»Energieeffizienz ist der Wachtumstreiber bei den Leistungshalbleitern«

Für Arunjai Mittal, Senior Vice President & General Manager Power Management & Drives bei Infineon Technologies, sind Energieeffizienz und Energieversorgung die größten Wachstumstreiber im Leistungshalbleiter-Geschäft.

Markt&Technik: Jährlich steigt der weltweite Elektrizitätsbedarf um 2,4 Prozent. Die Energy Information Administration rechnet von 2004 bis 2030 mit einer Verdoppelung des Bedarfs auf 30,1 GWh. Welche Chancen und Herausforderungen liegen für Leistungshalbleiter-Hersteller in dieser Entwicklung?

Arunjai Mittal: Besondere Brisanz erhalten diese Zahlen, wenn man sich ansieht, wo der Bedarf überdurchschnittlich wächst. Hier liegen China mit 4,4 Prozent und Indien mit 3,9 Prozent weit vorne. Elektrizität, die wir nicht verbrauchen, wird damit für die Zukunft zu unserer größten Ressource. Hier setzen wir mit möglichst leistungsfähigen und effizienten Lösungen im IGBT- und MOSFET-Bereich für Applikationen sowohl im Industrie- als auch im Consumer- und Home-Appliance-Bereich an.

Von besonderer Bedeutung ist dabei auch, dass laut UN im letzten Jahr erstmals mehr Menschen weltweit in Städten und Ballungsräumen beheimatet waren als auf dem Land. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen und Auswirkungen darauf haben, wo und wie Elektrizität gewonnen, transportiert und verbraucht wird.

Wo sehen Sie die größten Einsparpotenziale, und auf welche Bereiche wird sich Infineon Technologies verstärkt konzentrieren?

Unsere Chips und Module minimieren Verlustleistung und maximieren Energieeinsparungen – und das entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Energieerzeugung über die Energieübertragung bis hin zum Verbrauch. Nehmen wir das Beispiel Stromversorgungen: Im Jahr 2006 waren weltweit nach Angaben der verschiedenen Marktforschungsinstitute etwa 9,5 Mio. Server im Einsatz. Schon 2011 sollen es rund 30 Mio. sein. Ein Server verbraucht durchschnittlich 1200 W, weltweit wären das rund 36.000 MW.

Ein höherer Wirkungsgrad, etwa durch den Einsatz unserer CoolMOS-MOSFETs, könnte hier einen entscheidenden Beitrag leisten. Schon eine Bedarfsreduzierung um 1 Prozent käme mit 360 MW der Kapazität eines Wasserkraftwerks nahe. Nicht vergessen dürfen Sie dabei, dass effizientere Stromversorgungen auch einen reduzierten Kühlbedarf aufweisen.

Sie zählen zu den führenden Anbietern von Leistungshalbleitern für Industrie- Applikationen. Eröffnen sich im Bereich Traktion und Antriebe nicht noch viel größere Einsparpotenziale?

Durch Chips lässt sich der Bedarf elektrischer Energie beträchtlich senken. Hohes Einsparpotenzial bringen elektronische Steuerungen in elektrischen Antrieben und Motoren, nämlich 20 bis 30 Prozent. In Klimaanlagen sind es zwischen 30 und 40 Prozent und bei Beleuchtungssystemen etwa 20 Prozent. Der Induktionsherd zu Hause braucht ein Viertel weniger Strom als der Elektroherd. Bei Antrieb und Motor gibt es aus unserer Sicht vor allem zwei Ansatzpunkte: Zum einen die energietechnische Optimierung von Traktionsantrieben in Kombination mit Bremskraftrückgewinnung.

Hier gibt es Studien der Deutschen Bahn und der Berliner Verkehrsgesellschaft, die hier ein Einsparpotenzial von 300 GWh ermittelt haben. Das entspricht in etwa dem jährlichen Elektrizitätsverbrauch einer Kleinstadt mit 30.000 Einwohnern. Im Bereich klassischer elektrischer Antriebe sind es vor allem die Invertertechnik und die Leistungselektronik, die den Einzelverbrauch solcher Antriebe um bis zu 40 Prozent reduzieren kann.

Würde laut ZVEI die deutsche Industrie zu 50 Prozent auf elektronisch gesteuerte Antriebe umstellen, ergäbe sich daraus eine Elektrizitätseinsparung von 20 Prozent. In Zahlen wären das jährlich 22 TWh, oder neun Kohlekraftwerke der 400-MW-Klasse, die sich so einsparen ließen. Welches Potenzial diese Verbesserung auf weltweiter Ebene ermöglichen würde, lässt sich daran ablesen, dass derzeit nur etwa knapp 10 Prozent der elektrischen Antriebe elektronisch geregelt sind.