Fokus auf Nordafrika Desertec begräbt Stromexportpläne nach Europa

Das ursprünglich geplante EU-MENA-Super Grid
Das ursprünglich geplante EU-MENA-Super Grid

Desertec gibt seine Strategie, Strom aus der Sahara nach Europa zu exportieren, auf. Paul van Son, CEO der Desertec Industrial Initiative (Dii GmbH), sagte dies in einem Interview mit der EU-Politik-News-Seite EurActiv.

»Wenn wir über erneuerbare Energien aus Nordafrika sprechen, wird letztlich nur ein kleiner Teil den europäischen Markt beliefern«, sagte van Son EurActiv in einem Telefoninterview. Er konzedierte ferner, dass Europa 90 Prozent seines Energiebedarfs selbst produzieren könne. Den ursprünglichen Fokus des Projektes auf den Energieexport, bezeichnete er als »eindimensionales Denken«:

»Offen gesagt, vor vier Jahren bedeutete Desertec, Energie aus Nordafrika zu holen. Wir haben dieses eindimensionale Denken aufgegeben. Es geht jetzt mehr um die Schaffung integrierter Märkte, in denen erneuerbare Energien ihre Vorteile ausspielen werden (…) Das ist das Hauptziel«, sagte van Son.

Die Realisierbarkeit von Desertec war zunehmend in Frage gestellt worden, nachdem Mitinitiator Siemens sich Ende 2012 aus dem Projekt zurückgezogen und die spanische Regierung die zugesagte Unterstützung versagt hatte. Mit der neuen Zielsetzung, den Energiebedarf Nordafrikas zu decken, genießt das Projekt weiterhin die Unterstützung von RWE. Marokko ist derzeit in Verhandlungen mit RWE und Partnern, ein 50 MW Solarkraftwerk und ein 50 MW Windkraftwerk zu bauen. Martin Pack, Sprecher von RWE sagte EurActiv: »Wir sind überzeugt, dass Desertec eine sehr gute Gelegenheit ist, eine erneuerbare Energieversorgung für Nordafrika aufzubauen. Obwohl einige Leute das Projekt kritisieren, glauben wir, dass es langfristig erfolgreich sein wird.«