Bei Netzteilen den Durchblick behalten

Bekanntermaßen ist in der EU alles exakt reglementiert – von der Bekämpfung des Terrorismus bis zum Fußball. Wer soll durch diesen Dschungel noch durchblicken? Dieser Artikel gibt einen Überblick über die einschlägigen Normen und Richtlinien, die Netzteile betreffen.

Bekanntermaßen ist in der EU alles exakt reglementiert – von der Bekämpfung des Terrorismus bis zum Fußball. Wer soll durch diesen Dschungel noch durchblicken? Dieser Artikel gibt einen Überblick über die einschlägigen Normen und Richtlinien, die Netzteile betreffen.

Wer heute ein beliebiges Gerät entwickelt, muss sich in der Regel mit Unmengen von Richtlinien und Normen beschäftigen. Doch nicht alle Normen, die für das gesamte Gerät Gültigkeit haben, gelten zwangsläufig auch für jede einzelne Komponente.

Ein Beispiel: Der Hersteller eines Krans muss sich unter anderem mit den Normen für die Zugfestigkeiten von Stahl genauso beschäftigen wie mit den Normen, die für die zur Stromversorgung eingebauten Netzteile gelten. Umgekehrt haben aber die Normen zur mechanischen Konstruktion für Netzteile keine Relevanz. Es spart allen Beteiligten Arbeit, wenn jedem Teilelieferanten nur die für ihn relevanten Normen abverlangt werden. Doch dazu muss man erst einmal wissen, welche Normen und Richtlinien wo Gültigkeit haben.

Dieser Artikel gibt deshalb einen Überblick über die einschlägigen Normen und Richtlinien, die Netzteile betreffen. Nicht nur die Anzahl der für jeweils einen Bereich relevanten Normen und Richtlinien ist kaum zu überschauen, meist werden auch noch Begriffe verwendet, ohne dass ihre Bedeutung vollständig klar ist. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Norm, einer Richtlinie oder einer Leitlinie?

Eine Rechtsnorm fasst eine unbestimmte Menge von Einzelfällen zusammen und definiert die rechtlichen Folgen, wenn diese Norm nicht eingehalten wird. Richtlinien unterstehen den Normen, denn sie sind per Definition Handlungsvorschriften mit bindendem Charakter, jedoch ohne gesetzliche Natur. Dennoch ist die Richtlinie gesetzlich ermächtigt und hat damit zum Beispiel auch einen arbeitsrechtlich sanktionierbaren Geltungsbereich. Eine Leitlinie hat wiederum weniger Gewicht als eine Richtlinie. Sie spiegelt im Wesentlichen allgemein akzeptierte Standards wider. EG-Richtlinien beispielsweise sind keine Richtlinien im eigentlichen Sinne. Vielmehr werden darin die nationalen Gesetzgeber in der EU aufgefordert, die in der Richtlinie formulierten Forderungen in nationales Recht umzusetzen und anzuwenden.

Bei Endgeräten, in die auch Netzteile eingebaut werden, können also vielfältige Richtlinien und Normen gültig sein. Meist beziehen sich jedoch nur wenige davon auf die Netzteile selbst. Relevante Normen sind hier zum Beispiel die EN 61010 (Sicherheitsbestimmungen für elektrische Mess-, Steuer-, Regel- und Laborgeräte), die EN 60335 (Sicherheit elektrischer Geräte für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke) und die EN 60601 (Medizinische elektrische Geräte).

Die wichtigste Norm im Zusammenhang mit Netzteilen ist aber die EN 60950 zur »Sicherheit von Einrichtungen der Informationstechnik « (Bild 1). Diesen Normen sind diverse Richtlinien untergeordnet, die ebenfalls Netzteile betreffen: zum Beispiel die Niederspannungsrichtlinie (72/ 23/EEC), EMV-Richtlinie (89/336/EEC), Richtlinie zur CE-Kennzeichnung (93/68/ EEC), Maschinenrichtlinie (98/37/EC), Richtlinie für medizinische Geräte (93/ 42/ECC), Richtlinie für Invitro- Diagnostik (98/79/EC), Produkthaftungsrichtlinie (85/374/EEC), ATEX-Richtlinie (94/9/EC) und die Produktsicherheitsrichtlinie (2001/95/EC). Die wichtigsten dieser Richtlinien für Netzteile sind die Niederspannungsrichtlinie und die EMV-Richtlinie.