihrer bisher bereits 68-jährigen Geschichte in vieler Hinsicht noch immer in den Kinderschuhen steckt.